Mit Kopf, Herz und Hand

Barbara Müller über Bewegung und Motivation

09.02.2016 / #meinbuntesleben Redaktion
Durstlöscher und der Blutzuckerspiegel
Als selbstständige Diabetesberaterin hat Barbara Müller tagtäglich mit Menschen mit Diabetes zu tun. Über einige Begegnungen hat sie mit uns gesprochen.

Barbara Müller ist als erfahrene Diabetesberaterin, Ernährungs- und Diätberaterin für ihre deutschlandweiten Kreativseminare und Fortbildungen bekannt. Wir haben sie gefragt, wie man sich mit Diabetes zu mehr Sport und Bewegung motivieren kann.

Sport ist gesund und macht glücklich – nicht nur, aber ganz besonders bei Diabetes. Haben Sie konkrete Beispiele von Patienten, die durch Bewegung und Motivation dauerhaft ein besseres Diabetes Management aufweisen können?

Wenn ich grob überschlage, habe ich vielleicht 800 Patienten in meiner Beraterzeit allein durch eine Ernährungsumstellung und Bewegung vom Insulin weggebracht. Sie jetzt alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Ein junger Mann ist mir allerdings sehr gut in Erinnerung geblieben – übergewichtig und ein absoluter Bewegungsmuffel. Sport war für ihn die Höchststrafe; bis ich ihm einen Tanzkurs vorgeschlagen habe. Dieses Frühjahr bin ich nun auf eine Hochzeit eingeladen. Er hat nicht nur Gewicht verloren und damit seine Blutzuckerwerte verbessert, sondern auch Freude am Tanzen und seine Traumfrau gefunden.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich von jedem Patienten begeistert, der Freude an Bewegung findet. Die unmittelbare Auswirkung auf den Blutzuckerwert ist schließlich die beste Motivation.

Wieder in Bewegung zu kommen ist nicht leicht. Was sollte man am besten tun und was verspricht, Ihrer Meinung nach, wirklich Erfolg?

In erster Linie muss Bewegung begeistern und Spaß machen, sonst bleibt man einfach nicht dran. Und Spaß bedeutet für jeden etwas anderes. Daher zähle ich in meinen Schulungen erst einmal Optionen auf. Rad fahren macht Spaß, schont die Gelenke und fördert die Ausdauer. Dieser einfache Sport ist ideal für Faulenzer und Anfänger. Außerdem ist ein Fahrrad praktisch: Wer regelmäßig zur Arbeit oder zum Einkaufen radelt, hat bereits viel für seinen Körper getan. Ein E- Bike erleichtert übrigens entschieden den Einstieg für das Rad fahren: Am Anfang lässt sich eine leichte Hilfe dazu schalten, wenn es zu steil wird. Später kann man diese dann langsam reduzieren. Wichtig ist erstmal der Spaßfaktor! Für übergewichtige Menschen eignet sich das Schwimmen hervorragend, um fit zu bleiben. Auch Aqua-Fitness bringt viel, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht lustig aussieht. Im Wasser spüren Patienten nur ein Zehntel des Gewichts und trainieren trotzdem ihre gesamte Muskulatur. Absoluten Bewegungsmuffeln empfehle ich einen Heimtrainer. Er bringt den Stoffwechsel in Schwung und kann bequem in den Fernsehabend integriert werden. In meinen Schulungen setze ich zum Beispiel Minibikes ein, die bequem unter jedem Tisch Platz finden. Während der Stunde treten meine Patienten in die Pedale und tun nebenbei etwas Gutes für ihren Stoffwechsel. Trainingseinheiten mit dem Thera-Band oder Wasserflaschen statt Hanteln können auch im Sitzen ausgeübt werden und sind auch für adipöse Patienten gut geeignet. Zum Schluss lasse ich dann alle den Blutzucker messen. 

Was empfehlen Sie Patienten, die sich nur schwer selbst motivieren können?

Belohnung kann ein hilfreicher Motivator sein. Daher verordne ich manchen Patienten ein Stück Kuchen. Davor müssen sie sich jedoch eine halbe Stunde bewegen, zum Beispiel eine halbe Stunde stramm spazieren gehen oder zum Café laufen. Feste Trainingstermine und nette Sportkameraden können ebenfalls helfen, in motivationsschwachen Momenten dran zu bleiben. Hier bieten sich besonders Bewegungsprogramme sowie lokale Sportgruppen an. Ich habe als Diabetesberaterin eine Liste von den umliegenden Sportvereinen. Reha- Sport und Koronarsport kann übrigens auch verordnet und von der Krankenkasse übernommen werden - Formulare bekommt man im Reha- Zentrum oder im Sportverein. Diese füllt der Arzt aus, dann geht es zur Krankenkasse, die eine Entscheidung über die Genehmigung fällt.

Manchmal braucht man auch einen Anstoß von außen, um sich zur Bewegung aufzuraffen. Was ist hier Ihr Geheim-Tipp?

Ich versuche meine Patienten dazu zu bewegen, dem Diabetes davon zu laufen. Die konsequente Ausnutzung von selbst minimalen Bewegungen im Alltag, zum Beispiel während der Arbeit oder im Haushalt, hilft schon. Wer also Treppen steigt, statt den Lift zu benutzen, wer die Brötchen zu Fuß holt, statt mit dem Auto zu fahren, wer gern shoppen geht, statt alles im Internet zu ordern, der hält sich so ganz beiläufig gesund und fit. Dem Körper ist es egal, wie er bewegt wird und das macht sich auch beim Blutzuckerwert bemerkbar. Wenn das als Motivation nicht reicht, schließe ich manchmal Verträge mit meinen Patienten. Ich vereinbare dann mit ihnen eine reduzierte Insulindosis. Dafür müssen sie sich dann jedoch bewegen. Dieser kausale Zusammenhang wirkt häufig erstaunlich gut.

Mit ihrem im August 2012 erschienenen Diabetes-Schulungsbuch „Hilfe, zuckerkrank – was nun?“, herausgebracht im BMS Diabeteskiste Verlag, geben Barbara Müller und Isolde Weidlich-Schütz auf viele Fragen passende Lösungsvorschläge. Auf besonders verständliche und humorvolle Art ergänzen die Autorinnen vorhandene Schulungsprogramme. Weitere Informationen gibt es unter www.diabeteskiste-verlag.de