Überblick Nierengesundheit

Nierenschutz bei Diabetes: Kleine Organe mit großen Aufgaben

11.08.2020 / #meinbuntesleben Redaktion
Ein Modell einer Niere

Mit der Diagnose Diabetes steht nicht nur das Management der Blutzuckerwerte, sondern auch die Funktion zahlreicher Organe im Fokus. Dazu zählen auch die Nieren. Wir geben Ihnen einen Blick hinter die Kulissen dieser unermüdlichen Hochleistungsfilter – wie man sie bestmöglich gesund halten kann und worauf bei Nierenerkrankung, Dialyse und Nierentransplantation zu achten ist.

Wenn einmal im Quartal der Besuch beim Hausarzt oder Diabetologen mit Blutentnahme ansteht, werden neben Langzeitblutzuckerwert (HbA1c), Gewicht, Blutdruck und Blutfettwerten auch Laborwerte in den Diabetespass eingetragen, die Aufschluss über die Funktion der Nieren geben. Bei Menschen mit Diabetes stehen die Nieren unter besonderer Beobachtung. Denn bei einem erhöhten Blutzuckerspiegel können sie Schaden nehmen – und zwar bei Typ-1- ebenso wie bei Typ-2-Diabetes. Diabetes gilt als eine der Hauptursachen für Nierenerkrankungen. Doch keine Sorge: Zu diesen Folgeschäden kommt es nicht von heute auf morgen und auch nicht durch einen einzelnen hohen Blutzuckerwert.

Wie die meisten möglichen Folgeerkrankungen des Diabetes, entstehen auch Schäden an den Nieren schleichend – und lassen sich häufig durch engagiertes Diabetesmanagement, regelmäßige Untersuchungen und einen gesunden Lebensstil vermeiden oder zumindest lange hinauszögern. Und selbst wenn eine Einschränkung der Nierenfunktion festgestellt wird, hat dies nicht unmittelbar gravierende Folgen. Experten gehen davon aus [1], dass etwa 42 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland eine eingeschränkte Nierenfunktion haben. Erst im fortgeschrittenen Stadium kommt es zum Nierenversagen, das eine Nierenersatztherapie (Dialyse oder Nierentransplantation) erforderlich macht.

Hochleistungsfilter mit gewaltigem Aufgabenpensum

Doch welche Aufgabe haben die Nieren im Körper eigentlich? Und warum stören sie sich an hohen Glukosewerten? Die Nieren sind Hochleistungsfilter, die jeden Tag Schwerstarbeit leisten. [2] Wie ein Sieb reinigen sie das Blut und sorgen für die Ausscheidung von Giftstoffen und von Abbauproduktendes Stoffwechsels. Daneben regeln sie den Wasserhaushalt des Körpers und stellen damit langfristig den Blutdruck ein. Zudem kontrollieren sie den Säure-Basen-Haushalt und den Elektrolythaushalt, produzieren Hormone und spielen eine wichtige Rolle im Vitamin D-Stoffwechsel. Damit die Nieren ihr gewaltiges Pensum bewältigen können, müssen sie bis in den letzten Winkel gut durchblutet werden. In den Nieren findet sich daher eine Vielzahl kleiner und feiner Blutgefäße. Bei ihnen kann es im Falle dauerhaft erhöhter Glukosewerte zu Ablagerungen und Veränderungen in den Gefäßwänden kommen. Fachleute sprechen dann von einer Mikroangiopathie. Diese beeinträchtigt die Filterfunktion der Nieren, was Hausarzt oder Diabetologe an den eingangs erwähnten Laborwerten ablesen können.

Nierenfunktion kontrollieren, Schäden frühzeitig erkennen

Wenn es infolge eines Diabetes zur Nierenschädigung kommt, verläuft das meist schleichend und bleibt lange Zeit unentdeckt – schließlich bereitet eine eingeschränkte Nierenfunktion häufig viele Jahre lang keine Beschwerden. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion beim Hausarzt oder Diabetologen, wie sie auch im sogenannten „Disease Management Programm Diabetes mellitus“ vorgesehen sind. Verschiedene Einflussfaktoren können Nierenerkrankungen bei Diabetes begünstigen [3], zum Beispiel ein höheres Lebensalter, eine lange Diabetesdauer, männliches Geschlecht und Nierenerkrankungen oder Bluthochdruck in der Familie. Daneben gibt es aber auch eine Reihe weiterer Faktoren, auf die man selbst achten kann, um die Nieren gesund zu erhalten. Wird die Einschränkung der Niere frühzeitig erkannt und behandelt, kann diese sogar zum Teil langfristig wieder rückgängig gemacht werden. Die folgenden Tipps [4] gelten zur Vorbeugung und auch für Menschen mit leichten Einschränkungen der Nierenfunktion:

  • Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion.  Lassen Sie keine Quartalsuntersuchung aus, denn parallel zur dreimonatlichen Blutentnahme werden auch weitere Parameter wie z.B. Eiweiß-Ausscheidung im Urin untersucht, die einen ersten Aufschluss über die Nierenfunktion geben können.
     
  • Rechtzeitig zum Nierenfacharzt. Bei Auffälligkeiten in den getesteten Parametern, die auf eine gestörte Nierenfunktion hinweisen, empfiehlt Ihnen Ihr Hausarzt rechtzeitig einen Nierenspezialisten (Nephrologen) zu konsultieren. Sollte dies nicht der Fall sein, sprechen Sie Ihren Hausarzt aktiv darauf an.
     
  • Glukosewerte im Zielbereich. Vermeiden Sie Blutzuckerspitzen, die Ihre Gefäße und damit auch die Nieren schädigen könnten. Je nach Art Ihrer Diabetestherapie können Sie die Werte mit Ernährung und Bewegung, Diabetesmedikamenten und/oder Insulin in Schach halten.
     
  • Gesunder Blutdruck. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck in Ruhe und bei Belastungen – wie das geht, kann man in Patientenschulungen lernen. Wenn Ihr Arzt Ihnen Medikamente gegen hohen Blutdruck verschrieben hat, nehmen Sie diese regelmäßig in der verordneten Dosis ein. Denn ein hoher Blutdruck belastet die Nieren zusätzlich.
     
  • Auf Cholesterin achten. Zu hohe Blutfettwerte, insbesondere LDL-Cholesterin, belasten die Nieren. Beim Senken der Blutfettwerte helfen Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme – bei Bedarf in Kombination mit Medikamenten wie Cholesterinsenker.
     
  • Mit dem Rauchen aufhören. Rauchen schadet nicht nur der Lunge, sondern auch den Nieren. Auf das Rauchen zu verzichten, ist in jeder Hinsicht ein Gewinn für Ihren Körper.
     
  • Überflüssige Pfunde abspecken. Schon ein paar Kilos weniger auf den Rippen können den Blutdruck, Blutfette, Glukosewerte senken – zur Freude der Blutgefäße und auch der Nieren. Bei einem gesunden Körpergewicht können häufig Medikamente wie Blutdruck- oder Cholesterinsenker sowie Antidiabetika reduziert oder sogar überflüssig werden.
     
  • Bewusste Ernährung. Wenn bei Ihnen bereits eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion festgestellt wurde, sollten Sie versuchen, nicht zu viel Kochsalz und Eiweiß zu sich zu nehmen und auch phosphatreiche Nahrungsmittel, wie z.B. Milchprodukte oder Wurstwaren mit Phosphatzusätzen meiden.
     
  • Bewegung und Sport sind gut für Körper und Seele – und sie helfen bei der Gewichtsabnahme und Verbesserung der Blutwerte. Es muss ja nicht unbedingt der Sportverein sein. Warum nicht einfach Treppen steigen anstatt den Aufzug zu nehmen? Kleinere Wege kann man zu Fuß oder per Fahrrad zurücklegen und das Auto stehen lassen.
     

Dialyse und Transplantation erst bei Nierenversagen

Erst wenn die Nieren ihre Arbeit nahezu eingestellt haben, ist eine Behandlung erforderlich, die den Job dieser fleißigen Organe übernimmt – die Nierenersatztherapie. Hierzu gehören zum einen die Blutwäsche (Dialyse) und zum anderen der Ersatz des Organs durch eine neue Niere (Transplantation der Niere). Bei der Dialyse wird an drei Tagen pro Woche jeweils in einer mehrstündigen Behandlung das Blut von einer Maschine außerhalb des Körpers von Schadstoffen gereinigt. Um die maschinelle Blutwäsche zu unterstützen, müssen die Betroffenen exakten Ernährungsempfehlungen [5] folgen und dürfen auch nicht zu viel trinken. Mithilfe der Dialyse lässt sich die Zeit bis zu einer Nierentransplantation überbrücken. Hierbei wird dem Nierenkranken das Organ eines lebenden oder eines verstorbenen Spenders eingepflanzt. Nach einer Nierentransplantation können die Betroffenen wieder ihrem normalen Alltag nachgehen und müssen sich in den meisten Fällen nicht an spezielle Ernährungsempfehlungen halten. Allerdings müssen sie Medikamente – sogenannte Immunsuppressiva – einnehmen, die eine Abstoßung des fremden Organs durch das eigene Immunsystem verhindern.

Wie die Überschrift des Artikels bereits schon deutlich gemacht hat, erfüllen die Nieren fundamentale Aufgaben in unserem Körper. Nierenschäden sind zwar eine mögliche Folgeerkrankung von Diabetes, aber regelmäßige Arztbesuche und ein bewusster, gesunder Lebensstil können dabei helfen schlimmere Schäden wie ein Nierenversagen zu verhindern. Die oben genannten Tipps sind hierfür ein Anhaltspunkt. Am Ende bedeutet ein gutes Diabetes-Management auch ein gutes Nieren-Management.

 

Quellen

[1] Diabinfo – Das Diabetesinformationsportal, siehe https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/nieren.html#c55034 (Link zuletzt abgerufen am 06.08.2020)

[2] Informationen der Deutschen Nierenstiftung, siehe https://www.nierenstiftung.de/die-niere/?gclid=EAIaIQobChMIqKn74cXt6gIVl-N3Ch39HweREAAYAiAAEgIl2_D_BwE (Link zuletzt abgerufen am 27.7.2020)

[3] Patienten-Information des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ), siehe https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/diabetes-und-nieren (Link zuletzt abgerufen am 27.7.2020)

[4] Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) zur Versorgung von Patienten mit chronischer nicht- dialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis, siehe https://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S1...

[5] Informationen der Fa. Roche, siehe https://www.roche.de/pharma/nephrologie/ernaehrung.html (Link zuletzt abgerufen am 27.7.2020)