Was passiert bei einer Hyperglykämie und wie erkennt man sie frühzeitig?

Wenn der Stoff die Gleise wechselt

Hyperglykämie: Der Fachausdruck für einen zu hohen Blutzuckerspiegel ist neben seinem Bruder, der Hypoglykämie, ein unbeliebter Diabetes-Gefährte. Hier erfahren Sie auf einen Blick, was es mit Überzuckerungen auf sich hat.

Stoffwechselentgleisung - Was passiert bei einer Hyperglykämie?
Stoffwechselentgleisungen sind nicht immer vermeidbar – umso wichtiger ist es,die Symptome einer Hyperglykämie rechtzeitig zu erkennen.

Zu hohe Blutzuckerwerte entstehen, wenn der Körper kein oder nicht genügend Insulin produziert (Typ-1 Diabetes) bzw. die Körperzellen nicht auf das Hormon ansprechen können (Insulinresistenz, Typ-2 Diabetes). Eine Diabetestherapie hat, vereinfacht gesagt, das Ziel, erhöhte Blutzuckerwerte zu vermeiden – sei es durch Änderung des Lebensstils oder durch eine Insulintherapie. Auch bei einer individuellen Therapie kann es aus den verschiedensten Gründen zu einer Überzuckerung kommen: z.B. wenn zu wenig Insulin gespritzt wird. Aber auch Infekte, besonders mit Fieber verbunden, können der Grund sein. Stresshormone wirken sich ebenfalls auf den Blutzucker aus.

Honigsüßer Durchfluss

Ein extrem hoher Flüssigkeitsverlust ist das Hauptsymptom einer Überzuckerung: Der Körper scheidet mit steigendem Blutzuckergehalt verstärkt Zucker und damit auch Wasser über die Nieren aus – bis zu zwölf Liter Urin am Tag. Damit geht ein fast unlöschbarer Durst einher. Die Bezeichnung Diabetes mellitus (honigsüßer Durchfluss) geht auf die diese Symptome zurück. Der Zucker wird mit dem Urin ab einem bestimmten Blutzuckerwert ausgeschieden, der sogenannten Nierenschwelle. Bei den meisten Menschen liegt dieser Wert bei ca. 180 mg/dl (9,9 mmol/). Von einer Überzuckerung spricht man ab Werten von 250 mg/dl (>13.9 mmol/l).

Hyperglykämie extrem: Diabetisches Koma und Ketoazidose

Durch den Wasserverlust gehen die wichtigen Nährstoffe Kalium und Magnesium verloren, es treten Wadenkrämpfe und Muskelschmerzen auf, Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind die Folge. Wenn der Insulinmangel nicht behoben wird, kann sich das Stadium einer tiefen Bewusstlosigkeit, das diabetische Koma, einstellen – eine lebensgefährliche Situation, da diese Stoffwechselentgleisung oft nicht rechtzeitig erkannt und daher auch nicht rechtzeitig behandelt wird.

Bei Typ-2 Diabetes verhindert zumeist die noch vorhandene geringe Insulinausschüttung, dass das Blut bei steigendem Blutzucker übersäuert. Bei Typ-1 Diabetes sieht die Situation schon anders aus: Bei absolutem Insulinmangel werden Fettreserven abgebaut, um Energie zu gewinnen. Dabei entstehen die "Ketonkörper" – Stoffe, die der Körper nur langsam abbauen kann und die zu einer Übersäuerung des Blutes, einer sogenannten Ketoazidose, führen können. Übelkeit und Erbrechen sind die Folgen. Weil Hunger und Appetit jetzt nicht groß sind, reduzieren Diabetiker daraufhin oft die Insulinzufuhr. Die kritische Stoffwechselsituation verschlimmert sich, das lebensbedrohliche ketoazidotisches Koma kann sich einstellen.

Bei einer Ketoazidose treten zunächst vor allem die Symptome Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen auf, außerdem kann der Atem nach Aceton (ähnlich wie Nagellackentferner) riechen. Die Atmung kann von Hyperventilation bis hin zur Atemnot betroffen sein.

Hohe Blutzuckerwerte – Warnsignale auf einen Blick

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Übermäßiger Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Sehverschlechterung
  • Trockene, schuppige Haut
  • Juckreiz der Haut
  • Langsame Wundheilung
  • Anfälligkeit für Erkältungen und andere Infektionen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen
  • Ketone sind im Harn nachweisbar und der Atem kann nach Aceton riechen (ähnlich wie Nagellackentferner)
  • Im Extremfall Bewusstlosigkeit (bis hin zum Koma)

Maßnahmen bei einer akuten Hyperglykämie

Stoffwechselentgleisungen, wie eine Hyperglykämie, sollten immer ernst genommen werden – ein Gang zum Arzt ist unbedingt empfehlenswert. Vor allem bei Typ-1 Diabetes sollte bei Anzeichen einer Ketoazidose unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Außerdem sind diese Maßnahmen ratsam:

  • Normalinsulin spritzen, um die Blutzuckerwerte zu senken.
  • Viel Wasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, selbst bei Übelkeit und Erbrechen sollte schluckweise Flüssigkeit aufgenommen werden. Bei unstillbarem Erbrechen ist eine Infusionsbehandlung im Krankenhaus notwendig.
  • In regelmäßigen Abständen Blutzucker messen
  • Bei Typ-1 Diabetes: Azetonausscheidung im Urin überprüfen –spätestens ab einem Wert von 300 mg/dl (16.7 mmol/l).  

So weisen Sie Ketonkörper nach

Ketonkörper im Urin können Sie ganz einfach mit Teststreifen aus der Apotheke nachweisen. Das Testfeld sollte ausreichend mit Urin benetzt sein, der Teststreifen kann auch in ein Gefäß mit aufgefangenem Urin getaucht werden. Der Teststreifen verfärbt sich nach einer Minute und kann mit der Skala der Teststreifenröhre verglichen werden.

So können Sie vorbeugen

Regelmäßiges Blutzuckermessen ist bei jeder Diabetestherapie empfehlenswert und auch das beste Frühwarnsystem für Überzuckerungen. Ratsam ist es auch, das persönliche Umfeld sowohl auf die Anzeichen einer Überzuckerung (als auch auf die einer Unterzuckerung) aufmerksam zu machen und über die notwendigen Maßnahmen im Ernstfall aufzuklären. Im Falle einer Erkrankung, vor allem wenn sie von Fieber begleitet wird, ist es deshalb ratsam, den Blutzucker öfter zu messen als gewohnt und einen möglicherweise erhöhten Insulinbedarf einzurechnen. Prüfen Sie regelmäßig Ihre Injektionshilfe, denn ein Defekt daran kann auch ein Grund sein, dass zu wenig Insulin abgegeben wird und in eine Überzuckerung zu rutschen. Halten Sie für alle Fälle Normalinsulin sowie, bei Typ-1 Diabetes, Urinteststreifen für Azeton bereit.