Telemedizin und digitales Coaching

„Der T1Day zeigt wieder einmal, dass wir nicht alleine sind“

Start-up-Gründer und Vordenker Kevin Röhl hat sich beim T1 Day 2019 in Berlin zu den Möglichkeiten der Telemedizin, digitalen Coachings und zu Neuigkeiten aus der Forschung informiert.

Roche Diabets Care beim T1Day

Ich war einer von über sechshundert Teilnehmern des diesjährigen T1Days – Der Tag von, mit und für Menschen mit Diabetes und deren Angehörige. Zunehmend mehr Interessierte treffen sich Anfang des Jahres in Berlin, um sich zu vernetzen, auszutauschen und sich über die neuesten Diabetes-Technologien zu informieren. Der T1Day bietet Raum für Neu-Diagnostizierte, Kinder, Ärzte, die Industrie als auch Diabetes-Startups. Leitthema war in diesem Jahr die „Telemedizin“ und die damit verbundenen Möglichkeiten, um den Umgang mit Diabetes einfacher zu gestalten. Moderiert wurde der T1Day von Ilka und Frederik von mySugr. Beide haben ebenfalls Typ-1-Diabetes und zeigten sich gleich zu Beginn der Veranstaltung sichtlich berührt als sich mehr als 200 “Typ-Fler“ erhoben und mit tobendem Beifall bei ihnen für die tägliche Unterstützung im Alltag bedankten. Unter so vielen Menschen mit Diabetes zu sein löste auch in mir ein unbeschreibliches Gefühl aus. Im Rahmen der Studie bietet sie zur Regelversorgung drei zusätzliche Videosprechstunden an. Dadurch sparen die Patienten vor allem viel Zeit und der Arzt kann je nach Bedarf ebenfalls von Zuhause arbeiten. Die Untersuchungen in der Praxis werden dadurch aber natürlich nicht ersetzt.

Textbasiertes Coaching

Ein weiteres Bespiel von Telemedizin hat Michèle von mySugr vorgestellt. Sie ist Diabetesberaterin und unterstützt Nutzer der mySugr App, die den mySugr Coach nutzen (Anmerkung: Der mySugr Coach ist Bestandteil des mySugr Pakets).  Ziel dieses Coachings ist es, dem Patienten das Analysieren und Reflektieren von Blutzuckerwerten zu erleichtern und ihn auch zwischen Terminen beim Diabetologen zu motivieren. Laut Michèle muss ein Diabetespatient rund 50 Therapieentscheidungen am Tag fällen. Nutzer des mySugr Coaches profitieren von einem Experten den sie immer in der Tasche führen. Gefragt werden kann alles rund um das Thema Gewicht, Sport, BE/KE, Fett-Protein-Einheit- wichtig ist aber zu wissen, dass der Coach keine Therapieempfehlungen abgibt. Hierzu ist es auch weiterhin wichtig, dass man sich direkt an seinen behandelnden Arzt wendet. Da ich selbst viel über diese Themen auf sozialen Netzwerken lese und immer wieder feststelle wie unterschiedlich die Meinungen von anderen Patienten online diskutiert werden, gefällt mir an dem textbasierten Coaching die Tatsache, dass die Informationen zu meinem Diabetes von einer geschulten Person kommen.

Und jetzt erstmal Pause?

Natürlich hätte ich mich auch online über neue Formen der Diabetestherapie und Telemedizin informieren können. Doch ähnlich wie ein Besuch beim Arzt, ist die Anwesenheit bei solch einem Event weit mehr als nur informativ. In der Pause konnte ich die anderen Teilnehmer kennenlernen, diskutieren und Kontakt zu einigen Industriepartnern schließen.

Sitzecke beim T1Day
Ausreichend Platz zum Ausruhen und Austauschen gab es in der gemütlichen Sitzecke von Roche Diabetes Care

Möglichkeiten der Telemedizin

Wissenschaftler, Ärzte und Visionäre äußerten sich zum Thema Telemedizin und zeigten auf, wo und wie uns die Digitalisierung in Zukunft unterstützen kann und an welchem Punkt wir uns aktuell befinden. Im Durchschnitt hat ein Patient pro Arztbesuch nur 7,6 Minuten Besprechungszeit. Diese Feststellung diente als Ausgangspunkt für den Blick in die Zukunft. Da die Anzahl an Patienten vermutlich weiter steigen und die Zahl der Diabetes-Schwerpunktpraxen sinken wird, ist davon auszugehen, dass sich diese verfügbare Zeit in den nächsten 10 Jahren auf 3,5 Minuten verringern wird. Wie man damit umgehen kann, wurde in einem Video zu den Möglichkeiten der Telemedizin von IGES Future Script eindrucksvoll gezeigt: Mit einer elektronischen Patientenakte, selbstlernenden Algorithmen und dem zunehmend engeren Zusammenspiel von Mensch und Maschine wurde deutlich, wie der Patient auch zukünftig individueller, umfassender und länger beraten werden kann. Ein großer Vorteil ist dabei, dass er in sämtliche Entscheidungen eingebunden wird – und das quasi rund um die Uhr und ohne Wartezeiten in der Praxis. Durch diesen Ansatz wird es außerdem möglich, verschiedene Lebensbereiche zu analysieren und Zusammenhänge zwischen wiederkehrenden Ereignissen, dem Wetter oder dem psychologischen Zustand festzustellen. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass der betreuende Arzt natürlich auch weiterhin mit eingebunden ist und letztlich die Therapieentscheidungen trifft. Zusätzlich wird ein Experten-Team bereitgestellt, welches bei schwierigen Fragen oder Unsicherheiten per Videochat hinzugezogen werden kann. Den Termin beim Arzt vor Ort ersetzt der Ansatz aber nicht.

Mein Fazit: Mir persönlich ist der Kontakt zu meinem Arzt auch in einer Zukunft mit intelligenten Apps und Videochat wichtig, denn die Signale, die über die Körpersprache und über den Körper selbst vermittelt werden, teilen ebenfalls wichtige Informationen zu unserem Zustand mit. Das wurde auch in einem späteren Vortrag durch die Referentin Simone von Sengbusch bestätigt. Sie präsentierte Teilergebnisse aus ihrer Studie „ViDiKi“ zum Thema Telemedizin.

T1Day: Telemedizin und digitales Coaching

Interaktiv wurde es auch in den nachfolgenden Sessions zu den Themen Diabetes und Beruf, oder der Diabetes Do-it-yourself (DIY) Szene. Insbesondere die jüngeren und neudiagnostizierten Menschen mit Diabetes lernten hier von den erfahrenen Anwendern. Beispielsweise erzählte ein Pilot von seinem Berufsalltag und nahm Ängste und Sorgen zum Umgang mit dem Diabetes. Eine wichtige Erkenntnis hierbei: Vieles, was früher undenkbar gewesen wäre, ist mit der heutigen Technologie kein Problem mehr. 

Insgesamt zeigte mir der T1Day wieder einmal, dass wir nicht alleine sind und es sehr viele engagierte Menschen gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Leben mit Diabetes zu erleichtern.