Der Faktencheck

Organspende bei Diabetes

04.03.2020 / #meinbuntesleben Redaktion
Jemand hält einer anderen Person die Hand.
Auch Menschen mit Diabetes können Organe spenden.

Seit der jüngsten Abstimmung im Deutschen Bundestag wird wieder viel über das Thema Organspende diskutiert. Viele Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan sind Menschen mit Diabetes, deren Niere infolge ihrer Stoffwechselerkrankung versagt hat. Was viele nicht wissen: Auch Menschen mit Diabetes dürfen Organe spenden – sollten ihre Erkrankung allerdings im Organspendeausweis vermerken.

Etwa 9.500 Menschen in Deutschland stehen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. [1] Die meisten von ihnen warten auf eine Nierentransplantation, einige auf eine kombinierte Transplantation von mehreren Organen. Viele von ihnen sind Menschen mit Diabetes, deren Nieren infolge ihrer Stoffwechselerkrankung geschädigt sind. [2] Auch Bluthochdruck kann für ein Nierenversagen verantwortlich sein. Bis eine Spenderniere gefunden wurde, übernimmt mehrmals pro Woche die Blutwäsche (Dialyse) die Funktion der Nieren. Menschen mit Typ-1-Diabetes, denen eine Spenderniere eingesetzt wird, erhalten von Fall zu Fall im selben Eingriff auch eine neue Bauchspeicheldrüse (Pankreas), eine sogenannte Kombinationstransplantation. [3] Sie müssen nach der Transplantation lebenslang Medikamente einnehmen, die eine Abstoßung der Spenderorgane verhindern. Zudem besteht die Gefahr von Infektionen nach der Transplantation, die zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen und schlimmstenfalls zum Tod führen können. Doch sind sie mit der Transplantation quasi von ihrem Diabetes geheilt. Das Thema Organspende ist also für viele Menschen mit Diabetes von großer Bedeutung.

Warum gibt es nur so wenig Organspender?

Doch längst nicht für alle von ihnen stehen auch Spenderorgane zur Verfügung. So standen Ende 2018 knapp 300 Menschen auf der Warteliste für eine Pankreastransplantation, mehr als 7.500 warteten auf eine Spenderniere. Doch tatsächlich transplantiert wurden nur 91 (Pankreas) bzw. 1.607 (Niere) Spenderorgane. [5] Um daran etwas zu ändern, hat der Deutsche Bundestag bereits im Februar 2019 der Änderung des Transplantationsgesetzes zugestimmt. [4] Das Gesetz soll strukturelle und finanzielle Voraussetzungen für die Entnahmekrankenhäuser schaffen, welche die Organspendezahlen dauerhaft erhöhen.

Entscheidungslösung statt Widerspruchslösung

Anfang des Jahres 2020 wurde eine Reihe weiterer Maßnahmen beschlossen. Denn nicht nur bei den Krankenhäusern, sondern auch in der Bevölkerung soll die Bereitschaft zur Organspende gestärkt werden. Das neue Gesetz wird voraussichtlich in zwei Jahren in Kraft treten. Die derzeit geltende Rechtslage bleibt dabei im Kern unverändert. Eine Organspende ist also grundsätzlich nur dann möglich, wenn der mögliche Organspender zu Lebzeiten eingewilligt hat oder sein nächster Angehöriger zugestimmt hat. Damit mehr Menschen ihre persönliche Entscheidung registrieren lassen, soll ein bundesweites Online-Register beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eingerichtet werden. Die Ausweisstellen von Bund und Ländern sollen künftig Aufklärungsmaterial und Organspendeausweise bereithalten und auf das Online-Register hinweisen. Auch in Hausarztpraxen sollen Patientinnen und Patienten alle zwei Jahre auf das Thema Organ- und Gewebespende angesprochen werden. Und zu guter Letzt soll Grundwissen zur Organspende auch in den Erste-Hilfe-Kursen im Vorfeld der Führerscheinprüfung vermittelt werden.

Auch Menschen mit Diabetes können Organe spenden!

Grundsätzlich gibt es nur wenige Erkrankungen, die einer Organspende entgegenstehen. So ist eine Organentnahme ausgeschlossen, wenn der Organspender an einer akuten Krebserkrankung leidet oder HIV-positiv getestet wurde. Diabetes hingegen ist kein Ausschlusskriterium – Menschen mit Diabetes können sich also bedenkenlos als Organspender registrieren lassen. Zur Transplantation frei gegebene Organe werden nach der Entnahme genauestens untersucht. Wichtig ist allerdings, dass potenzielle Spender Erkrankungen – also auch Diabetes – im Organspendeausweis angeben. [6]

Nächste Angehörige werden einbezogen

Ob jemand als Organspender in Frage kommt, wird nach Feststellung des Hirntods – sprich: dem unumkehrbareren Ausfall aller Hirnfunktionen – von den Ärzten im Krankenhaus geklärt. Dabei werden auch die nächsten Angehörigen einbezogen. Niemand muss befürchten, dass die Behandlung des Patienten vorzeitig beendet wird. Ärzte dürfen erst dann eine Auskunft aus dem Online-Register einholen, wenn der Tod des möglichen Spenders festgestellt worden ist. Wenn in diesem Register kein Eintrag vorhanden ist, werden die nächsten Angehörige befragt, ob ihnen bekannt ist, wie der Verstorbene zur Organ- und Gewebespende stand. Wenn auch die Familie dies nicht weiß, kann sie selbst die Entscheidung treffen. Dabei sollen sie allerdings die mutmaßlichen Wünsche ihres verstorbenen Angehörigen berücksichtigen.

Quellen:

[1] Zahlen und Fakten zur Organspende, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, https://www.organspende-info.de/zahlen-und-fakten.html

[2] Die Nierentransplantation, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/nie...

[3] Neue Organe für Diabetiker, Presseinformation der Universität Heidelberg, https://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca08-3/neue.html

[4] Jahresbericht der Deutschen Stiftung Organspende 2019, https://www.dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202019.pdf

[5] Anzahl der postmortalen Organspender in Deutschland bis 2019, Statistik von Statista, veröffentlicht am 16.1.2020, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/70873/umfrage/anzahl-der-...

[6] Fragen und Antworten zur Organspende, Bundesgesundheitsministerium, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/organspen...