Statistiken rund um Diabetes in Deutschland

Mehr als nur Zahlen

Zahlen über die Verbreitung von Diabetes in Deutschland gibt es wie Sand am Meer. Wie es aktuell aussieht und wie man diese Zahlen auslegen kann, erfahren Sie hier.

Abacus als einfache Rechenmaschine.
Wie viele Menschen mit Diabetes gibt es in Deutschland? Die genaue Zahl schwankt wie mancher Blutzuckerverlauf.

"Mehr als 6 Millionen", "über 7 Millionen", "7,2 Prozent der Erwachsenen", "über 8 Millionen" – die konkrete Zahl über die deutschlandweite Verbreitung des Diabetes schwankt ständig. So verschieden wie die Menschen in den einzelnen Teilen Deutschlands, so unterschiedlich sind auch die Zahlen in Bezug auf die Diabetesrate in Deutschland. Aber wie viele sind es denn jetzt wirklich? Valide Schätzungen für die einzelnen Länder, Europa und die ganze Welt liefert die International Diabetes Federation (IDF) im Zweijahresrhythmus.

Diabetes-Statistik für Deutschland: Wieso, Weshalb, Warum
7,5 Millionen – laut der Statistiken des Diabetes-Atlas lebten im Jahr 2017 deutschlandweit ungefähr so viele Menschen mit Diabetes. Also etwa zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung. Oder anders ausgedrückt: Ungefähr jeder achte Deutsche erhielt bis zum Jahr 2017 die Diagnose Diabetes.

Auf den ersten Blick wirken solche „nackten Zahlen“ sehr abstrakt, dennoch stecken in ihnen viele wichtige Informationen. Mit dem passenden Kontext versehen, könnte aus ihnen wichtiges Wissen für Forschung, Politik und Gesellschaft abgeleitet werden. Beispielsweise welche finanziellen Mittel für die gesundheitliche Versorgung eingeplant werden sollten oder welche medizinischen Berufe und Ausbildungen zukünftig relevanter werden könnten.

Detailgetreue Wirklichkeit oder nur grobe Schätzungen?
Wo die Reise in puncto Verbreitung von Diabetes in Deutschland hingeht, ist nur schwer abzuschätzen. Eine paar handfeste Aussagen lassen sich auf Basis des Diabetes-Atlas treffen: Die Gesamtzahl der Menschen mit Diabetes ist im Jahr 2017 im Vergleich zu 2015 gestiegen und zwar um etwa eine Million. Wie es für 2019 aussieht, wird erst bei der nächsten Veröffentlichung im November diesen Jahres deutlich werden.

Der Diabetes-Atlas basiert aber lediglich auf Schätzungen, die zu einem gewissen Grad von der Wirklichkeit abweichen können: Anhand der Daten-Auswertungen der Krankenkassen und Ärzte, wird die absolute Zahl der Menschen mit Diabetes für den jeweiligen Zeitraum hochgerechnet. Genaue Aussagen über die konkrete Anzahl zu treffen, ist also generell schwierig. Um wirklich alle abbilden zu können, müsste jeder einzelne Fall erfasst werden. Da bislang kein einheitliches Diabetesregister existierte, war dies in der Vergangenheit nicht möglich. Auch die Dunkelziffer – also die Menschen mit Diabetes, die nichts von ihrem Diabetes wissen – kann nur grob eingegrenzt werden. Wie viele es denn – die Dunkelziffer miteingeschlossen – wirklich sind, bleibt bislang ungeklärt.

Ein Blick in die Zukunft – halb Glaskugel, halb Daten getrieben
Laut der Prognosen für das Jahr 2045 wird für Deutschland ein Rückgang der absoluten Anzahl der Menschen mit Diabetes vorhergesagt. Ein Silberstreifen am Horizont? Nicht ganz, denn gleichzeitig wird für das Jahr 2045 auch ein Rückgang der Gesamtbevölkerung Deutschlands um 4 Millionen auf knapp 76 Millionen Deutsche prognostiziert. Im Umkehrschluss bedeutet dies einen Anstieg des Anteils der Menschen mit Diabetes um zwei Prozent auf 14 Prozent. Einfacher ausgedrückt: Im Jahr 2045 werden es zwar weniger Menschen mit Diabetes sein, aber ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird dafür größer.

Nun sind Prognosen nicht in Stein gemeißelt, sondern nur ein Blick in die Zukunft unter den Bedingungen der Gegenwart. Welche technischen und medizinischen Innovationen in den nächsten 30 Jahren entwickelt werden, die diese Zahlen beeinflussen, kann in solche Berechnungen nicht einfließen. Zum Beispiel könnte ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein dazu führen, dass der Stellenwert von Bewegung und ausgewogener Ernährung stark steigt. Auf diese Weise könnte die Verbreitung des Typ-2-Diabetes deutlich eingedämmt werden – und der macht immerhin rund 90% aller Diabetes-Diagnosen aus, also fast 6,7 Millionen Menschen.