Insulinbedarf durch Ernährung senken

Low Carb-Formel lässt Pfunde purzeln

06.06.2019 / #meinbuntesleben Redaktion
Spargel und Fleisch sind auf einem Teller angerichtet.
Reichlich Gemüse und Proteine, dafür möglichst keine Kohlenhydrate: Very Low Carb-Gerichte lassen die Pfunde purzeln und erzielen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes positive Effekte auf die Therapieergebnisse.

Weniger Kohlenhydrate bedeutet weniger Insulin: eine einfache Formel, die zudem dabei hilft, Fettpolster abzubauen. Bei Typ-2-Diabetes kann eine Very-Low-Carb-Ernährung unter Umständen sogar die Umstellung auf eine Insulintherapie vermeiden.

Für Gesundheitsbewusste und Abnehmwillige ist Low Carb (= wenig Kohlenhydrate) immer wieder ein Thema. Hauptsächlich, weil Kohlenhydrate als Dickmacher gelten, die die Insulinausschüttung befeuern. Neben vielen weiteren Funktionen fördert Insulin nämlich auch die Fetteinlagerung bzw. hemmt den Fettabbau.

Angesammelte Pfunde, insbesondere Bauchfett, können im schlimmsten Fall zu Typ-2-Diabetes führen. So gesehen ist es im Rahmen einer Diabetes-Therapie durchaus sinnvoll, die Kohlenhydratzufuhr einzuschränken: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann der Bedarf an Insulin und Antidiabetika zurückgehen und der Verlauf des Diabetes günstig beeinflusst werden. Bei Prädiabetes ist ein möglicher positiver Effekt die Verringerung des Diabetes-Risikos.

Infobox Low Carb

Von Low Carb spricht man ab einer Energiezufuhr von weniger als 40% durch Kohlenhydrate.

Allgemein ist bei der Low-Carb-Ernährung zu beachten: Sie kann zu übermäßigem Fleischverzehr und ungesundem Fettkonsum verleiten.

  • Empfehlenswert sind: Salate, (kohlenhydratarme) Gemüsesorten wie Brokkoli, Blumenkohl oder Zucchini.
  • Als Alternative zu Fleisch können Fisch, Champignons oder Walnüsse wertvolle Proteine liefern

Low Carb ist ein Oberbegriff für viele Ernährungsformen: Hier finden Sie eine detaillierte Übersicht zu Very Low Carb, Paleo, Logi, Keto & Co.

Insulin sparen: Raus aus dem Teufelskreis

Das Überangebot an Glukose, der erhöhte Insulinspiegel und Übergewicht – all das beeinträchtigt auf Dauer die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen. Als Folge wirkt das Insulin immer schlechter. Um diese sogenannte Insulinresistenz auszugleichen, produziert die Bauchspeicheldrüse mehr und mehr Insulin – bis sie im schlimmsten Fall irgendwann schlapp macht und eine Insulin-Therapie nötig wird.

Für Dr. Kerstin Kempf, Leiterin Studienzentrum am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum Düsseldorf, tauschen Ursache und Wirkung die Rollen: Kohlenhydrate werden als wesentlicher Auslöser für die Produktion von Insulin betrachtet. Das Bedeutet: Die schwächere Insulinwirkung ist dann die Folge eines hohen Insulinspiegels. So gesehen ist sie eine Art Schutz der Körperzellen vor zu viel Zucker.

Folgt man dieser Logik, ist die Insulintherapie keine optimale Lösung bei Typ-2-Diabetes, da so der Teufelskreis der Insulinresistenz durch die zusätzliche Gabe von Insulin immer weitergesponnen wird.

Studie: Weniger Insulin, niedriger HbA1c-Wert und reduziertes Körpergewicht

Bei einer Studie in den USA (durchgeführt von der Wissenschaftlerin Dr. Sarah Hallberg und einer Forschungsgruppe) wurde ein neuer Therapie-Ansatz für Menschen mit Typ-2-Diabetes getestet. Dabei wurde ihre Ernährung auf Very Low Carb umgestellt. Das Ergebnis: 94 Prozent der Teilnehmer in der Behandlungsgruppe konnten durch eine entsprechende Ernährung die benötigte Insulin-Dosis reduzieren oder ganz auf die Gabe von Insulin verzichten. Als weiteres Ergebnis sank der durchschnittliche HbA1c-Wert von 7,6 auf 6,3. Zudem konnte jeder der Teilnehmer in der Behandlungsgruppe sein Gewicht im Durchschnitt um 13,8 Kilogramm reduzieren. Selbst der Bedarf an oralen Antidiabetika halbierte sich in dieser Gruppe.

Diese Studienergebnisse sind durchaus beeindruckend – wenn Sie daher Lust bekommen haben, Low Carb oder sogar Very Low Carb auszuprobieren, sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt oder Diabetologen sprechen, um Risiken entgegenzuwirken: Low Carb versetzt den Körper durch die kohlenhydratarme Ernährung nämlich in den Hungerstoffwechsel (Ketose) und kann dadurch das Risiko für Ketoazidosen erhöhen. Außerdem kann es schon innerhalb der ersten Tage nötig sein, OAD oder die Insulindosis entsprechend zu reduzieren – und zwar unabhängig vom Gewichtsverlust.