Ernährung bei Diabetes: Grundlagen und Diabetes-Typen

Ich esse, also bin ich

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen – erst recht bei Diabetes. Denn mit der passenden Ernährung können Sie viel für eine gute Blutzucker-Einstellung tun: Die mediterrane Küche macht’s vor.

Menschen sitzen an einem reichlich gedeckten Tisch und essen.
Ob bei Diabetes Typ-1 oder Typ-2: Gesunde Ernährung ist vielfältig und abwechslungsreich. Da sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Leckere Inspirationen liefert die traditionelle mediterrane Küche.

Jeder Mensch ist anders. Wie gut, dass es in Sachen Diabetes-Therapie und Ernährung Platz für persönliche Vorlieben gibt. Rigide Speisepläne mit festen Uhrzeiten und vielen Verboten gehören glücklicherweise auch bei Typ-2-Diabetes der Vergangenheit an.

Heutzutage gestaltet sich eine blutzuckerfreundliche Ernährung vielfach freier – und erinnert eher ans Gespräch an der Ladentheke: Was darf es sein? Und wie viel davon? Denn eine gesunde Diabeteskost richtet sich nach Ihrem Bedarf.

Die Mischung macht's
Eine vollwertige und ausgewogene Mischkost soll es sein: ein abwechslungsreicher Lebensmittel-Mix aus gesunden Nährstoffen, der Sie mit der nötigen Energie versorgt. Im Prinzip ist alles erlaubt – es kommt eben auf das richtige Maß an.

Allgemein lautet die Faustregel fifty-fifty: Von dem, was täglich auf den Tisch kommt, besteht empfohlenerweise etwa die Hälfte aus Kohlenhydraten, die andere Hälfte aus Fetten und Proteinen. Wer clever wählt, greift tüchtig bei komplexen Kohlenhydraten zu (z.B. in Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukten) und bevorzugt ungesättigte Fettsäuren (z.B. in Olivenöl, Avocados und Fisch).

Der Grund: Komplexe Kohlenhydrate besitzen einen niedrigen glykämischen Index, d.h. sie lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Außerdem machen sie lange satt und beugen Heißhunger vor. Das sorgt für eine relativ stabile Butzucker-Einstellung und einen verhältnismäßig niedrigen Insulinbedarf. Blutzuckerspitzen nach den Essen können besser vermieden werden. Ungesättigte Fettsäuren wiederum wirken gefäßschützend.

Die mediterane Küche zeigt, wie’s geht
Klingt noch ein bisschen theoretisch? Ein Blick nach Italien und Griechenland zeigt, wie so eine Ernährung aussehen kann. Dabei darf man aber nicht an das Essen denken, dass man auf seiner Pauschalreise an die Adria kennen gelernt hat. Vielmehr ist damit die traditionelle Küche der Landbevölerung in Kreta und Süditalien gemeint. Sie bietet eine Vielfalt aus stärkereichen Lebensmitteln, wie Brot (wenn möglich Vollkornbrot), Nudeln oder Polenta. Und vor allem viel Gemüse, Obst und gesunde Fette – im Olivenöl zum Beispiel enthalten.

Dazu kommen Eiweiß und langkettige Fettsäuren in Form von Fisch und Meeresfrüchten auf den Teller. Gewürze, wie Oregano und Koblauch, machen das Ganze nicht nur noch leckerer, sie haben auch eine heilende und verdauungsfördernde Wirkung. Mit der mediterranen Küche lässt sich so Übergewicht reduzieren, Typ-2-Diabetes vorbeugen und der Stoffwechsel günstig beeinflussen.

Energie tanken: Individuelle Unterschiede
Aber nicht nur Essensvorlieben sondern auch der Energiebedarf und damit die empfohlene tägliche Kalorienzufuhr unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Das alles hängt von Größe, Körpergewicht, Alter, Geschlecht und körperlicher Aktivität ab. Und auch der Proteinbedarf kann je nach Alter und Diagnose schwanken.

Erwachsene mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und Normalgewicht gehen am besten einer ausgewogenen gesunden Ernährung nach, die sich dem Bedarf anpasst (isokalorische Kost). Wer im Büro arbeitet, der hat etwa einen Energiebedarf von 25 – 30 kcal pro kg Körpergewicht.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes kann der Bedarf schonmal höher sein: Beim Toben, Spielen und Sportmachen brauchen und verbrauchen sie viel Energie. Außerdem brauchen sie täglich das doppelte an Proteinen (1,5–2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht).

Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht starten am besten zunächst eine Reduktionskost, die 500–800 kcal unter ihrem errechneten Energiebedarf liegt (hypokalorische Kost). Damit können Sie nach etwa 14 Tagen circa 1 kg abnehmen. Mit dem Fettabbau verbessert sich die Insulinsensitivität, der Bedarf an Antidiabetika bzw. Insulin sinkt – und das bereits nach einer Gewichtsreduktion um 4–5 kg. Nachdem sich die Stoffwechsellage verbessert hat, ist es besonders wichtig, das Gewicht langfristig zu halten.

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) benötigen eine durchschnittliche Kalorienmenge von 30–40 kcal pro kg Körpergewicht am Tag. Zudem wirkt sich eine ballaststoffreiche Kost mit Zwischenmahlzeiten bei Gestationsdiabetes günstig aus.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Diabetologen, um Ihre Ernährung  an Ihren persönlichen Bedarf anzupassen. Gegebenenfalls muss dann die Insulin- oder Medikamentendosis angepasst werden. Denn wie Sie sehen, gestaltet sich die Ernährungstherapie bei Diabetes recht individuell – so wie die #meinbuntesleben Community!