Tipps vom Diabetologen

In neun Schritten leichter Blutzucker messen

30.10.2020 / #meinbuntesleben Redaktion
Hände waschen
Die Vorbereitung macht’s – vor jeder Blutzuckermessung sollte man seine Hände waschen, möglichst mit einer pH-neutralen Seife.

Richtiges Blutzuckermessen will gelernt sein. Was als Grundlage jeder Diabetes-Schulung vermittelt wird, geht im Alltagstrubel gerne mal verloren. Zwischen Tür und Angel messen, unterwegs im Restaurant oder abends noch kurz auf der Couch – mit der richtigen Technik reduziert man sowohl das Risiko von Fehlmessungen als auch vermeidbare Schmerzen und Verletzungen. Damit es mit dem Messen rund läuft, fasst Dr. Segiet, Diabetologe aus Speyer (Rheinland-Pfalz), seine wichtigsten Tipps zusammen. Schritt für Schritt zu einer guten und schmerzarmen Messroutine – so klappt’s bestimmt:

Diabeteswissen kompakt

Accu-Chek-Ratgeber
Accu-Chek Ratgeber

Utensilien bereithalten

„Bevor es ans Messen geht, sollte man alles bereitlegen, was man zur Blutzuckerkontrolle braucht: Blutzuckermessgerät, Teststreifen und Stechhilfe. Denn wer will schon mit Blut am Finger das Messgerät hinter dem Sofakissen suchen oder in der Handtasche nach Streifen kramen? Beim Thema Lanzette empfehle ich, diese nur einmal zu benutzen, da sie abstumpft und dann die Haut verletzen kann. Das ist zudem hygienischer und schützt vor Infektionen.“

Hände waschen nicht vergessen

„Spätestens seit der Corona-Pandemie weiß jeder, wie wichtig Händewaschen ist. Für die Blutzuckermessung kommt es nicht nur darauf an, Viren zu entfernen, sondern auch Rückstände von Zucker – zum Beispiel von einem Apfel, den man gerade gegessen hat. Diese Zuckerreste könnten die Werte verfälschen. Übrigens ist auch in Honigseife Zucker enthalten, deshalb sollte man im wahrsten Sinne des Wortes die Finger davonlassen und stattdessen eine milde, pH-neutrale Seife benutzen.“

In die Fingerbeere stechen

„Zum Messen genügt ein kleiner Tropfen Blut, und wer die richtigen Kniffe kennt, kommt so gut wie schmerzfrei daran. Zuerst einfach den Finger kurz massieren, damit er gut durchblutet ist. Dann etwas seitlich der Fingerbeere stechen. Dort verlaufen weniger Nervenbahnen als in der Mitte, und der Piks ist kaum zu spüren. Die Fingerbeere im Anschluss sanft drücken und nicht quetschen, sonst tritt zusätzlich Gewebeflüssigkeit aus, die den gemessenen Wert verfälschen kann. Den Zeigefinger und Daumen verschont man am besten beim Messen, weil diese im Alltag am stärksten beansprucht werden. Also lieber zwischen Mittel-, Ring- und kleinem Finger abwechseln und auch einmal die Finger der anderen Hand nutzen.“

Welches Messgerät passt zu mir?

„Mit dem passenden Messgerät können sich Menschen mit Diabetes den Alltag sehr viel leichter machen. Moderne Blutzuckermessgeräte wie Accu-Chek Guide sind unkompliziert zu handhaben und liefern ohne leidiges Warten zuverlässige Ergebnisse. Meine Patienten berichten immer wieder, dass auch die durchdachten Details in vielen Alltagssituationen eine große Erleichterung sein können: Wer schon einmal unterzuckert mit zittrigen Händen messen wollte, weiß die praktische Teststreifenbox zu schätzen, aus der keine Streifen herausfallen können. Und wer auch bei weniger guten Lichtverhältnissen oder noch einmal schnell nachts im Bett messen möchte, profitiert besonders vom beleuchteten Teststreifeneinschub.“

Tagebuch führen

„Oft werde ich gefragt: Warum muss ich ständig meine Werte aufschreiben? Ganz einfach: Wer nach jeder Messung seinen Blutzuckerwert dokumentiert und mit weiteren Angaben wie Mahlzeiten und Insulinabgaben ergänzt, lernt viel über seinen Körper und wie er in bestimmten Situationen reagiert. Für mich als Diabetologe ist eine gute Dokumentation ebenfalls Gold wert, weil ich so besser nachvollziehen kann, wie gut der Patient seine Therapie im Alltag umsetzt. Das ist die ideale Basis, um gemeinsam die Therapie zu optimieren. Wer keine Lust auf ein handschriftliches Diabetestage-buch hat, dem kann ich alternativ eine Smartphone-App wie mySugr empfehlen, mit der viele meiner Patienten gute Erfahrungen gemacht haben.“

Messen nach Plan

„Wann und wie oft man den Blutzucker messen sollte, ist individuell unterschiedlich und wird gemeinsam mit dem Arzt festgelegt. Generell kann man sagen, dass insulinpflichtige Patienten etwa vier bis sieben Mal am Tag ihre Werte kontrollieren sollten. Sinnvoll ist dabei, möglichst regelmäßig und immer zu den gleichen Zeiten zu messen. Dazu zählen der Morgen, jeweils vor und etwa zwei Stunden nach den Mahlzeiten sowie der Abend. So kann man die Werte gut vergleichen und lernt, wie sich der Blutzucker beispielsweise bei verschiedenen Mahlzeiten verändert. So lässt sich auch der Bedarf an Insulin besser einschätzen.“

Unsicher? Nochmal messen!

„Und was, wenn man vom gewohnten Alltag abweicht? Wenn der Sonntagsspaziergang länger dauert, weil das Wetter so schön ist? Wenn man ein neues Medikament verschrieben bekommt oder es sich bei einer Familienfeier am Buffet gut gehen lässt? Dann empfehle ich, lieber einmal öfter zu messen, um unerfreuliche Überraschungen zu vermeiden. Das gilt vor allem auch, bevor man sich ans Steuer setzt oder wenn man spürt, dass man gerade unterzuckert sein könnte. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man Messgerät, Teststreifen und Stechhilfe immer dabei hat.“

Teststreifen richtig lagern

„Sie liegen gerne einzeln im Bad oder werden in der Hand- oder auch in der Hosentasche verstaut: Obwohl es nur allzu verständlich ist, dass man sie immer gerne parat hat – Teststreifen reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit, Hitze und Licht. Deshalb bitte die Streifen nie lose, sondern am besten in einer geschlossenen Box lagern. Im Idealfall ist die Teststreifenbox so handlich und flach wie bei Accu-Chek Guide, damit man sie immer problemlos einstecken kann.“

Den Händen etwas Gutes tun

„Menschen mit Diabetes haben oft eine schlechtere Wundheilung. Mein Tipp: Drückt man nach der Blutentnahme die Haut um die Einstichstelle leicht zusammen, vermeidet man Blutergüsse. Damit die Fingerspitzen unter dem Piksen nicht leiden und verhornen, hilft es, sich nach dem Messen einzucremen, zum Beispiel mit einer Urea-Creme – dann bleiben die Hände schön zart und nehmen die regelmäßigen Einstiche nicht übel.“