Ein halbes Jahr mit Eversense XL: Lea erzählt über Vor- und Nachteile

Wie alles begann … vor sechs Monaten

Wie verläuft das Einsetzen des Eversense XL Sensors? Wie funktionieren Alarme und Warnungen? Und wie klappt das mit dem Aufladen des Smart Transmitters? Lea durfte Eversense XL ein halbes Jahr testen, schildert hier ihre Eindrücke und geht auf die Vor- und Nachteile ein.

Lea hat Eversense 6 Monate lang getestet.
Stylisch und individuell: Mit bunten Stickern lässt sich der Eversense XL Smart Transmitter aufhübschen.

Mitte November habe ich mich auf den Weg in die Uniklinik in Lübeck gemacht, um mir Eversense XL einsetzen zu lassen. Zwei Außendienstmitarbeiterinnen von Roche Diabetes Care gaben mir vor dem Einsetzen eine Schulung zum Sensor und dann ging es auch schon los. Zuerst wurde die Stelle am Arm betäubt, was mir als „das Unangenehmste“ der ganzen Prozedur vorgestellt wurde. Tatsächlich tat mir nicht mal diese Spritze weh. Nach einer Viertelstunde war auch alles schon wieder vorbei und der Sensor saß unter der Haut — ganz ohne Schmerzen!

Der Schnitt wurde anschließend mit Klammerpflastern und einem Duschpflaster verschlossen. Leider hielten die Pflaster bei mir nicht besonders lange, dafür hatte ich die Gelegenheit, meiner kleinen Wunde beim Verheilen zuzuschauen. Bereits nach zwei Wochen konnte ich nur noch einen kleinen bläulichen Punkt wahrnehmen. Wenn ich über die Stelle fuhr, konnte ich den Sensor spüren. Das alles tat nicht weh, ich bin immer noch positiv überrascht darüber. Alle sechs Monate könnte ich mit diesem Eingriff sehr gut leben. 

Lea berichtet über ihre Erfahrungen mit Eversense
Ein Blick unter das Pflaster: Der kleine blaue Punkt ist kaum sichtbar.

Mittlerweile ist mein Sensor schon wieder raus – aber bereits nach den ersten 70 Tagen hatte ich ein kleines Zwischenfazit gezogen und ich möchte euch einen Überblick darüber geben, was ich an Eversense XL besonders schätze oder für verbesserungswürdig halte. In einem weiteren Artikel ziehe ich dann ein Gesamtfazit.

Die Eversense App
Die Eversense App ist sehr umfangreich und gibt mir (fast) alle Informationen, die ich benötige. In den ersten Tagen musste ich mich an die graphische Anzeige der Blutzuckerwerte bzw. der Kurven in grün, gelb und rot erst gewöhnen. Je nachdem, wie weit ich zurückscrolle, erinnert sie mich an eine surreale Berglandschaft. Denn: Alles ist sehr zackig und nicht so geradlinig wie ich es von anderen CGM Systemen gewohnt war. Ich mag die Farbakzente, denn sie zeigen mir mit einem Blick, wo ich gerade stehe, mal ganz abgesehen von den Nummern. Meine Glukosezielwerte kann ich entsprechend des Sollbereichs, den ich mit meinem Diabetes-Team festgelegt habe, selbst einstellen. Ich kann wählen, in welchem Glukosewert ich bleiben und ab wann ich Warnungen erhalten möchte. 

Lea zeigt ihre Werte, die vom Eversense XL CGM System aufgezeichnet wurden.
Und so zeigt mir die Eversense App meine Werte an: Ich kann mir Berichte anschauen (links) und sehe meine Werte des ganzen Tages in einem Diagramm (rechts).

Warnungen und Alarme
Neben den typischen Alarmen für hohe und niedrige Werte gibt es die Vorhersagewarnungen, X Minuten bevor meine Blutzuckerwerte meine gewählten Grenzen über- oder unterschreiten. Ich kann wählen, ob ich diese Alarme erhalten möchte und ob ich diese 10, 20 oder 30 Minuten vorher erhalte. Außerdem gibt es Raten-Warnungen, wenn die Werte zu schnell steigen oder abfallen. 

Alarmtöne erhalte ich nur, wenn ich mein Smartphone laut stelle. Da ich das aber normalerweise lautlos lasse, stört mich das etwas, da ich auch öfter vergesse, den lautlos Modus wieder abzustellen und dann keine Alarmtöne bekomme. Nachts kann ich natürlich dennoch den Flugmodus einstellen und das Handy auf laut lassen. Die Vibrationsalarme an meinem Arm warnen mich aber noch zusätzlich zu den Alarmtönen an meinem Smartphone. 

On-Body-Alerts
Der Transmitter alarmiert durch Vibrationen am Arm bei hohen und niedrigen Werten, auch wenn das Smartphone nicht in der Nähe ist! Das ist sehr praktisch - zum Beispiel auf der Arbeit. Die Alarme sind meist sehr diskret. Allerdings finde ich den Vibrationsalarm vor allem bei Unterzuckerungen zu lang. Ich hatte meist schon gehandelt, als die letzte Vibration versiegte. Wenn die Werte manchmal ungenau sind, wie es bei mir leider der Fall war, kann es vorkommen, dass die Alarme gerade in den ersten Tagen sehr irritieren. Mit einem temporären Profil lassen sich die Alarme auch zeitlich begrenzt anpassen. 

Generell gibt es sehr viele Warnungen, die ich glücklicherweise stumm stellen kann, so dass sie mich in bestimmten Situationen nicht stören. 

Verbindung zum Smartphone
Der Smart Transmitter sendet die Daten vom Sensor via Bluetooth an das Smartphone. So weit, so unkompliziert. Leider brach bei mir diese Verbindung manchmal ab und ich musste mein Bluetooth an- und ausstellen, um das Problem zu beheben und wieder Werte angezeigt zu bekommen. Ich bekam dann keinen Alarm, sobald die Verbindung abbrach. Das sollte eingebaut werden. Ich bekam nur einen Alarm, wenn ich mich zu weit von meinem Smartphone entfernte.

Smartwatches
Es gibt eine Eversense App für Smartwatches, aber leider keine Applikation, um die Werte direkt auf dem Zifferblatt anzeigen zu lassen. Das würde ich mir für die Zukunft wünschen!

Kalibrieren und Aufladen
Das System muss zwei Mal täglich kalibriert werden. Dazu kann ein passender Zeitraum (drei Stunden) in der App eingestellt werden, meist nimmt man dort einen Zeitraum um das Frühstück und einen um das Abendessen herum. Es sollte vor dem Essen kalibriert werden, damit die Werte nicht in einer Phase sind, in der sie zu stark variieren.

Alle 24-36 Stunden muss der Smart Transmitter aufgeladen werden. Vorzugsweise habe ich das gemacht, während ich morgens geduscht habe. Mit einem sehr flexiblen Alltag ist das allerdings gar nicht immer so leicht. Zum Glück lädt der Smart Transmitter in unter 15 Minuten komplett auf.

Ein großes Plus war für mich am Anfang, dass ich den Smart Transmitter jederzeit abnehmen kann. Ich kann jeden Tag ein neues Pflaster kleben, welches noch dazu hypoallergen ist. Das ist aber auch die Sache: Zum Aufladen MUSS ich das Pflaster jeden Tag abnehmen. Auch, wenn das eigentlich nicht nötig wäre. Das lässt sich verschmerzen, vor allem, weil ich ansonsten nur Pflaster und Ladekabel benötige. Es entsteht wenig Müll und ich muss nicht viel mitschleppen. 

Wenn ich den Smart Transmitter wieder auf die Haut kleben möchte, gibt es eine Platzierungshilfe in der App. Denn der Transmitter muss genau über dem Sensor in der Haut sitzen, um das beste Signal zu bekommen. 

Die Genauigkeit des Sensors
Wie ich bereits angedeutet habe, hatte ich anfangs Probleme mit der Genauigkeit des Sensors. Die Kalibrierung wich öfter stark von den Werten des Sensors ab. Dann musste ich den Wert kalibrieren, bekam aber die Warnung, dass der Wert möglicherweise falsch ist und musste eine Stunde später erneut kalibrieren. Das war etwas nervig, wenn ich abends kalibrierte und danach schlafen gehen wollte. Wenn ich über 12 Stunden nicht kalibrierte, wurden keine Werte mehr angezeigt. Ebenso, wenn ich zu oft „falsche Werte“ kalibrierte. Dann wird das

System für sechs Stunden gesperrt und ich musste es danach Re-Initialisieren. Das passierte mir drei Mal und nahm mir zuerst das Vertrauen in das System. Manchmal wiederum waren die Werte aber auch sehr akkurat und ich habe zusammen mit einem Mitarbeiter von Roche versucht, hinter das Problem zu kommen. Die ausgelesenen Daten wurden sogar an das amerikanische Unternehmen Senseonics zur Fehleranalyse gesendet. Der Kundenservice war wirklich sehr freundlich und hat sich bemüht, eine Lösung für mich zu finden. Im Endeffekt wurde mir ein neuer Smart Transmitter mit einer verbesserten Genauigkeit (MARD) zugeschickt, der dann auch so funktionierte, wie er sollte. Vor allem bei Unterzuckerungen warnte mich  Eversense XL manchmal sogar schon, wenn mein blutiger Wert noch gar nicht unterhalb der Grenze lag, aber zehn Minuten später niedrig war. 

Design
Das Design des Smart Transmitters gefällt mir sehr. Die schwarze Farbe erinnert nicht so schnell an ein medizinisches Gerät wie es die Geräte der Mitstreiter tun. Der Smart Transmitter ist flach und schön abgerundet. Es gibt transparente Pflaster und Sticker für den Transmitter von unabhängigen Firmen, um diesen zu schmücken.

Wie bereits geschrieben ist der Sensor mittlerweile wieder raus aus meinem Arm – hierzu mehr in meinem zweiten Artikel hier auf www.mein-buntes-leben.de!