Professor Jacob zu Fett-Protein-Einheiten und dem Insulinbedarf

Pizza, Grillwürste, Nüsse oder Chips …

Die Berechnung von KH-Einheiten zählt zum Alltag von vielen Menschen mit Diabetes, die auf Insulin eingestellt sind. Nun liest man immer wieder einmal von „FPE“ und dass es ratsam ist, diese beim Insulinbedarf zu berücksichtigen. Professor Jacob erklärt, was sich dahinter verbirgt, worauf es ankommt und wer davon profitiert.

FPE berechnen bei Diabetes Interview
"Unterm Strich geht es darum, einen Mahlzeitenbolus nicht komplett, sondern verzögert über einen gewissen Zeitraum abzugeben"

Wofür steht die Abkürzung FPE?

Die Abkürzung steht für Fett-Protein-Einheit. Neben Kohlenhydraten haben auch Fette und Proteine Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, wenn auch zeitverzögert. Deshalb ist es manchmal ratsam, auch den Fett- und Eiweißgehalt in die Berechnung des Insulinbedarfs aufzunehmen. Ein Maßstab hierfür ist eben die Fett-Protein-Einheit (FPE). Diese entspricht der Menge an Fett und Eiweiß, die 100 kcal liefern.

Was genau verbirgt sich dahinter?

Unterm Strich geht es darum, einen Mahlzeitenbolus nicht komplett, sondern verzögert über einen gewissen Zeitraum abzugeben, da Fett die Umwandlung von Kohlenhydraten in Glukose deutlich ausbremst. So kann es auch Stunden nach dem Essen noch zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels kommen.

Welchen Patienten empfehlen Sie eine FPE-Berechnung?

Ich empfehle die Berechnung der Fett-Protein-Einheit Menschen mit Typ-1-Diabetes und Insulinpumpenträgern, die sich überwiegend fett- und eiweißhaltig ernähren – (z. B. im Rahmen der LOGI-Ernährung). Außerdem könnten Eltern, deren Kinder manchmal unerklärlich hohe Blutzuckerwerte haben, zusätzliche Informationen aus der FPE-Berechnung ziehen. Sie kann helfen, den Blutzucker zu verbessern, indem auch für Fett und Eiweiß Insulin gespritzt wird. Dies sollte allerdings nur in Rücksprache mit Diabetes-Experten geschehen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wird dies über die Bauspeicheldrüse, die noch zum Teil eigenes Insulin produzieren kann, kompensiert.

Wie wird FPE berechnet?

Der Wert ergibt sich aus den Kalorien von Fett und Eiweiß; 1 g Fett entspricht 9 kcal und 1 g Eiweiß etwa 4 kcal. Multiplizieren Sie also die Fettmenge Ihrer Portion mit 9 kcal und die Eiweißmenge mit 4 kcal. Addieren Sie anschließend die beiden Werte und teilen Sie ihre Summe durch 100. Hier sind definitiv Kopfrechenkünste gefragt oder ein Taschenrechner.

Wann sollte FPE berücksichtigt werden?

Die Berechnung der Fett-Protein-Einheit ist relativ umständlich und in der Regel nicht notwendig, wenn Sie sich ausgewogen ernähren. Ich empfehle sie bei Nahrungsmitteln, nach deren Verzehr die Blutzuckerwerte häufig zu hoch sind, zum Beispiel nach Pizza, Grillwürsten, Nüssen oder Chips. Sinnvoll ist sie grundsätzlich auch dann, wenn Patienten mit ihren Blutzuckerwerten unzufrieden sind, obwohl sie die Kohlenhydrate richtig berechnen und das Insulin passend dosieren.

Weitere Informationen zum Thema unter: http://diabetesinfo.de/homepage/infos-und-news/fett-protein-einheiten.html