Von Blutzuckerschwankungen hin zu mehr Lebensfreiheit

„Durch ein CGM-System fühle ich mich entspannter“

31.03.2020 / #meinbuntesleben Redaktion
Einn Mann sitzt am Tisch und schreibt etwas auf einen Zettel.
Dienstreisen, Lehraufträge, viele Ortswechsel – Um Alltag und Diabetes miteinander in Einklang zu bringen, setzt Robert auf ein CGM-System.

Robert lebt seit 30 Jahren mit Diabetes und hatte bis vor einigen Jahren mit ständigen Schwankungen seines Blutzuckers zu kämpfen. Interessiert an neuen Technologien und Produkten hat er sich intensiv mit CGM-Systemen auseinandergesetzt – und berichtet von seinen Erfahrungen mit der kontinuierlichen Glukosemessung.

Sie sind ein Freund kontinuierlicher Glukosemessung. Wie lange haben Sie schon Diabetes und wie hat diese moderne Therapieform Ihnen und im Alltag mit Diabetes geholfen?

Mein Diabetes wurde im September 1990 diagnostiziert. Damals war ich gerade mal zwei Jahre alt. Vor allem über die letzten Jahre nahm mein Leben sehr viel Fahrt auf: Ich startete meine berufliche Karriere, war viel unterwegs und schlief in vielen Hotels. Im Sommer 2012 hatte ich dann größere Probleme damit, meine Blutzuckerwerte im Griff zu behalten und starke Schwankungen zu vermeiden. Eine Insulinpumpentherapie, viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung halfen mir nicht, den HbA1c unter 8,5% zu senken. Hinzu kam, dass ich in sehr kurzer Zeit 20 kg zugenommen habe.  Bei einer Ultraschalluntersuchung hat mein Hausarzt eine chronische Erkrankung der Schilddrüse diagnostiziert. Aus dieser Unzufriedenheit, der gesundheitlichen Belastung und seit über 20 Jahren „zerstochenen“ Fingern begab ich mich auf die Suche nach einer Möglichkeit, meinen Blutzucker lückenloser zu überwachen und meine Behandlung dadurch zu optimieren. Einige Klicks später war ich bei den Angeboten der kontinuierlichen Glukosemessung angekommen.

Wie ging es dann weiter? Wie haben Sie die Antragsstellung für ein CGM-System gemeistert?

Wichtig für eine Verordnung in meinem Fall war, dass sämtliche konventionelle Therapiemaßnahmen nicht erfolgreich waren und dass ich dazu auch Probleme hatte, Unterzuckerungen rechtzeitig zu erkennen – sogenannte Hypowahrnehmungsstörungen. Ich konnte mich noch so sehr anstrengen, mein Blutzucker war einfach nicht zu stabilisieren. Schaffte ich es, den HbA1c etwas zu senken, ist es mir zunehmend schwer gefallen Unterzuckerungen frühzeitig zu erkennen. Als Mensch, der noch nie eine schwere Hypoglykämie hatte, wollte ich dies auch weiterhin nicht erleben.

Hinzu kam meine Tätigkeit als Prozessingenieur. Oft ist man für mehrere Stunden in Reinraumkleidung, d.h. Overall, Haube, Mundschutz, Handschuhe und Stiefel, in einem nahezu partikelfreien Arbeitsbereich tätig. Mission Blutzucker messen ist impossible! Diese ausführliche Begründung reichte für die Verordnung zu.

Was hat sich durch den Wechsel auf ein CGM-System für Sie geändert? Wie kommen Sie nun im Diabetesalltag – und ganz konkret mit Ihren Werten – zurecht?

Über die letzten Jahre nahm mein Leben sehr viel an Fahrt auf: Berufliche Karriere an einem Ort, Familie und Beziehung an einem anderen Ort, Fernstudium, Lehraufträge an wechselnden Standorten etc. Ich bin sehr viel unterwegs, schlafe in Hotels, gehe dadurch in den verschiedensten kulinarischen Hotspots Europas essen und laufe dennoch mit meinem Blutzucker sehr gut gerade aus. Unterzuckerungen werden frühzeitig gemeldet, Überzuckerungen ebenfalls. Ich kann immer rechtzeitig korrigieren und auch ein kurzer Blick zwischendurch auf die Pumpe, sei es vor einer Prüfung oder in der Vorlesung, ist jederzeit möglich und gibt mir ein sicheres Gefühl.

Wie war Ihr Leben mit Diabetes bevor Sie ein CGM-System genutzt haben?

Mein Leben war ohne CGM-System viel angespannter und der Diabetes hat in meinem Leben viel, viel, viel mehr Raum in Anspruch genommen.

Was sind für Sie die Vorteile einer kontinuierlichen Messung und der Verfügbarkeit von Daten?

Die Vorteile sind ganz eindeutig. Durch ein CGM-System fühle ich mich entspannter, da ich eine gute Unterstützung in der Glukoseüberwachung habe, nicht ständig auf meine Körpersignale achten und dann meinen Blutzucker messen muss. Besonders die frühzeitige Warnung vor Hypoglykämien entspannt mich. Oft sieht man in der Ansicht schon einen starken Trend nach unten und kann sanft entgegenwirken, bevor es wieder in einer Unterzuckerung mit viel Traubenzucker und Zusatz-BE endet. Auch nach Mahlzeiten, wo der Blutzucker gern mal ansteigt, hat man die perfekte Unterstützung. Man sieht entlang der Glukoseentwicklung, ob sich der Blutzucker gut stabilisiert oder ob man nochmal mit einer Zusatzdosis Insulin nachsteuern muss, um sich in einem guten Korridor zu bewegen. Auch wenn ich mich an ein Leben ohne Diabetes nicht mehr erinnern kann, was auch schwierig ist, wenn man bei der Diagnose gerade einmal zwei Jahre alt war, glaube ich, dass es mit der kontinuierlichen Glukosemessung deutlich näher am Leben eines Nicht-Diabetikers ist, da man nicht ständig unter Angst und Selbstüberwachung steht, sondern durch einen kleinen Helfer perfekt unterstützt wird.

Was ziehen Sie für Schlüsse aus Ihren Erfahrungen mit einem solchen System?

  • Besserer HbA1C
  • Mehr Lebensfreiheit
  • Bessere Sportlichkeit
  • Mehr Leistungsfähigkeit, da Kapazitäten der Selbstüberwachung frei werden