Maren von mysugarcase – Diabetes-Taschen, die den Alltag mit Diabetes verändern

"Ich bin Diabetiker und zeige es wie ich will"

Diabetes-Zubehör stylish und funktionell – dafür steht Maren Schinz mit ihrem Startup mysugarcase. Im Interview verrät sie, dass es ihr eigentlich um sehr viel mehr geht.

Diabetes-Taschen und mehr: mysugarcase Interview
Ihre Ideen-Liste ist lang: Maren in Aktion.

Verschiedene Cover, auswechselbare Innenausstattung – Deine Taschen sind durchdacht und peppen den Alltag mit Diabetes auf. Wie kamst du auf die Idee Taschen für Menschen mit Diabetes zu entwickeln?

Eine bestimmte immer wiederkehrende Situation gab den Ausschlag: Man stelle sich kurz folgende Situation vor: Wir sitzen in einem Restaurant und ich entscheide mich ganz Frauen-untypisch für Spaghetti anstatt für Salat. Es heißt also Blutzucker messen und daher hole ich mein wirklich nicht besonders schönes schwarzes Nylontäschchen raus. Alle starren mich an und sofort kommen die Fragen: Was hast du denn? Bist du krank? Ist das ansteckend? Wirst du wieder gesund? Die eben noch schöne entspannte Situation ist gelaufen und meine Spaghetti werden vor lauter Erklärungen ganz kalt.

Diese Situation wollte ich einfach ändern. Ich wollte selbst entscheiden wann ich über meinen Diabetes sprechen möchte und etwas für mich tun möchte – für mein Leben mit Diabetes. Und so entstand die Idee für mysugarcase. Eine Tasche ja – aber gleichzeitig so viel mehr: Für mich steht sie für ein neues Selbstbewusstsein – ein Selbstbewusstsein, das gerade wie ein Lauffeuer durch die Diabetes-Community geht. Sie steht für ‘Ich bin Diabetiker und ich zeige es wie ich will, wem ich will und wann ich will’. Sie steht für Lebensfreude und Selbstsicherheit. Und davon können wir Diabetiker nach jahrelangen Vorurteilen wahrhaftig eine Menge gebrauchen.

Stoffe aussuchen, über Farben diskutieren, aber auch Businesspläne schreiben und Partner suchen – wie war der Weg von der ersten Idee bis zur heutigen Firma mysugarcase?

Lang und steinig, aber das tollste Abenteuer, dass ich jemals erleben durfte! Die Idee hatte ich schon vor mittlerweile 7 Jahren und zu einem Zeitpunkt, als es weder unsere tolle Online Community, noch andere Diabetes Startups in diesem Ausmaß gab. Daher habe ich lange Zeit gezweifelt, ob es denn überhaupt auch anderen Diabetikern so geht wie mir. Eines Tages stieß ich jedoch auf ein Forum, in dem junge Frauen frustriert und verzweifelt darüber diskutierten, was man am besten als Tasche nutzen könnte. Mit dem Ergebnis, dass es die perfekte Tasche noch nicht gab. Und dann kam diese eine Nacht in der ich aufwachte und plötzlich diesen Namen im Kopf hatte «mysugarcase». Ich war so aufgeregt, dass ich meinen heutigen Mann um 3 Uhr nachts zwang aufzustehen, um mir dabei zu helfen die Website Domain zu sichern.

Der erste Baustein war also gelegt. Und wie ging es dann weiter?

Dann kam der lange und steinige Weg von Produzent zu Produzent und von Prototyp zu Prototyp. Aber letztendlich fand ich unseren heutigen Produzenten bei dem insbesondere auch die Qualität und die Produktionsbedingungen stimmen. So konnten wir dann endlich nach rund 4 Jahren Vorarbeit unsere Website und unsere ersten Produkte im Dezember 2016 launchen.

Und seitdem ist viel passiert. Von der ersten Sekunde an sind so unglaublich viele tolle Menschen auf uns zugekommen, haben uns unterstützt und geholfen. Schritt für Schritt konnten wir so, ohne Investoren und nur durch die Hilfe von Freunden und meiner Familie, meinen Traum wahr werden lassen. Und mein Traum wird mittlerweile überall auf der Welt mit Stolz und Selbstbewusstsein getragen. Und das macht mich wahnsinnig stolz und froh. Innerhalb von nur wenigen Monaten nach unserem Launch bekamen wir schon so viel wunderbares Feedback – das uns manchmal sogar überwältigt zu Tränen rührt. mysugarcase hat mich verändert und wird hoffentlich auch das Leben von noch vielen Diabetikern überall auf der Welt verändern.

Diabetes-Taschen fuer Weihnachten
Passend zur Weihnachtszeit: mysugarcase Diabetes-Taschen in Gold und Silber

Gab es Momente in denen du (fast) aufgegeben hättest?

Um ehrlich zu sein gab es nicht nur einen Moment. Mein Team schmunzelt mittlerweile nur noch, wenn mir wieder einmal ein ‘Jetzt reicht es wirklich – ich gebe auf!’ über die Lippen kommt. Aber es gibt einfach auch wahnsinnig viel, das schiefgehen kann! Von verspäteten und komplett falschen Produktionslieferungen bis zu Flyern, die mit einem Tippfehler aus dem Druck kommen – einen Tag vor der Messe. Es passiert eigentlich alles, was man sich in einem Startup Alltag so vorstellen kann.

Aber glücklicherweise passierte nach jeder ‘Katastrophe’ immer etwas Wunderbares. Ein toller handgeschriebener Dankesbrief, eine Nennung in einem Journal, Kunden, die zu Freunden wurden, ein Charity-Projekt, bei dem wir beteiligt sein durften. Und die Motivation etwas im Leben von so vielen Menschen mit Diabetes verändern zu können, ist einfach immer riesig.

Wie lief es denn mit eurem ersten Produkt?

Ich glaube ‘Katastrophe’ trifft es ziemlich gut! Ich wusste schon aus meinem eigenen Alltag mit Diabetes ziemlich genau was ich gerne haben wollte und dachte, dass ich das auch beschrieben hätte … Aber dann kam der erste Prototyp von unseren ersten Produzenten. Obwohl, Produzent trifft es nicht wirklich, denn das, was da als Muster zu uns nach Hause kam, sah aus wie das hässlichste Schulmäppchen, das man sich vorstellen kann.

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Bunt und individuell: vier verschiedene Inlays stehen Menschen mit Diabetes zur Verfügung, um ihre Materialien bestmöglich unterzubringen

#HANDAUFSHERZ, mysugarcase verkauft schließlich Taschen: Um wieviel wahrscheinlicher ist es, eine Frau statt einen Mann mit einer mysugarcase-Tasche zu treffen?

Die Chance steht tatsächlich mit 60 zu 40 gar nicht so schlecht. Aber uns ist sehr bewusst, dass wir noch viel für die Männer tun müssen. Daher arbeiten wir auch gerade an einem Men Case. Und auch eine sportlichere Variante steht auf jeden Fall auf unserer langen do Liste – die Ideen gehen uns so schnell nicht aus.

Du gehst super offen mit deinem eigenen Diabetes um. Was ist dein Tipp an jemanden, der gerade die Diagnose bekommen hat?

Ich würde demjenigen sagen: ‘Ich weiss, Du hast wahrscheinlich gerade Angst. Aber Du wirst es schaffen, auch mit Diabetes ein wunderbares Leben zu leben und Du bist nicht allein! Hab keine Angst über Deinen Diabetes zu sprechen!’ Meinen Diabetes habe ich so lange versucht zu verstecken, dass ich zum Schluss nicht mehr wusste, was anstrengender war. Immer die Maske des Normalen aufsetzen zu müssen oder offen mit meinen Highs and Lows umzugehen. Wir haben die tollste Community auf der ganzen Welt und immer ist jemand da, der einen auffängt. Und wenn man mal wirklich nicht zeigen möchte, dass man Diabetes hat liegt die mysugarcase bereit!