Die Patientenverfügung und was Sie darüber wissen sollten

Für alle Fälle

Mit einer Patientenverfügung können Sie bestimmen, wie Sie im Falle eines Unfalls oder einer schweren Krankheit medizinisch behandelt werden möchten. Wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengestellt.

Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung kann sehr detailliert sein – ärztliche Beratung ist empfehlenswert

Wie im Fall der Fälle die eigene Behandlung ausfallen soll, darauf verwenden die meisten Menschen nur ungern einen Gedanken. Auch, wenn sich das gut nachvollziehen lässt, ist es ratsam, sich frühzeitig mit dem Thema Patientenverfügung auseinanderzusetzen. Wenn keine Verfügung vorliegt, man seinen Willen aus physischen oder psychischen Gründen nicht mehr selbst äußern oder keine Entscheidungen mehr treffen, entscheiden nämlich die Ärzte über das weitere Vorgehen. Sie sind "dem Leben verpflichtet", werden also unter Umständen viel länger an lebenserhaltenden Maßnahmen festhalten, als es der Wille des Patienten oder der Angehörigen wäre.

Der Inhalt einer Patientenverfügung kann sehr detailliert sein: Man kann exakt festlegen, in welchen Fälle sie gelten soll und auch welche Behandlungen man ausdrücklich nicht wünscht. Beispiele für Situationen sind etwa das Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit oder eine Gehirnschädigung, die die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten aller Wahrscheinlichkeit nach unwiederbringlich verhindert. Für solche Situationen lassen sich dann Wünsche zu konkreten Maßnahmen formulieren. Es sollten keine allzu allgemeingültigen und ungenauen Passagen enthalten sein – um z.B. zu vermeiden, dass sogar eine einfache Infusion nicht gelegt werden dürfte. Einige Punkte sollten in jeder Patientenverfügung enthalten sein:

  • Bestimmung zur Anwendung lebenserhaltendes Maßnahmen
  • Schmerz- und Symptombehandlung
  • Künstliche Ernährung und Beatmung
  • Wiederbelebung
  • Gabe von Antibiotika oder Bluttransfusionen
  • Gewünschter Ort der Behandlung
  • Nennung eines Bevollmächtigten

Liegt eine Verfügung vor, gilt der schriftlich hinterlegte Wille des Patienten – unabhängig davon, woran er erkrankt ist und wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Seit dem 1. September 2009 ist dazu ein neues Gesetz in Kraft getreten: Verfügungen sind auch dann verbindlich, wenn kein tödlicher Verlauf absehbar ist.

Die Patientenverfügung muss erkennen lassen, dass der Verfasser sich intensiv mit dem Thema befasst hat. Daher ist es ratsam, sich bei den Formulierungen von Ihrem Arzt oder einem Notar beraten zu lassen und mögliche Rückfragen zu klären. Allerdings ist das keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden. Es empfiehlt sich, in der Verfügung eine vertraute Person zu deren Durchsetzung zu bevollmächtigen. Im vollen Besitz Ihrer geistigen Fähigkeiten können Sie jederzeit und in jedem Alter eine Patientenverfügung formulieren – die Inhalte richten sich dabei ganz nach Ihrer aktuellen Lebenssituation. In jungen Jahren wünschen Sie eventuell andere Maßnahmen, als im Alter. Achten Sie jedoch darauf, die Verfügung alle paar Jahre zu aktualisieren: Patientenverfügungen sollten kein zu altes Datum haben, da sich ja Ihre Wünsche und Situation in der Zwischenzeit geändert haben könnten. Wenn Sie sich also für das Verfassen einer Patientenverfügung entscheiden, finden Sie Formulierungshilfen und Vordrucke auf der Seite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.