Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek über Eversense in Alltag und Praxis

Kleiner Sensor, große Wirkung

Mehr Freiheit für Menschen mit Diabetes: Das neue Eversense CGM System, das exklusiv von Roche Diabetes Care in Deutschland vertrieben wird, misst selbstständig die Glukosewerte bis zu 90 Tage lang und warnt per Vibrationsalarm direkt am Körper. Wir haben mit der Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek über das Einsetzen des Sensors und ihre Erfahrungen aus dem Patientenalltag gesprochen. 

Interview: Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek über das Eversense CGM System
„Tolle Technik“ – Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek gibt praktische Tipps zum Leben mit dem Eversense CGM System

Das CGM-System arbeitet mit einem Langzeit-Sensor, der bis zu 90 Tage unter der Haut getragen wird. Wie wird der Sensor genau eingesetzt?

Da der Sensor sehr klein ist, wird unter örtlicher Betäubung ein 5-8 mm langer Schnitt in die Haut gemacht. Anschließend wird der Sensor unter der Hautoberfläche platziert. Der Hautschnitt muss nicht genäht werden, sondern wird lediglich mit Steri-Strips™ und einem kleinen Pflaster verschlossen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Einsetzen des Sensors gemacht?

Anfangs hatten der Arzt und ich schon ein bisschen Bedenken, wie das von den Patienten aufgenommen wird – immerhin handelt es sich ja doch um einen kleinen Eingriff. Wir wurden aber richtig positiv überrascht: Die Patienten haben überhaupt kein Problem darin gesehen. Auch im Nachhinein haben sie uns berichtet, dass sie weder während des Eingriffs noch danach Schmerzen hatten. Es gab keine Blutergüsse, keine Infektionen und die Wunden verheilten gut.

Bleiben nach dem Einsetzen Narben zurück?

Narbenbildung ist immer sehr individuell. Bei unseren Patienten haben wir aber nur sehr kleine Narben entdeckt – praktisch kleine Kratzer. Wir versuchen immer, so wenige Hautdefekte wie möglich zu verursachen. 

Mit Eversense wird eine Vielzahl von Glukosewerten gesammelt, die dann ausgewertet werden. Wie funktioniert das?

Der Smart Transmitter wird in die Ladestation gelegt und das Kabel davon wird mit dem PC verbunden. Mit nur wenigen Mausklicks überspielt die Accu-Chek Smart Pix Software dann alle CGM-Werte auf den PC und liefert Arzt und Beraterin eine einfache und schnelle Auswertung mit anschaulichen Grafiken. Dadurch bekommt man einen umfassenden Überblick und spart gleichzeitig erheblich Zeit bei der Datenanalyse. Die Software kann dabei automatisch Muster in den Glukoseverläufen erkennen, durch die man die Therapie noch besser anpassen kann. Mit dieser Unterstützung bleibt mehr Zeit, noch intensiver auf den Patienten einzugehen. Die Patienten können wiederum mit der zugehörigen Smartphone App ihre Werte verfolgen und erhalten Trendpfeile und Warnmeldungen. Wer eine Apple Watch besitzt, kann diese auch ganz einfach mit der App verbinden.

Eversense wird vom Patienten rund um die Uhr getragen. Daher eine ganz praktische Frage: Wie lange hält der Akku und wann lade ich ihn am besten wieder auf?

Der Smart Transmitter muss einmal am Tag für zehn Minuten an die Ladestation. Am einfachsten lädt man den Akku während des Duschens wieder auf. Viele unserer Patienten empfinden es als sehr angenehm, sich in Ruhe zu pflegen und anschließend ein neues Pflaster zu verwenden. Allerdings muss der Smart Transmitter nicht unbedingt während des Duschens abgenommen werden. Er ist wasserdicht und darf für maximal 30 Minuten bis zu einem Meter unter Wasser getragen werden. Generell kann der Patient den Akku natürlich auch zu jeder anderen Zeit aufladen.

Sport und Eversense: Was muss der Patient beachten?

Der Smart Transmitter wird mit einem doppelseitigen hautfreundlichen Klebepflaster befestigt, das fast alle Aktivitäten mitmacht. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte oder Sport mit engem Körperkontakt ausübt, kann darüber noch einen zusätzlichen Klebestreifen machen. Ob man das Gerät komplett abnehmen möchte, ist eine individuelle Entscheidung. Ohne Smart Transmitter bekommt man dann aber natürlich keine Alarme oder Hinweise darauf, wie sich der Blutzucker während des Sports verhält.

Wie genau wird der Patient im Fall einer Unter- oder Überzuckerung alarmiert? Ist er auch nachts mit Eversense auf der sicheren Seite?

Mit Eversense wird der Patient auf zwei Wege alarmiert: über sein Smartphone und direkt über den Smart Transmitter am Körper. Man kann verschiedene Warnungen aktivieren, z.B. bei zu hohen oder zu tiefen Werten, aber auch Warnung vor sich schnell ändernden Werten. Ein sehr hilfreicher Alarm ist die Warnung, dass die Glukose den Zielbereich in 10, 20 oder 30 Minuten verlassen wird. Je nach individueller Einstellung beginnt dann der Smart Transmitter bei einem Alarm in einem bestimmten Rhythmus zu vibrieren. Damit ist es möglich, den Alarm ohne Smartphone wahrzunehmen und diskret darauf zu reagieren – ohne dass dabei beispielsweise die Kollegen in einem Meeting etwas mitbekommen. Tagsüber merkt man diese Vibration sehr gut, in der Nacht kommt es immer auf die Person und die Müdigkeit an. Manchen reicht die Vibration am Arm, aber die meisten legen sich zur Sicherheit doch noch das Smartphone ans Bett, das zusätzlich individuell eingestellte Töne abspielt.

Und zu guter Letzt: Haben Sie noch einen persönlichen Tipp für den Diabetesalltag mit Eversense?

Weniger ist mehr! Patienten sollten am Anfang nur die allernötigsten Alarme verwenden und die Einstellungen und Grenzwerte gut austesten. Das System soll das Leben erleichtern und eine gute Blutzuckereinstellung ermöglichen – ohne dabei zu stören oder zu verunsichern. Stellt man anfangs zu viele Alarme ein, kommen Patienten nämlich häufig an den Punkt, dass sie genervt abschalten – ohne die Werte richtig wahrzunehmen und gegebenenfalls zu reagieren. Und das ist ja nicht der Sinn des Ganzen. Diabetesberaterinnen helfen bei Unsicherheiten gerne weiter. Denn die CGM-Systeme sind zwar eine tolle Technik – ohne eine gute Beratung und ohne Selbsterfahrung helfen sie aber nur bedingt.