Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek über die Vorteile von CGM-Systemen

„Ein völlig neues Blutzuckermanagement“

Kein Wunder, dass CGM-Systeme (CGM steht für kontinuierliche Glukosemessung) aktuell voll im Trend sind. Die innovative Technik entlastet besonders Menschen mit Typ-1-Diabetes und erleichtert ihren Alltag. Wir haben mit der erfahrenen Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek über die neuen Möglichkeiten gesprochen – und wie man am besten damit umgeht. 

Vorteile von CGM Systemen: Interview mit Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek
Diabetesberaterin Magdalena Wieczorek: CGM bringt mehr Sicherheit im Alltag und reduziert Blutzuckermessungen deutlich.

Wie unterscheiden sich die neuen CGM-Systeme von der klassischen Blutzuckermessung?

Ein CGM-System misst im Vergleich zur klassischen Blutzuckermessung die Glukosekonzentration nicht im Blut, sondern im Gewebe. Darüber hinaus erhält man nicht nur einen Wert – sozusagen eine Momentaufnahme – sondern einen zeitlichen Verlauf der Glukosewerte. Damit sieht man besser, wie bestimmte Faktoren wie Essen oder Bewegung die Werte beeinflussen können und wann die Gefahr einer Unter- oder Überzuckerung besteht. 

Können Sie uns von einem konkreten Beispiel erzählen, wann ein Patient besonders von einem CGM-System profitiert hat?

Eine Patientin mit sehr starken Blutzuckerschwankungen hatte oft viele Stunden mit zu hohen Werten zu kämpfen – ausgelöst durch unbemerkte Unterzuckerungen in der Nacht. Mit ihrem neuen CGM-System konnten wir die Schwankungen des Blutzuckers drastisch senken. Die gute Einstellung der Alarme und eine gezielte, vor allem schnellere Reaktion sorgen dafür, dass sie den meisten Unterzuckerungen jetzt rechtzeitig vorbeugen kann. Heute freut sie sich über eine viel bessere Lebensqualität.

Welche weiteren Vorteile bieten CGM-Systeme Menschen mit Diabetes ganz konkret im Alltag?

Ganz praktisch betrachtet reduziert ein CGM-System die Blutmessungen auf das notwendige Minimum. Ich denke, dass Patienten für jede einzelne Messung, die sie nicht durchführen müssen, dankbar sind. Ein CGM-System gibt außerdem mehr Sicherheit im Alltag und beschert ruhige Nächte, weil der Patient sich darauf verlassen kann, dass er bei einer drohenden Unterzuckerung vom Alarm geweckt wird. Jede erholsame Nacht, ohne Aufwachen und mit einem guten Morgenwert, ist aus meiner Sicht Gold wert. Darüber hinaus macht der Überblick über den Werteverlauf die Therapieentscheidungen für die Patienten viel leichter und sicherer.

Wie reagiert ein Patient am besten, wenn das CGM-System Alarm schlägt?

In erster Linie: schnell. Wobei sich der Patient erstmal fragen sollte, wie plausibel der Alarm ist und diesen im Zweifelsfall durch eine herkömmliche Messung überprüfen sollte. Dabei muss man aber beachten, dass der Glukosewert im Gewebe im Vergleich zu dem im Blut zeitlich ein wenig verzögert reagiert. CGM- Systeme machen es möglich, einen Alarm auszulösen, wenn der Zucker noch normal ist, aber rasch fällt. Damit wird man so früh gewarnt, dass man gar nicht in die Unterzuckerung rutscht. Reagiert man schnell genug und isst eine Kleinigkeit, z. B. Traubenzucker oder Gummibärchen, lässt sich eine Unterzuckerung vermeiden. Bei Alarmen wegen zu hoher Werte empfehle ich die Nutzung eines Bolusrechners, um nicht aus Versehen zu stark zu korrigieren.

Mit dem CGM-System werden kontinuierlich die Glukosewerte gemessen und dokumentiert. Wie kann man die Vielzahl an Daten auslesen?

Grundsätzlich kann man die CGM-Daten mit der jeweiligen Hersteller-Software auf den Computer übertragen oder per Smartphone in der Cloud speichern. Die Programme strukturieren und gruppieren die Daten und stellen sie grafisch dar. So wird die Interpretation um ein Vielfaches leichter. Auch der Arzt kann unproblematisch auf die Daten zugreifen. Entweder bekommt er für die Cloud einen Zugriffscode oder die Patienten schicken die Daten per Email. Alternativ kann er die Daten auch direkt in der Praxis auslesen. Das Eversense CGM System z.B. kann mit der Accu-Chek Smart Pix Software 3.0 ausgelesen werden.

Wie können Patienten mit CGM ihre Therapie optimieren?

Die Beobachtung der Blutzuckerverläufe verschafft ein besseres Verständnis für den Stoffwechsel. Das hilft beispielsweise dabei, den Ess-Spritz-Abstand zu optimieren oder dafür zu sorgen, dass der Anstieg nach dem Essen nicht so hoch ausfällt. Die Alarme, die vor einer Unterzuckerung warnen, helfen außerdem beim Erreichen von tieferen Blutzuckerzielen, weil man nicht so viel Angst haben muss, in den Unterzucker zu rutschen.