Zimt und Diabetes

Nur weihnachtliches Gewürz oder auch natürlicher Blutzuckersenker?

19.11.2019 / #meinbuntesleben Redaktion
Zimtstange und Zimtpulver
In der Weihnachtsbäckerei ein aromatisches Highlight, bei Diabetes ist Zimt allerdings umstritten.

Zimt wird nachgesagt, den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes zu senken – aber auch der Gesundheit schaden zu können. Was es mit der umstrittenen Wirkung des asiatischen Gewürzes auf sich hat, erfahren Sie hier.

Nahrungsergänzungsmittel wie Zinkkapseln, Magnesiumpulver oder Vitamin C Tabletten versprechen, das Immunsystem zu unterstützen, die Gelenke zu stärken oder beim Abnehmen zu helfen. Bei Diabetes werden manchen davon wahre Wunderkräfte zugeschrieben – zum Beispiel hochdosierten Zimtkapseln. Denn Zimt diene nicht nur der Verfeinerung von süßen Köstlichkeiten wie Apfelstrudel oder Grießbrei, sondern das exotische Gewürz könne ebenso den Blutzucker auf natürliche Weise regulieren.

Zimt – mehr als ein Gewürz?

Zimt gehört zu den ältesten Gewürzen der Welt. Man unterscheidet zwei Arten. Der Ceylon-Zimt wird oft auch als echter Zimt bezeichnet. Der günstigere Cassia-Zimt, auch bekannt als China-Zimt, ist die meistverwendete Art. In China wird er bereits seit über 4000 Jahren als Arzneipflanze genutzt. Wissenschaftlich belegt ist seine appetitfördernde und verdauungsanregende Wirkung. Als Gewürz kann er Speisen bekömmlicher machen und Verdauungsproblemen wie Blähungen und Völlegefühl vorbeugen. Aber kann er auch den Blutzucker senken? Einige Studien weisen darauf hin, dass Zimt in der Lage ist, die Insulinresistenz bei einem Typ-2-Diabetes aufzuheben. Andere wissenschaftliche Untersuchungen konnten eine solche Wirkung nicht feststellen.

Im Tierversuch erfolgreich …

In den 90er Jahren konnten Wissenschaftler in umfangreichen Studien mit Ratten einen blutzuckersenkenden Effekt durch die Zugabe von Zimtextrakt beobachten. Das war bei den Versuchstieren auch dann der Fall, wenn kein Insulin vorhanden war. Die Forscher nahmen deshalb an, dass das Gewürz zum einen die Insulinempfindlichkeit der Zellen erhöhe und zum anderen eine insulinähnliche Wirkung habe.

… aber beim Menschen nicht

Die Tierversuche deuteten darauf hin, dass Zimt einen positiven Effekt auch bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben könnte. Australische Forscher haben die Ergebnisse der bis 2012 durchgeführten Studien mit Menschen mit Typ-2-Diabetes zusammengefasst und festgestellt, dass das Gewürz den Blutzucker nicht beeinflusst.

In den Studien waren über 900 Versuchsteilnehmer per Zufall einer von zwei Gruppen zugelost worden. Eine Gruppe nahm täglich Zimtkapseln ein, die andere ein wirkstoffloses Scheinpräparat. Am Ende der Studie unterschieden sich die Blutzuckerwerte zwischen beiden Gruppen nicht. Und auch beim HbA1c-Wert konnten keine Unterschiede festgestellt werden.

In der Weihnachtsbäckerei stark, bei Diabetes nicht

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft rät davon ab, Zimtkapseln als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen und zur Therapie eines Typ-2-Diabetes einzusetzen. Denn derzeit ist nicht bekannt, ob Zimt in hohen Dosen und über einen längeren Zeitraum hinweg zu Nebenwirkungen führen kann.

In dem am häufigsten verwendeten Cassia-Zimt ist ein Stoff namens Cumarin enthalten, der Leberschäden verursachen kann. Im teureren Ceylon-Zimt kommt er hingegen kaum vor. Auch gibt es Hinweise darauf, dass das Gewürz die Wirkung von blutzuckersenkenden Arzneimitteln beeinflusst und womöglich starke Blutzuckerschwankungen begünstigen kann.

Bisher kann jedoch keine eindeutige Aussage über die Wechselwirkung von hochdosierten Zimtkapseln mit blutzuckersenkenden Medikamenten getroffen werden. Zu Verfeinerung von süßen Köstlichkeiten oder in der Weihnachtsbäckerei ist Zimt in geringen Mengen jedoch unbedenklich.