Ilkas Tipps rund um Diabetes und Wintersport

Damit der Blutzucker nicht auf Talfahrt geht

Diabetes und Sport schließen sich nicht aus. Ich habe Diabetes Typ-1 bereits im Alter von 10 Jahren bekommen, und mein Leben lang Sport gemacht. Es gibt natürlich ein paar Dinge zu beachten und manchmal ist auch etwas Planung erforderlich, um die sportliche Aktivität nicht in einem Desaster enden zu lassen.

Ilkas Tipps rund um Diabetes und Wintersport

Bei meinem Lieblingssport, dem Laufen, habe ich mittlerweile meine Routine gefunden, das Baselinsulin entsprechend dem Training anzupassen und all die nötigen „Gerätschaften“ und extra Kohlenhydrate möglichst bequem mitzunehmen. Und dies auch so, dass ich nicht das Gefühl habe ein Packesel zu sein.

Beim Wintersport muss man da allerdings ein wenig mehr tricksen. Nicht nur die Temperaturen können ein Problem für die Diabetes-Utensilien sein, auch kann es manchmal zu einer echten Herausforderung werden, alle nötigen Dinge so geschickt zu verstauen, dass sie sicher verpackt, aber auch schnell zugänglich sind. Wohin mit der Insulinpumpe, welche Sport KEs sind am besten und wie bekomme ich am schnellsten Blut aus den eisigen Fingern bei den eisigen Temperaturen?

Genügend Kohlenhydrate

Skifahren kostet Kraft. Auch wenn das Gewedel durch den Schnee immer so locker flockig aussieht, Skifahren ist anstrengend. Und auch wenn man körperliche Aktivität gewohnt ist, sollte man die Auswirkung auf den Blutzucker nicht unterschätzen, denn für die meisten ist dies ein völlig ungewohnter Bewegungsablauf, bei dem ganz andere Muskelgruppen beansprucht werden. Generell gilt, körperliche Aktivität verstärkt (verdreifacht) die Insulinwirkung. Hier heißt es genau auf den Körper hören und öfter messen. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass ich Unterzuckerungen gerade in höheren Lagen oft schlechter oder sogar überhaupt nicht wahrnehme.

Ich bevorzuge beim Sport immer Gels oder Fruchtriegel als Sport-KEs. Sie sind von Haus aus schon optimal und kältesicher verpackt und haben relativ viele Kohlenhydrate. Eine kleine Auswahl meiner liebsten Gels und Hypohelfer beim Sport gibt es hier. Traubenzucker finde ich eher unpraktisch und gerade auf der Piste auch sehr umständlich, denn da muss man mit den kalten Fingern den Traubenzucker aus dem Papier zu friemeln. Wer dennoch auf Traubenzucker nicht verzichten mag, dem empfehle ich die runden Traubenzucker-Bonbons aus der Apotheke zu nehmen, diese vorab aus der Papierrolle zu nehmen und in eine Plastikrolle für Vitamin Brause-Tabletten zu geben. Diese lässt sich leicht öffnen und der Traubenzucker kann notfalls auch direkt in den Mund gekippt werden, ohne lästiges Entpacken. Gels und Riegel trage ich entweder griffbereit in der Jackentasche oder Skihose, oder in einer Gürteltasche, die ich nach Belieben dahin drehen kann, wo es mir lieber ist. Entweder zum Bauch oder Rücken. Der Inhalt ist so schnell griffbereit. Einen Rucksack finde ich persönlich bewegungseinschränkend.

Wer ein paar Tage länger auf der Piste ist, wird schnell erkennen, wie sich die körperliche Aktivität auswirkt. Ich persönlich passe nach ungefähr drei Tagen mein Basalinsulin so an, sodass ich nicht in die Hypo rutsche bei der Abfahrt. Oder, wenn der Hunger groß ist, achte ich gleich beim Frühstück darauf ein wenig mehr zu essen, und möglichst viele „langsame“ Kohlenhydrate zu essen, um den Blutzucker stabil zu halten.

Insulin und Kälte

Insulin ist ein Eiweiß und kälteempfindlich und darf nicht unter zwei Grad Celsius abkühlen. Das empfindliche Eiweiß würde dann nämlich kristallisieren und komplett seine Wirkung verlieren. Das könnte den Skiurlaub echt vermiesen. Ich persönlich kann daher nur raten, Insulin immer dicht am Körper zu tragen. Meine Insulinpumpe habe ich in einem elastischen Stoffgurt, der sich super bequem unter oder über der Skiunterwäsche tragen lässt und somit sehr körpernah ist. Das hält nicht nur die Temperatur des Insulins im grünen Bereich, sondern auch die kälteempfindliche Elektrik der Insulinpumpe. Außerdem hat diese Trageweise den Vorteil, dass der Schlauch der Insulinpumpe nicht frei herum hängt und das Insulin eventuell gefrieren könnte, oder man im unglücklichsten Fall am Lift damit hängen bleibt. Kleiner Nachteil: man muss sich zum Bedienen der Pumpe ganz schön durch die Klamottenschichten durchwühlen, sofern die Pumpe keine Fernbedienung besitzt.

Pen-Nutzer sollten auch darauf achten, den Pen nicht einfach in einen Rucksack zu packen, sondern ihn ebenfalls am warmen Körper zu tragen. Hierfür gibt es mittlerweile spezielle Tops und Sportunterwäsche, die extra eine seitliche Tasche für Pen oder Pumpe besitzen, wie zum Beispiel vom schwedischen Hersteller AnnaPS.

Regelmäßig messen

Wie bereits erwähnt, Skifahren kostet Kraft und kann den Blutzucker im wahrsten Sinne des Wortes schnell ins Tal sausen lassen. Daher gilt, lieber einmal öfter als zu wenig. Und vor der ersten Abfahrt sowieso. Denn wer will schon im Blindflug die Piste hinunter? Ich messe auf jeden Fall bei jedem Einkehren auf einer Hütte und in seltenen Ausnahmen auch mal am Lift. Im Lift selber zu messen ist zwar auch verlockend, hat mich aber auch schon ein Blutzuckermessgerät gekostet, welches nun irgendwo im Geröll der Ötztaler Alpen sein einsames Dasein fristet.

Kälte hat oftmals den Nachteil, dass das Blut einfach nicht aus den Fingern will. Da hilft nur rubbeln, rubbeln, rubbeln - oder die Finger an der heißen Kakao- oder Teetasse auf der Hütte zu wärmen. Nur nicht in die Tasse halten den Finger ;). Und es lohnt sich immer, einen ruhigen Ort zum Messen zu suchen. Denn liegen vor lauter Hektik, Aufregung und Geschubse am Lift die Teststreifen erst mal unglücklicherweise im Schnee, werden diese nicht mehr funktionieren, da sie sich blitzschnell mit Wasser vollsaugen.

Für Blutzuckermessgeräte gilt übrigens das Gleiche wie für Insulin. Sie sind kälteempfindlich. Je nach Blutzuckermessgerät liegt die optimale Arbeitstemperatur bei 10 bis 40 Grad und die Geräte können falsche Ergebnisse liefern, wenn die Arbeitstemperatur unter 10-14 Grad liegt. Zeigt das Gerät doch mal eine Error-Meldung an (oft: Temperaturfehler), reicht es meist schon die Batterie zu entfernen und diese in den Händen aufzuwärmen. Eine andere Möglichkeit, die etwas komisch klingen mag, ist das Gerät etwa 30 Sekunden unter die Achsel (ÜBER der Skiunterwäsche, nicht auf der Haut) zu stecken, denn dort ist es für gewöhnlich immer warm. Damit sowas aber gar nicht erst passiert, lohnt es auch hier, das Gerät generell möglichst körpernah zu tragen, etwa in der Innenseite der Skijacke, am besten noch einmal geschützt durch eine kleine Neopren-Tasche.

Tipp: wer komplett auf Nummer sicher gehen möchte, kann „messgerätfreie“ Teststreifen mit Farbskala mitnehmen – für den Fall, dass das Messgerät ausfällt oder die Teststreifen verderben.

Aprés Ski

Zu einem Winterurlaub auf der Piste gehört Aprés Ski dazu. Als Diabetiker muss man heute auf nichts verzichten und so darf es nach der Pistengaudi ruhig ein Germknödel oder Tiroler Gröstl sein. Bewegung und Bergluft machen schließlich hungrig. Auch wenn diese Dinge mächtig viele Kohlenhydrate haben, sollte man immer daran denken, dass sich körperliche Aktivität auch noch verzögert auf den Blutzucker auswirken kann. Also Vorsicht bei der Insulinabgabe. Ich bevorzuge in dem Fall tatsächlich ordentlich fettige Speisen, da sie den Blutzucker auch über Nacht dann schön stabil halten.

Wenn noch Alkohol dazu kommt, ist Vorsicht geboten. Alkohol wirkt sich noch bis zu 12 Stunden nach dem Genuss auf den Blutzucker aus. In Kombination mit Sport also doppelt Achtung! Ich riskiere da immer lieber etwas höhere Blutzuckerwerte, als in einer Hypo zu landen.

Wer also ein paar Kleinigkeiten beachtet und sich ein wenig vorbereitet, der kann auch mit Diabetes ordentlich Pistenkilometer machen.