Tipps zu Tätowierungen und Diabetes - Matthias Lindl kennt beides aus eigener Erfahrung

Tattoos & Diabetes: Verträgt sich das?

Tattoos lösen in Zusammenhang mit Diabetes immer wieder Diskussionen aus. Blogger und Typ-1-Diabetiker Matthias Lindl ist als echter Tattoofreund zwar kaum unparteiisch – dafür weiß er ganz genau, wovon er spricht. 

Tattoos und Diabetes: Verträgt sich das?
Ja, Tätowierungen können Auswirkungen auf die Blutzuckerwerte haben – aber sie sind beherrschbar. ©harmonifotografi

Wenn man etwas im Internet sucht, in Facebook-Gruppen oder Foren umherstreift, dann stolpert man öfter über das Thema Tätowierungen im Zusammenhang mit dem Diabetes. Dort sieht man, dass viele Diabetiker tätowiert sind und das Thema oft in Diskussionen ausartet. In diesen Diskussionen wird dann darüber gestritten, ob man sich als Diabetiker überhaupt unter die Tattoomaschine begeben sollte, was das mit dem Blutzucker alles anstellen kann und ob es ungesund wäre.

Als aller erstes muss ich dann klarstellen, dass ich tätowiert bin und das auch nicht zu knapp ... Und es wird auch immer mehr werden. Allgemein sei über das Tätowieren gesagt, dass es eine Sache für sich ist. Ob man es mag oder eben nicht mag, welche Stilrichtung bevorzugt wird und welche Stellen. Für mich persönlich bleibt es eine schöne Art von Kunst, die ich gerne unter meiner Haut trage.

„Tut das weh?“

Ja, tätowiert werden tut weh! Natürlich ist der Schmerz, je nach Wahl der zu tätowierenden Stelle, sehr unterschiedlich und an den meisten Stellen ist er sehr gut auszuhalten, aber es tut weh. Zudem hat der Körper während und nach einer Sitzung sehr viel zu tun, da er die ganze Zeit versucht, die durch die Nadel entstandenen Wunden zu schließen. Wenn wir schon dabei sind, was macht das mit dem Blutzucker? Das ist je nach Person ziemlich unterschiedlich. Bei einigen wird der Blutzucker durch den Stress und das Adrenalin, das beim Tätowieren ausgestoßen wird, sicher steigen, bei mir zum Beispiel passiert das gar nicht mehr. Bei meinen ersten Tattoos damals war es auch noch so, aber wenn man das öfter macht und das Gefühl kennt, dann hat sich der Körper auch ein wenig darauf eingestellt.

Ein Zitat aus einem Tattoo-Forum:

„Stress ist eine normale Reaktion auf neue Herausforderungen, zu welchen ich mal ein Tattoo zähle. (…) Es ist wichtig, dass sich Diabetiker bewusst sind, dass sie Stress ausgesetzt sind, und verstehen, welchen Einfluss Stress auf den Blutzuckerspiegel haben kann. Der Umgang mit Stress ist ein ganz wesentlicher Teil der Diabetesbehandlung. Immer wenn ihr unter Druck steht, reagiert der Körper, indem er Stresshormone wie Adrenalin und Kortison ausschüttet. Diese Hormone sorgen dafür, dass die Leber Zucker freisetzt. Obgleich Stress normalerweise Euren Blutzuckerspiegel ansteigen lässt, könntet ihr trotzdem das Gefühl haben, der Blutzuckerwert sei niedrig. Das liegt daran, dass Adrenalin viele der Symptome einer Unterzuckerung hervorrufen kann. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob Euer Blutzuckerspiegel steigt oder fällt, überprüft ihn, um auf Nummer sicher zu gehen. Wichtig ist ebenfalls, nicht in Blutzuckerkrisen zum Tätowierer gehen. Wenn man Zuckerschwankungen Tage zuvor beobachtet, dann lieber noch warten bis sich wieder alles beruhigt hat …“

Messen sollte man vor einer Sitzung auf jeden Fall und sichergehen, dass man nicht mit einem zu hohen oder zu niedrigen Blutzucker startet. Wenn ihr eine lange Sitzung vor euch habt, dann macht auch mal eine Pause um etwas zu essen oder zu trinken und eurem Körper kurz eine Ruhepause zu gönnen. Niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er während des Tätowierens mal eine Pause braucht! 

Diabetes-Tattoos

 

Diabetes-Tattoos

Den ersten 3 Jahren nach seiner Typ-1-Diagnose gewidmet: Matthias Lindls Diabetes-Tattoo

Was für Tattoos lassen sich Diabetiker denn überhaupt stechen, wenn es ums Thema Diabetes geht und warum lässt man sich so ein Tattoo machen? Ich selbst trage auch ein Diabetes-Tattoo. Ich habe es damals machen lassen, um meine ersten 3 Jahre als Diabetiker in irgendeiner Kunstform zu verarbeiten. Mich hat in den ersten Jahren so viel beeinflusst, dass es mir definitiv ein Tattoo wert war.

Pflege

Nach dem Tätowieren ist natürlich die Pflege wesentlich. Cremes zur Tattoo-Pflege gibt es wie Sand am Meer. Da sollte jeder seine eigene finden, mit der er oder sie zufrieden ist. Je nach Hauttyp kann das sehr verschieden sein. Jeder Tätowierer wird eine Pflegeanleitung für das Tattoo aushändigen und ihr werdet sicher feststellen, dass viele Tätowierer euch auch eine andere Pflege des frischen Tattoos nahelegen. Wichtig ist, es am Tag des Tätowierens eingepackt zu lassen, oft wird es mit Frischhaltefolie oder bestimmten Pflastern abgeklebt. Am nächsten Morgen dann gut mit lauwarmen Wasser und Ph-neutraler Seife abwaschen und leicht trocken tupfen. Dann am ersten Tag versuchen, es alle 2-3 Stunden zu waschen und danach dünn mit Tattoocreme einschmieren. Das macht ihr so maximal 2 Wochen lang, dann sollte das Tattoo soweit abgeheilt sein, das es keine Creme mehr benötigt.

Ist ein Tattoo denn ungesund?

Darüber streiten sich heute noch einige Leute. Natürlich kann der Körper schlecht auf die Farbe reagieren, es kann vernarben, Allergien und Schwellungen auslösen etc. Je nachdem zu welchem Tätowierer man geht, kann der oder die natürlich auch billige oder schlechte Farben nutzen, in denen ungesunde Stoffe enthalten sind. Aber es gibt heutzutage auch schon sehr gute Farben ohne schädliche Stoffe. Das Risiko, dass etwas passieren kann, sollte also jedem immer ein wenig bewusst sein, wenn man sich für ein Tattoo entscheidet.

Zu guter Letzt: Die Wahl des richtigen Tätowierers

Wie man einen guten Tätowierer findet, ist eine Sache des Vertrauens: Man sollte seinem Tätowierer voll und ganz vertrauen können. Ansonsten kann man einen guten Tätowierer oft schon an seinem Auftritt in den Sozialen Medien erkennen – oder am Laden selbst. Wenn alles sehr sauber ist und geregelt abläuft, oder er einfach sehr professionell ist, in dem was er tut.