Frühstücken, Nicht-Frühstücken, Übergewicht und Typ-2-Diabetes

Das Frühstück – eine umstrittene Mahlzeit

Sind Sie ein Frühstücksmuffel oder lassen Sie es sich morgens so richtig gut schmecken? Frühstücken galt lange Zeit als gesund und besonders empfehlenswert, gerade wenn es das ein oder andere Kilo weniger sein sollte. Wissenschaftler fanden sogar Hinweise darauf, dass der regelmäßige Verzicht auf das Frühstück das Risiko für Typ-2-Diabetes steigert. Australische Forscher wollen nun herausgefunden haben, dass Frühstücken eben nicht beim Abnehmen hilft.

Ob Frühstücken beim Abnehmen hilft ist umstritten.
Frühstücken, Übergewicht, Risiko für Typ-2-Diabetes? Die Experten sind sich uneinig.

Obst, Haferflocken, Eier: Ein ausgewogenes Frühstück ist der beste (Ernährungs-)Start in den Tag und kann beim Abnehmen helfen. Eine Annahme, die lange Zeit vorherrschte und nun durch Metaanalysen verschiedener Studien der letzten Jahrzehnte in Frage gestellt wird. Sogar das Gegenteil sei der Fall: Wurde auf ein Frühstück verzichtet, verloren die Teilnehmer im Gegensatz zu den Vergleichsgruppen mit Frühstück eher an Gewicht. Frühstücken oder Nicht-Frühstücken? Wir haben einmal genauer hingeschaut:

Frühstücken, Übergewicht und Typ-2-Diabetes
Schlank durch Frühstücken – wie soll das gehen? Die Überlegung: Wer frühstückt, bleibt länger satt, da die gleiche Menge Kalorien am Morgen besser sättigt als dieselbe mittags oder abends. Nach dieser Logik sorgt die Mahlzeit morgens dafür, dass man tagsüber insgesamt weniger Kalorien zu sich nimmt. Und wenn man auf das Frühstück verzichtet? Dann würde man nach dieser Überlegung mehr essen, da man die fehlenden Kalorien vom Frühstück kompensiert. Im Klartext: Wer auf das Frühstück verzichtet, isst über den Tag verteilt mehr, als jemand der regelmäßig frühstückt.

Weitere Untersuchungen weisen sogar auf einen Zusammenhang zwischen einem Typ-2-Diabetes und dem Verzicht aufs Frühstücken hin: Umso öfter verzichtet wurde, umso größer das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Warum das so ist, bleibt aber offen:  Vielmehr wurde beobachtet, dass die übergewichtigen Studienteilnehmer häufiger auf das Frühstück verzichten. Da Übergewicht jedoch an sich schon ein bedeutender Risikofaktor für Typ-2-Diabetes ist, könnte vielmehr dies die Ursache für das erhöhte Risiko sein. Nicht-Frühstücken erscheint so eher als eine Begleiterscheinung von Übergewicht– und nicht als direkte Ursache für ein höheres Typ-2-Diabetes-Risiko.

Der Verzicht auf Frühstück
Forscher der Universität Melbourne haben die Annahme „Frühstücken hilft beim Abnehmen“ grundsätzlich in Frage gestellt. Durch die Auswertung von Studien der letzten 28 Jahre kamen sie zu dem Schluss, dass kein Zusammenhang zwischen Frühstücken und einer insgesamt geringeren Aufnahme von Kalorien über den Tag besteht. Wer also regelmäßig frühstückt, isst nicht automatisch weniger. Wurde dagegen auf das Frühstück verzichtet, verloren die Studien-Teilnehmer eher an Gewicht. Simple Ursache: Diejenigen ohne Frühstück nahmen deutlich weniger Kalorien zu sich – durchschnittlich 260 Kalorien weniger. Der Gewichtsverlust ist somit auf eine geringere Kalorienzufuhr durch das Weglassen des Frühstücks zurückzuführen.

Frühstücken oder doch nicht?
Ob Frühstücken nun beim Abnehmen hilft oder nicht, bleibt insgesamt unscharf. Banaler Fakt scheint: Es kommt auf die Menge der Kalorien an. Entscheidend sind die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten im gesamten Tagesverlauf. Angenommen man frühstückt nicht, nimmt aber stattdessen mittags und abends Fast Food zu sich und bewegt sich kaum: Eine Gewichtsreduzierung ist unwahrscheinlich, Frühstücksverzicht hin oder her.

Letzten Endes ist bei allen Mahlzeiten die entscheidende Frage, was gegessen wird: Reichlich frisches Obst und Gemüse unterstützen sowohl morgens als auch bei den restlichen Mahlzeiten des Tages eine gesunde Ernährung. Drei Spiegeleier mit einem Berg Bratkartoffeln sowie zwei Würstchen mögen ab und zu ein leckeres Frühstück sein – regelmäßig genossen aber eher eine Hypothek in Punkto Ausgewogenheit und Kalorienanzahl für den restlichen Tag.

Auch das eigene Bauchgefühl spielt eine wichtige Rolle: Wer schon immer gerne frühstückt, sollte das weiter tun, und wem morgens eine Tasse heißer Kaffee oder Tee genügt, muss sich nicht zum Frühstücken zwingen.