Ein erweiterter Bick auf Diabetes

Neueinteilung der Diabetestypen

12.12.2019 / #meinbuntesleben Redaktion
Fünf Herbstliche Blätter
Diabetes ist nicht gleich Diabetes - Forscher haben fünf "neue" Diabetestypen definiert

Schwedische Forscher schlagen eine Neueinteilung des Diabetes in fünf Typen vor. Welche das sind und wie diese neuen Kategorien aussehen, haben wir uns genauer angeschaut.

Diabetes Typ-1 oder Typ-2? Bisher beschränkte sich die Unterteilung im Wesentlichen auf diese zwei Typen. Beim Typ-1-Diabetes ist aufgrund der Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse durch eine fehlgeleitete Immunreaktion kein körpereigenes Insulin mehr vorhanden. Bei einem Typ-2-Diabetes sind die Körperzellen unempfindlich gegenüber dem körpereigenen Insulin geworden (Insulinresistenz) und wenn dieser nicht behandelt wird, ist dann auch die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage genügend Insulin zu produzieren. Nur selten treten andere spezifische oder genetische Diabetestypen auf. Nach einer umfangreichen Studie schlagen schwedische Wissenschaftler eine Neueinteilung vor.

Warum eine Neueinteilung?

Die Diagnose eines Diabetes bezog sich bisher hauptsächlich auf den Blutzuckergrenzwert – bei einem Nüchternblutzucker von über 125 mg/dl liegt Verdacht auf Diabetes vor. Bestätigt sich dieser, kann getestet werden, ob Antikörper gegen die insulinproduzierenden Beta-Zellen vorliegen. Fällt auch dieser Test positiv aus, ist von einem Diabetes Typ-1 auszugehen. Können keine Antikörper nachgewiesen werden, wird in der Regel ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert.

Diese Diagnosemethoden halten viele Diabetesexperten für zu grob. Diabetes kann offenbar fast so unterschiedlich sein, wie die Menschen, die von ihm betroffen sind. Eine Erweiterung des Blickwinkels könne dazu beitragen, die Diabetestherapie zu verbessern, auf den Einzelnen besser abzustimmen und zielgerichtet Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Neue Klassifikationen nach sechs Parametern

Das schwedische Forscherteam nutzte neben dem Blutzuckergrenzwert sechs weitere Parameter:

Sie werteten bereits vorliegende Daten aus, die über viele Jahre gesammelt wurden. Das Ergebnis: Einige der Versuchsteilnehmer waren unempfindlich gegenüber dem eigenen Insulin und die insulinproduzierenden Zellen stellten mehr und mehr ihre Arbeit ein. Andere Teilnehmer könnten dagegen ein Leben lang ohne zusätzliches Insulin auskommen. Auch in Bezug auf die Art der diabetesbedingten Folgeerkrankungen stellten die schwedischen Wissenschaftler deutliche Unterschiede fest.

Fünf „neue“ Diabetestypen

Neueinteilung Diabetestypen

SAID  =  schwerer autoimmuner Diabetes

               Antikörper, Insulinmangel, schwere Stoffwechselstörung

SIDD  =   schwerer Insulinmangel-Diabetes

                 keine Antikörper, Insulinmangel, schwere Stoffwechselstörung

SIRD  =   schwerer insulinresistenter Diabetes

                Insulinresistenz, adipös, schwere Stoffwechselstörung

MOD  =   leichter, adipositasbedingter Diabetes

                keine Insulinresistenz, adipös, leichte Stoffwechselstörung

MARD  = leichter, altersbedingter Diabetes

                keine Insulinresistenz, hohes Alter, leichte Stoffwechselstörung

Die erste Gruppe wird als schwerer autoimmuner Diabetes, kurz SAID („severe autoimmune diabetes“), bezeichnet. Das entspricht im Wesentlichen dem Typ-1- und dem LADA-Diabetes. Menschen diesen Typus sind bei der Diagnose noch relativ jung, weisen hohe HbA1c-Werte auf und es konnten Anitkörper gegen die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse festgestellt werden.

Die zweite Gruppe, der SIDD oder schwerer Insulinmangel-Diabetes („severe insulin-deficient diabetes“), umfasst Menschen mit Diabetes, die negativ auf Antikörper getestet wurden, aber eine gestörte Insulinproduktion und eine mäßige Insulinresistenz aufweisen. Aufällig ist, dass bei diesem Typ das Risiko für eine Schädigung der Netzhaut des Auges (Retinopathie) am höchsten ist.

Der schwere insulinresistente Diabetes oder auch SIRD („severe insulin-resistant diabetes“) ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Insulinresistenz und meist starkes Übergewicht. Die Wahrscheinlichkeit für eine Folgeerkrankung der Nieren (Nephropathie) ist in dieser Gruppe am höchsten.

Beim MOD oder auch leichter, adipositasbedingter Diabetes („mild obesity-related diabetes“) liegt ebenfalls starkes Übergewicht, aber keine Insulinresistenz vor. Diese Form tritt adipositasbedingt meist schon in einem relativ jungen Alter auf und kann durch Lebenstiländerungen gut behandelt werden.

Die fünfte Gruppe wird als MARD oder leichter, altersbedingter Diabetes („mild age-related diabetes“) beschrieben. Der Diabetes entwickelt sich hier erst im höheren Alter und es liegen nur leichte Stoffwechselstörungen vor. Auch hier stehen Lebensstiländerungen bei der Therapie im Mittelpunkt.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich diese Erkenntnisse zukünftig in verbesserten Therapien für die verschiedenen Diabetestypen widerspiegeln wird: Mit der Zugehörigkeit zu einer dieser fünf Untergruppen könnten sich auch individuellere Therapie-Strategien etablieren – möglicherweise mit Unterstützung durch Software-Tools, um einen möglichen weiteren Krankheitsverlauf zu berechnen.