Diabetes und Fett-Protein-Einheiten (FPE): Wer sie wie berechnen sollte

Damit haben Sie nicht gerechnet?

Es sind nicht allein die Kohlenhydrate, die Ihren Blutzucker beeinflussen: Auch Fett und Eiweiß können hier ein Wörtchen mitreden. Was hat es mit den sogenannten FPE auf sich – und wie werden sie berechnet?

Diabetes und Fett-Protein-Einheiten (FPE): Wer sie wie berechnen sollte
Diabetes und Fett-Protein-Einheiten (FPE): Wer sollte wie damit rechnen?

Die Abkürzung FPE steht für Fett-Protein-Einheit oder auch Fett-Eiweiß-Einheit. Sie beschreibt den Anteil der Kalorien aus Fetten und Eiweiß in einer Mahlzeit. Genau wie für KEs, also Kohlenhydrat-Einheiten lässt sich auch für FPE eine Insulindosis berechnen – denn mit etwas Verzögerung werden sowohl Fett als auch Eiweiß vom Körper teilweise in Zucker umgewandelt. Doch längst nicht für alle Menschen mit Diabetes spielt diese zusätzliche Berechnung eine Rolle – und ist auch nicht für alle ratsam. Schon gar nicht für diejenigen, die sich frisch nach der Diagnose gerade erst mit der KE-Berechnung vertraut gemacht haben. Die zusätzliche Insulinmenge wird auch nicht für jede Mahlzeit fällig: Das Berechnen der FPE macht vor allem dann Sinn, wenn eine Mahlzeit wie bei einer fleischreichen Grillparty fast ausschließlich aus Fett und Eiweiß besteht. Bei Mahlzeiten mit einer ausgelichenen Mischung von Nährstoffen, kommt man im Grunde ohne eine zusätzliche Insulingabe für FPE zurecht. Dennoch: Für den Fall der Fälle lohnt es sich, die Berechnung von FPE zu kennen.

FPE berechnen für Schnitzel und Steaks

Für Nahrungsmittel, die fast nur aus Fett und Eiweiß bestehen (wie zum Beispiel Fleisch), lassen sich die FPE recht einfach berechnen: Man teilt den Kaloriengehalt des Fleischstücks durch 100. Für ein Steak mit 200 Kalorien ergeben sich also zum Beispiel 2 FPE. Wie viel zusätzliches Insulin sollten Sie nun für 2 FPE einplanen? Das hängt davon ab, wie sehr Ihr individueller Blutzuckerspiegel auf Fett und Eiweiß reagiert – wenn Sie FPE zum ersten Mal ausprobieren, können Sie zum Beispiel bei der Hälfte der Insulinmenge starten, die Sie für 2 KE verabreichen würden. Achtung: Experimente auf eigene Faust sind hier Fehl am Platz! Besprechen Sie sich unbedingt vorher mit Ihrem Diabetologen.

Wichtig ist, dass Sie das Insulin für Fett und Eiweiß mit einer zeitlichen Verzögerung verabreichen: Für 1 FPE empfiehlt sich eine Wartezeit von 3 Stunden, für 2 FPE circa 4 Stunden und ab 3 FPE 6 bis 8 Stunden. Insulinpumpenträger können dafür einfach einen verzögerten Bolus programmieren. Mit der Accu-Chek Spirit Combo Insulinpumpe lässt sich zum Beispiel ein verzögerter Bolus im Zeitraum von bis zu 12 Stunden nach der Grillparty einplanen, der dann automatisch abgegeben wird. Wenn Sie Insulin spritzen, können Sie sich an dieselben Zeitverzögerungen halten und jeweils kleine Insulinmengen nachspritzen.

FPE berechnen für Pizza und Co

Bei sehr fettigen Speisen, die außer Fett und Eiweiß auch noch Kohlenhydrate enthalten, empfiehlt sich die FPE-Berechnung ebenfalls. In diese Kategorie fällt zum Beispiel Pizza mit reichlich Käse oder andere fettreiche Gerichte. Die Berechnung der FPE erfordert nun einen kleinen Zwischenschritt: Der Kaloriengehalt der Kohlenhydrate wird zuerst vom Gesamtkaloriengehalt der Speise abgezogen. Dafür sollten Sie zuerst den Kaloriengehalt der Kohlenhydrate in Ihrer Mahlzeit berechnen, indem Sie die Grammzahl der Kohlenhydrate mit 4 multiplizieren. Den enthaltenen Kalorienwert ziehen Sie vom Gesamtkaloriengehalt der Speise ab, teilen dieses Ergebnis durch 100 und erhalten Ihre FPE.

Ein kleine Beispielrechnung:

Pizza Salami (350 g), insgesamt 921 kcal, 92 g Kohlenhydrate:

Schritt 1: Die Kalorienanzahl der Kohlenhydrate berechnen

92 g x 4 kcal = 368 kcal


Schritt 2: Den Kaloriengehalt der Kohlenhydrate von der Gesamtzahl der Kalorien abziehen

921 kcal – 368 kcal = 553 kcal


Schritt 3: Den restlichen Kaloriengehalt durch 100 teilen

553 kcal : 100 = 5,5 FPE

Egal ob Pumpe oder Pen – wenn Sie nach Absprache mit Ihrem Diabetologen die ersten Versuche mit Insulingaben für Fett-Eiweiß-Einheiten machen, sollten Sie Ihren Blutzuckerspiegel sehr gut im Auge behalten. Probieren Sie doch während der Grillsaison einfach aus, ob sich Ihr Messwert am Morgen nach der Grillparty durch eine Berücksichtigung der FPE verbessern lässt. Egal ob mit oder ohne FPE – mit der richtigen Berechnungen können Sie sich auf spannende Fussball-Spiele und leckere Barbecues freuen!