Diabetologen: Nachwuchs dringend gesucht

Neue Diabetologen braucht das Land

Egal ob Fach-, Hausarzt oder in der Klinik – seit Jahren wird ein Rückgang von Experten für Diabetes beobachtet. Diabetologen könnten Mangelware werden. Welche Gründe gibt es für dieses Nachwuchsproblem und mit welchen Ansätzen lässt es sich lösen?

Die Diabetologie braucht Nachwuchs.
Aus dem Hörsaal in die Diabetologie - für eine flächendeckende Diabetes-Versorgung braucht es mehr Nachwuchs.

Aktuell leben in Deutschland ungefähr 7,5 Millionen Menschen mit Diabetes. Dem stehen insgesamt 60.000 Hausärzte gegenüber, außerdem 1.100 Schwerpunktpraxen, die pro Praxis circa 600 Menschen mit Diabetes unterstützen. Hinzu kommen ungefähr 400 spezialisierte Kliniken und 57 Kinder- und Jugendkliniken. Das klingt erst mal nach einer guten Grundlage für die medizinische Diabetes-Versorgung. Leider relativiert sich das in geografischer Hinsicht: Die Deutsche Diabetes-Hilfe – diabetesDE – pocht auf weitaus bessere Strukturen und Organisationen für eine wohnortnahe Betreuung. Denn in ländlichen Gebieten gäbe es bereits jetzt Schwierigkeiten mit der flächendeckenden Versorgung.

Da 500.000 jährliche Neuerkrankungen sowie eine Überalterung der berufstätigen Diabetologen prognostiziert werden, dürften sich diese Tendenzen noch verschärfen: Allein bis 2025 wird die Mehrheit der Diabetologen ihre Tätigkeit altersbedingt aufgeben. Wie steht es um den Nachwuchs, der eine ausreichende ärztliche Versorgung der Menschen mit Diabetes sichern soll?

Nach dem Abi? Medizinmann werden!

Die Diabetes-Therapie scheint im klassischen Medizinstudium zu kurz zu kommen: “Viele Studierende kommen in den Arztberuf, ohne auf die Behandlung von Menschen mit Diabetes ausreichend vorbereitet zu sein.", stellt Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG, fest.

Ein Mitgrund: Es existiert keine eigenständige Facharztausbildung, die Jungmediziner zu Diabetologen ausbildet. Wie wird man dann zum Diabetologen? Diabetologe darf sich ein Arzt nennen, der eine Zusatz-Weiterbildung über die Landesärztekammer (nach Bundesland geregelt) oder eine 24-monatige Weiterbildung zum Diabetologen DDG absolviert hat. Ansonsten haben es Menschen mit Diabetes oft mit Fachärzten für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie zu tun. Für Studierende ist es zusätzlich gar nicht so einfach, den passenden Ort für die Aus- und Weiterbildung zu finden: Von 33 medizinischen Fakultäten in Deutschland ist Diabetologie nur noch an acht Lehrstühlen von Universitätskliniken vertreten.

Nachwuchsförderung – wie sieht die aus?

Diabetologie müsste bereits im Studium präsenter werden. Aktionen, die dem studierenden Nachwuchs schon frühzeitig Diabetologie schmackhaft machen sollen, sind Kongresse und Tagungen – etwa der 1. Aachener Diabetestag 2019 oder das regelmäßige Angebot der DDG für Reisestipendien zum Diabetes Kongress sowie die Diabetes Herbsttagung. So können praktische Erfahrungen das Interesse angehende Mediziner für die Diabetologie erhöhen. Eine weitere Möglichkeit: Über Börsen können interessierte Studierende Einrichtungen mit diabetologischem Schwerpunkt finden.

Diese Initiativen sind erste Schritte – aus weiteren Forderungen verschiedener Fachgesellschaften, Interessensvertretungen und Diabetologen lassen sich weitere Maßnahmen für die Zukunft ableiten:

  • Aktuelle Lehrstühle mit Diabetologie erhalten und stärker ausbauen
  • Diabetologie als Fach im Medizinstudium sichtbarer machen
  • eigenständige Fachabteilung für Diabetologie schaffen
  • Diabetologie wieder im klinischen, stationären Umfeld etablieren
  • Ärztliche Qualifikationen und Weiterbildungen staatlich anerkennen, wie zum Beispiel Facharzt und Diabetesberater
  • Die Menschen mit Diabetes in den Fokus stellen
     

Es gibt viel zu tun, die Defizite in der (zukünftigen) Patientenversorgung auszugleichen. Es braucht die richtigen Rahmenbedingungen, für die sich auch die neue Präsidentin der DDG, Prof. Dr. med. Monika Kellerer einsetzen möchte, und ein offenes Ohr der Politik. Mit der Nationalen Diabetesstrategie sind die ersten Weichen gestellt, Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation von Diabetologie in Forschung, Lehre und Praxis werden hoffentlich folgen.