Warum Augenerkrankungen bei Diabetes oftmals unerkannt bleiben

Schau mir in die Augen …

Etwa alle sechs Stunden erblindet ein Mensch an den Folgen der diabetischen Retinopathie – einer Schädigung der Netzhaut durch zu hohe Blutzuckerwerte. Lesen Sie hier, warum Schäden am Auge meist zu spät bemerkt werden und was Sie tun können, damit sie erst gar nicht entstehen.

Augenerkrankungen bei Diabetes
An der Netzhaut entstandene Schäden lassen sich in den meisten Fällen nicht rückgängig machen

Wenn das menschliche Auge eine Kamera wäre, hätte es 576 Megapixel. Eine beeindruckende Bildtiefe: Die Kameras in den neuesten Smartphone-Modellen kommen gerade mal auf 8 Megapixel. Die Sehschärfe unserer Augen entsteht auf der Retina, wo Millionen von Sehzellen Sinneseindrücke von der Netzhaut ans Gehirn weiterleiten. Die Sehzellen werden von feinsten Äderchen mit Nährstoffen versorgt. Wird diese Versorgung in irgendeiner Art beeinträchtigt, kommt es schnell zu Netzhautschäden.

Warum werden Netzhautschäden oft (zu) spät erkannt?

Hohe Blutzuckerwerte schädigen die empfindlichen Gefäßinnenwände der Äderchen und führen zu Verschlüssen, die die Durchblutung der Netzhaut beeinträchtigen. Das Tückische daran: Die Gefäßveränderungen haben zunächst keine Auswirkung auf die Sehkraft und lassen sich auch nicht wahrnehmen. In diesem Stadium spricht man von einer nichtproliferativen Retinopathie. Wird nun nicht eingegriffen, bildet der Körper neue Gefäße, um die Durchblutung der Netzhaut zu verbessern. Diese neuen Gefäße verfügen jedoch nur über eine dünne Wand – steigt der Blutdruck plötzlich an, kann es zu Einblutungen kommen. Mit der Zeit schrumpfen die neuen Gefäße narbenartig, die Netzhaut löst sich ab und es kann zur Erblindung kommen.

Retinopathie – wirklich ein Grund zur (Vor)sorge?

Mit einem Blick auf die dazugehörigen Zahlen kann man sich diese Frage leicht beantworten: Bis zu 85% aller Menschen mit Typ-1 Diabetes weisen nach 15 bis 20 Jahren eine Schädigung der Netzhaut auf, bei Menschen mit Typ-2 Diabetes sind es etwa 80%. Bleibt der Typ-2 Diabetes lange unerkannt, liegt zum Zeitpunkt der Diagnose dann häufig schon eine Netzhautschädigung vor.

Das A und O: Regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt

Werden bei einer Untersuchung Schäden an der Netzhaut entdeckt, dienen Behandlungsmethoden immer dem Erhalt der aktuellen Sehleistung. Denn an der Netzhaut entstandene Schäden lassen sich in den meisten Fällen nicht rückgängig machen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Augen regelmäßig vom Augenarzt untersuchen zu lassen – auch dann, wenn man keinerlei Einbußen der Sehkraft wahrnimmt. Wird der Beginn einer Retinopathie frühzeitig festgestellt, kann die richtige Therapie verhindern, dass die Krankheit weiter fortschreitet.

Diagnose Retinopathie – Blutzuckerspiegel senken, Laserbehandlung oder Operation?

Schäden an der Netzhaut werden vor allem durch zu hohe Blutzuckerwerte verursacht, aber auch ein hoher Blutdruck oder Fettstoffwechselstörungen können bei der Entstehung mitwirken. Am wichtigsten ist daher, zuerst die Blutzuckerwerte zu senken und gegebenenfalls einem ungesund hohen Blutdruck oder einem gestörten Fettstoffwechsel entgegenzuwirken. Bei einer gering ausgeprägten Netzhautschädigung kann das schon genügen, um ein Fortschreiten des Augenleidens zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit bietet die ambulante Lasertherapie. Dabei werden undichte Äderchen in der Netzhaut verödet, um neue Einblutungen zu verhindern. So wird die verlorene Sehkraft zwar nicht wieder hergestellt, die noch vorhandene Sehkraft lässt sich jedoch in den meisten Fällen erhalten. Im Fall einer Ablösung der Netzhaut ist ein operativer Eingriff notwendig, um eine Erblindung zu verhindern.

Machen Sie gleich einen Termin – Vorsorgen lohnt sich!

Die beste Möglichkeit, Ihre Augen zu schützen, besteht also in der Vorsorge. Bei einer jährlichen Untersuchung kontrolliert der Augenarzt Ihre die Netzhaut – kleinste Veränderungen lassen sich leicht erkennen und mit entsprechenden Maßnahmen entgegenwirken.