Gesundheit und Ernährung im Fokus

Klug gewählt: Diabetes im Koalitionsvertrag

Seit Jahren wird von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ein nationaler Diabetesplan gefordert, seit dieser Legislaturperiode ist er tatsächlich da – zumindest auf dem Papier: Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist erstmals ein Handlungsplan für Vorbeugung und Umgang mit Diabetes verankert. Wir werfen einen Blick auf die nationale Diabetesstrategie.

Kind mit Gemüse
Schluss mit „Kantinenfraß“: In Schulen und Kitas gelten in Zukunft die Mindeststandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Mehr als 7 Millionen Menschen in Deutschland sind von einer Form von Diabetes betroffen – das sind mehr als die Einwohner von Berlin, Hamburg und Frankfurt zusammengerechnet. In der deutschen Gesundheitspolitik hat das Thema Diabetes trotzdem lange keine herausragende Rolle gespielt. Mit dem Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode soll sich das ändern, denn zum ersten Mal ist eine deutschlandweite Diabetes-Strategie darin verankert. Dreh- und Angelpunkt ist das Bekenntnis zum Patientenwohl als Maßstab der Gesundheitspolitik.

Konkrete Ankündigungen gibt es vor allem in Bezug auf Verhinderung desTyp-2-Diabetes. So soll etwa die Mittagspause in Schulen und Kitas gesünder werden: Für die Cafeterien, Kantinen und Mensen sollen in Zukunft verbindliche Qualitätsstandards fürs Essen gelten. Außerdem steht gesündere Ernährung und die Vorbeugung von Übergewicht im Vordergrund. Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten soll es an den Kragen gehen und dann auch die Kennzeichnung von Nährwerten offensichtlicher werden.

Oder – sollte? Den Kabinettsbeschluss zur Nationalen Reduktionsstrategie gab es im Februar 2019. Der sieht allerdings nur eine freiwillige Reduktion vor – ohne konkrete Obergrenzen. Genau die hatten aber Fachgesellschaften erst zwei Monate vorher zumindest für Zucker festgelegt: Mehr als 50 g täglich sollten es demnach nicht sein. Besonders pikant: In die Ausarbeitung dieser „Reduktionsstrategie light“ wurden Vertreter der Lebensmittelindustrie eingebunden.

Für die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die die Obergrenze mit festgelegt hat, bedeutet das: Wissenschaftliche Argumente werden nicht ernst genommen. Einige Forderungen sind allerdings auch schon vorher auf der Strecke geblieben:

  • In der Schule und im Kindergarten täglich mindestens eine Stunde Bewegung in die Stundenpläne und Tageabläufe zu integrieren.
  • Werbung für Süßigkeiten oder andere potenziell dickmachende Lebensmittel, die sich an Kinder richtet, zu verbieten.


Mehr Überblick durch Digitalisierung – auf jeder Ebene
Trotz des bisher holprigen Starts kann die Einführung der nationalen Diabetes-Strategie ein wichtiger Schritt für die Behandlung und Vorbeugung von Diabetes sein. Denn es braucht teilweise noch echte Grundlagen-Arbeit. Bei der genauen Anzahl der Diabetes-Erkrankungen gibt es beispielsweise immer noch eine große Dunkelziffer. Deshalb ist auch der Aufbau eines nationalen Diabetesregisters einer der Kernpunkte auf der Agenda des Diabetesplans im Koalitionsvertrag.

Damit das funktionieren kann, setzt die „GroKo“ auch im Gesundheitswesen auf Digitalisierung. Das Vorhaben der Regierung zielt in erster Linie auf den Aufbau einer sicheren digitalen Infrastruktur zum Austausch medizinischer Daten.

Während dieses Vorhaben erstmal sehr grundlegend ist, wissen viele Menschen mit Diabetes schon lange um die Vorteile, die digitale Lösungen im täglichen Leben bieten. Ob es nun das Diabetes-Tagebuch ist oder die Kommunikation des CGM-Systems mit dem Smartphone: Digitales Diabetes-Management kann das tägliche Leben mit Diabetes und auch die individuelle Diabetes-Therapie in vielerlei Hinsicht erleichtern – relevante Diabetesdaten können heutzutage automatisch in Tagebuch-Apps wie mySugr eingetragen werden. Das so gewonnene Mehr an Überblick und Sicherheit ist auch ein Vorteil für den Termin beim DiaDoc: Denn es geht ja darum, gemeinsam mit dem Arzt Ableitungen zu treffen und so Ihre Therapie-Ergebnisse zu verbessern.

Zusammenarbeit und Vernetzung – ob nun von nützlichen Diabetesprodukten oder im Gesundheitswesen – sind ein Schlüssel, um die Diabetesversorgung gezielt zu optimieren und allen Beteiligten den Alltag mit Diabetes so leicht wie möglich zu machen. Denn das ist es, was letzten Endes zählt: Ihr Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität.