Alltagshelden

Was Diabetesberater/innen und Pflegekräfte leisten

01.02.2021 / #meinbuntesleben Redaktion
Ziegelstein Wand mit gemalten Flügeln

„Nurses make the difference“ – „Pflegekräfte machen den Unterschied“ – lautete das Motto des Weltdiabetestags am 14. November 2020. Damit waren neben Pflegekräften im Krankenhaus auch Diabetesberater/innen (DB) in den ambulanten Praxen gemeint. Sie begleiten und unterstützen Menschen mit Diabetes in allen Lebenslagen.

Diabeteswissen kompakt

Wie berechnet man den täglichen Kalorienbedarf? Worauf ist beim Spritzen von Insulin zu achten? Und wie passt man bei hohen Glukosewerten in den Morgenstunden am besten die Basalrate an? Diabetes ist eine komplexe Erkrankung, entsprechend viele Fragen können sich bei Menschen mit Diabetes im Verlauf der Therapie ergeben. Die Quartalstermine beim Diabetologen sind allerdings oft zeitlich derart knapp bemessen, dass man unmöglich alle diese Fragen mit dem Arzt persönlich erörtern kann.

Hochqualifizierte Fachkräfte, die Menschen mit Diabetes unterstützen

Doch zum Glück gibt es DB – geschulte Fachkräfte, die Menschen mit Diabetes beraten und begleiten. Sie führen Diabetesschulungen durch, klären über sämtliche Facetten des Diabetes mellitus auf und können ihren Patienten viele praktische Tipps rund um Ernährung, Blutzuckermessung und Alltagsbewältigung mit auf den Weg geben. DB sind hochqualifiziert, denn sie haben nach ihrer Ausbildung als Medizinische Fachangestellte (MFA) oder Pflegekraft eine umfassende berufliche Weiterbildung absolviert. Nach bestandener Prüfung haben sie einen anerkannten staatlichen Abschluss oder ein Zertifikat nach den Vorgaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). DB arbeiten in ambulanten Diabetes- bzw. Hausarztpraxen oder in diabetologischen Fachabteilungen im Krankenhaus.

Stellungnahmen im höchsten Entscheidungsgremium

Neuerdings haben DB auch ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Aufnahme von neuen Behandlungsmethoden oder Hilfsmitteln in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geht. Seit Juni 2020 gehören sie über ihren Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) zu den Organisationen, die im zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) – so heißt das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen – Stellungnahmen abgeben dürfen. [1] Wann immer es um die Anforderungen an Disease-Management-Programme (DMP) zu Typ-1- und Typ-2-Diabetes geht, fließen also Positionen und berufliche Erfahrungen von DB in den Entscheidungsprozess des G-BA mit ein.

Wichtige Ansprechpartner/innen in den Diabetespraxen
 
Davon profitieren Menschen mit Diabetes, denn DB sind für sie oft die ersten Ansprechpartner/innen rund um alltägliche Diabetesfragen. Die Liste der Fragen, mit denen sich Menschen mit Diabetes vertrauensvoll an ihre Diabetes-Teams wenden können, ist lang [2]:
  • Welche Ernährung und Lebensweise ist bei meiner Erkrankung sinnvoll?
  • Wie funktioniert mein Blutzuckermessgerät und wie führe ich Messungen damit durch?
  • Welche Diabetestechnik ist für mich geeignet und sinnvoll?
  • Wieviele Kalorien verbrennt mein Körper am Tag – und wie kann ich meinen Kalorienverbrauch ankurbeln?
  • Worauf muss ich achten, wenn ich mit Diabetes Sport treiben möchte?
  • Wie kann ich meine Angst vor der Insulinspritze überwinden?
  • Wie berechne ich die Insulinmenge für meine Mahlzeiten?
  • Was kann ich tun, um hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen zu vermeiden?
  • Welche speziellen Empfehlungen gelten während einer Schwangerschaft?
  • Wie kann ich die Einstellungen meiner Insulinpumpe anpassen?
  • Wozu dient eigentlich ein Basalratentest?
  • Wann sollte ich meine Tabletten idealerweise einnehmen?
  • Worauf muss ich bei der Insulindosierung achten, wenn ich Alkohol trinken möchte?
  • An wen kann ich mich wenden, wenn mich mein Diabetes emotional überfordert?
  • Usw.

Weltweiter Mangel an gut ausgebildeten Diabetesprofis

Trotz ihrer wichtigen Rolle für die Versorgung von Menschen mit Diabetes stehen DB in der Regel nicht im Fokus des Interesses. Beim internationalen Weltdiabetestag [3] am 14. November 2020 war das anders: Die Internationale Diabetes Gesellschaft (International Diabetes Federation, IDF) hatte den Tag unter das Motto „Nurses make the difference – Pflegekräfte machen den Unterschied“ gestellt. Dabei ging es zum einen darum, einfach einmal „Danke“ zu sagen für die großartige Arbeit, die DB leisten. Gleichzeitig war es der IDF ein Anliegen, auf drohende Versorgungslücken hinzuweisen. Denn der Bedarf für medizinische Fachkräfte mit Spezialkenntnissen zum Thema Diabetes ist groß: Überall in der Welt wächst die Zahl der Menschen mit Diabetes. Vor allem Typ-2-Diabetes ist auf dem Vormarsch, doch auch beim Typ-1-Diabetes steigen die Erkrankungszahlen. Daher droht ein Mangel an gut ausgebildeten Diabetesprofis.

Beruf für Einsteiger attraktiver machen

Das gilt auch für Deutschland, wo der VDBD kürzlich auf den Pflegenotstand hingewiesen hat, der die Diabetestherapie im Krankenhaus gefährdet. [4] Denn jedes Jahr erhalten in Deutschland etwa 560. 000 Menschen die Diagnose Typ-2-Diabetes. Doch das Personal ist häufig überlastet und die Pflege kommt zu kurz. Damit der Beruf des/der DB für Berufseinsteiger attraktiver wird, fordert der VDBD eine gerechte Bezahlung, die der umfassenden Qualifikation von DB angemessen ist. Auch das ist im Sinne von Menschen mit Diabetes – denn diese brauchen schließlich auch in Zukunft DB als Anlaufstelle bei allen Fragen rund um den Diabetes.

Quellen:
[1] Pressemitteilung des VDBD vom 18.9.2020, siehe https://www.vdbd.de/portal/presse/mitteilung/vdbd-als-stellungnahmeberechtigte-organisation-im-g-ba-aufgenommen/?no_cache=1&cHash=7574d4c8b07f8f72c71eda2fb4eee390 [zuletzt abgerufen 15.12.2020]

[2] Berufsprofil der Arbeitsagentur, siehe https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/bkb/13889.pdf [zuletzt abgerufen 15.12.2020]

[3] Themenseite der International Diabetes Federation, siehe https://worlddiabetesday.org/about/theme/ [zuletzt abgerufen 15.12.2020]

[4] Pressemitteilung des VDBD von Oktober 2020 https://www.vdbd.de/portal/presse/mitteilung/pflegenotstand-gefaehrdet-stationaere-diabetestherapie/?no_cache=1&cHash=0edad200284c71884e99a6125cad3ac6 [zuletzt abgerufen 15.12.2020]