Diabetes-Assistentin Gudrun Schindler über das Leben mit Diabetes in Gambia und Reisen mit Eversense XL

„Es sind oft einfache Dinge, die helfen“

Die 57-jährige Gudrun Schindler hat selbst Typ-1-Diabetes. Zwei Mal im Jahr fliegt die Diabetes-Assistentin nach Gambia in Westafrika und hilft dort Kindern und Jugendlichen mit Diabetes. Im zweiten Teil des Interviews erzählt sie über ihre Arbeit in Gambia und die Erfahrungen, die sie dort im Umgang mit Diabetes und beim Reisen mit dem Eversense XL CGM System gemacht hat.

Diabetesassistentin Gudrun Schindler mit Kindern in Gambia
Gudrun Schindler und ihr Mann reisen regelmäßig nach Gambia, um dort Menschen mit Diabetes zu helfen.

Sie waren erst vor kurzem fünf Wochen lang in Gambia in Westafrika. Was genau haben Sie dort gemacht?

Vor elf Jahren habe ich mit meinem Mann den Verein Diabetes-Projekt The Gambia e.V. gegründet und fliege zwei Mal im Jahr mit ihm dorthin. Vor Ort kümmern wir uns darum, Jugendliche mit Diabetes Typ 1 zu schulen und schauen bei ihren Familien vorbei, um zu erfahren, welche Hilfestellung wir ihnen geben können. Darüber hinaus organisieren wir auch Schiffscontainer mit medizinischen Hilfsmitteln, Kleidung und anderen Sachen. Es sind oftmals einfache Dinge, mit denen man den Menschen helfen kann.

Diabetes-Assistentin Gudrun Schindler verteilt Spenden
Unter den Spenden des Vereins sind auch Anziehsachen, die Gudrun Schindler in Gambia an die Kinder und Jugendlichen mit Diabetes verteilt.

Wie ist es für Sie mit Eversense XL auf Reisen zu sein?

Mit Eversense XL auf Reisen ist es wirklich super – damit braucht man als Diabetiker unterwegs wirklich keine Angst zu haben. Ich habe in Gambia einen Schiffscontainer ausgeladen und das bei großer Hitze im Staub und Dreck. Dabei hatte ich überhaupt keine Probleme mit dem Smart Transmitter. Ich habe Eversense XL so eingestellt, dass ich frühzeitig gewarnt werde, wenn sich meine Werte verändern. Mir ist das wichtig, um gar nicht erst in eine Hypoglykämie abzurutschen. Daher mache ich meinen Transmitter auch so gut wie nie ab, nur zum Aufladen.

Wie gehen die Menschen in Gambia im Vergleich zu Deutschland mit Diabetes um?

Die Jugendlichen dort gehen genauso damit um wie die Jugendlichen hier in Deutschland. Sie haben alles andere im Kopf als ihren Diabetes. Wir versuchen ihnen zu vermitteln, wie wichtig es ist, Blutzucker zu messen, an das Insulin zu denken. Während unserer letzten Reise haben wir ein Mädchen zu Hause besucht und sie gebeten, uns alle Sachen für ihre Diabetes-Behandlung zu zeigen. Sie brachte uns einen großen Eimer mit leeren Pens, die sie in einem Kühlschrank in der Nachbarschaft aufbewahrte. Einfach weil sie nicht wusste, dass sie in den Müll gehören. Wir schauen uns immer die Situation vor Ort an und überlegen uns, wie wir sie verbessern können. Schwierig wird es, wenn es bei den hohen Temperaturen keinen Kühlschrank gibt, in dem das Insulin gelagert werden kann.

Diabetes-Assistentin Gudrun besucht die Mutter einer Patientin
Auch Schulbesuche stehen auf dem Programm: Gudrun Schindler besuchte die Mutter einer jungen Patientin, die Lehrerin an einer Schule ist.

Wie ist der Austausch zwischen den Ärzten und den Jugendlichen in Gambia?

Definitiv anders als bei uns. Ärzte fühlen sich nur für die Verteilung des Insulins zuständig, das macht es schwierig. Wenn wir vor Ort sind, gehen wir mit den Jugendlichen in die Klinik, dokumentieren alle wichtigen Werte und statten sie mit Blutzuckermessgeräten aus. Für uns ist das wichtig, um nachvollziehen zu können, wie die Therapie wirkt. Ein großes Problem ist, dass es in vielen Klinken nicht genug Insulin gibt. Denn das ist teuer. Hier setzen wir mit dem Verein an und unterstützen mit Spenden sowie medizinischen Hilfsmitteln. Dabei arbeiten wir mit dem lokalen Arzt Dr. Alieu Gaye zusammen. Es ist mir sehr wichtig, dass er sich bei unserer Arbeit nicht übergangen fühlt.

Diabetes-Assistentin Gudrun Schindler misst den HbA1c-Wert
Gudrun Schindler misst mit Unterstützung von Jim Cham (vorne rechts) den Langzeitzucker (HbA1c) bei Sheriff Sanyang (vorne links).

Werden Sie dieses Jahr noch einmal nach Gambia fliegen?

Wir fliegen im November noch einmal zum Weltdiabetestag hin. Jedes Jahr treffen wir uns dort in einem Stadtteil, um die Menschen auf das Thema Diabetes aufmerksam zu machen. Es wird einen Umzug mit einer Musikkapelle geben, und wir laufen gemeinsam mit den Diabetikern und mit einem riesigen Banner durch die Straßen. Es werden auch Messstationen aufgebaut, wo die Leute u.a. kostenlos ihren Blutzucker messen und sich rund um das Thema Diabetes informieren können. Das ist eine ganz tolle Angelegenheit.

Hier geht’s zum ersten Teil des Interviews mit Gudrun Schindler, in dem sie über ihr Leben mit Diabetes und ihre Arbeit als Diabetes-Assistentin spricht.