Mit Insulinpumpe aufs Dach Westeuropas

Hoch, höher, Mont Blanc

Für Wolfgang ging es hoch hinaus: Mit der Besteigung des höchsten Bergs der Alpen hat sich der Hobby-Bergsteiger einen Traum verwirklicht. Mit dabei: Freund Manfred, die Insulinpumpe Accu-Chek Combo und das Accu-Chek Mobile Blutzuckermesssystem.

Mit Insulinpumpe auf den Mont Blanc: Biwak „Vallot“
Der Aufstieg auf den Mont Blanc belohnt nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch durch Ausblicke wie diesen: Biwak „Vallot“.

„Ich bin dagegen, ich möchte nicht, dass du da hinaufgehst“, waren die Worte meiner Frau, als das Vorhaben Mont Blanc konkrete Formen annahm. Ich wusste, alpinistisch hatte sie keine Gründe gegen mein Ziel zu sein. Seit meiner Kindheit, also rund fünfundvierzig Jahre, war ich in den Bergen unterwegs. Oberstdorf, mein Heimatort, liegt mitten in den Allgäuer Alpen. Bergtouren, im Winter Skitouren, gehören zum Freizeitprogramm. Meine Frau sorgte sich viel mehr darum, dass in einer Höhe über 4.000 m die Insulinpumpe versagen könnte und das Blutzuckermessgerät nicht genau funktioniert. Ich musste meine Frau davon überzeugen, dass Diabetes mit Insulinpumpe zwar eine Herausforderung für den höchsten Gipfel Westeuropas ist, aber kein unkalkulierbares Risiko. Das Accu-Chek Combo Insulinpumpensystem ist seit viereinhalb Jahren meine Insulinpumpe, mein Lieblings-Blutzuckermessgerät ist Accu-Chek Mobile.

Kaum Basalinsulin für Bergtouren

Im Wallis bestieg ich vor drei Jahren meinen ersten 4.000er mit Insulinpumpe. Alles lief glatt. Zugute kam mir, dass ich bei Bergtouren oder allgemein bei körperlicher Anstrengung mit einem Pulsschlag über 100 für die Dauer von sechs Stunden kein Basalinsulin benötige.

Während des Hüttenaufenthaltes in fast 3.600 m Höhe senkte ich das Basalinsulin auf 40 Prozent der Normalrate ab. Warum ich die Basalrate in diesem Umfang absenken muss, konnte nicht erklärt werden. Beim menschlichen Körper gibt es auf vieles keine Antwort. Jeder Mensch reagiert anders. Auch meine Diabetologie-Praxis hielt es daher für sinnvoll, diese Erkenntnis einfach so hinzunehmen. Mit diesen Erfahrungswerten sollte doch auch der Mont Blanc möglich sein.

Mit Manfred, einem langjährigen Freund, ging ich den Mont Blanc an. In den vergangenen Jahren waren wir im Sommer und Winter auf Gipfeln im Ötztal und Ortlermassiv. Wir wussten, dass wir uns verstehen und sich jeder auf den anderen verlassen kann.

Wir konnten uns von Zuhause auf der Goûter-Hütte (3.835 m) für zwei Tage einbuchen. An einem dieser zwei Tage sollte doch das Wetter die Besteigung ermöglichen. Aufgrund des guten Wetters kam Manfred auf die Idee, doch zwei Nächte auf der Goûter-Hütte zu bleiben. Auch mir gefiel dies. Wir hatten einen zusätzlichen Tag Zeit, uns an die Höhe zu gewöhnen und eine Eingehtour zur Biwakschachtel Vallot (4.362 m) zu unternehmen. Dies war die Möglichkeit, Pumpe und Messgerät in dieser Höhe zu testen.

Mit Insulinpumpe auf den Mont Blanc: Aufstieg zur Goûter-Hütte
Die beiden Gipfelstürmer beim Aufstieg zur Goûter-Hütte

So standen wir Anfang Juli morgens an der Talstation der „Tramway du Mont Blanc“ in Le Fayer. Im Gepäck war neben der alpinen Ausrüstung mein Accu-Chek Mobile Blutzuckermesssystem und als Zweitmessgerät Accu-Chek Aviva Combo der Pumpenfernbedienung. Außerdem hatte ich ein ContourXT dabei, das eine Einsatzhöhe bis 6.301 m garantiert. Sollte die Insulinpumpe auf der Tour ausfallen, lagen zwei Pens mit Basal- und Bolusinsulin im Rucksack. Per Zahnradbahn gelangten wir zur Bergstation Nid dAigle in 2.362 m Höhe; unser Aufstieg begann. Etwa zweieinhalb Stunden später erreichten wir die Hütte Tête Rousse (3.165 m). Vor der Hütte stand ein französischer Guide und fragte nach der vorhandenen Reservierung in der Goûter-Hütte – ohne wäre hier unsere Tour beendet gewesen.

Unser heutiges Ziel hatten wir schon seit längerer Zeit im Blickfeld: Die rund 700 Meter über uns, wie ein Vogelkasten am Felsrand stehende Refuge du Goûter. Beim sog. Grand Couloir querten wir eine steinschlaggefährdete steile Eisrinne, in der sich jedes Jahr tödliche Unfälle ereignen. Der weitere Aufstieg geht durch Fels zur alten Goûter-Hütte und quert zur neuen, erst 2013 eröffneten Unterkunft in 3.835 m Höhe. Ein futuristisch wirkendes Gebäude. Kurz vor der Ankunft reduzierte ich die Basalrate, wie damals im Wallis.

Diese Reduzierung der Basalrate beließ ich bis zum nächsten Morgen. Das Erwachen durch die Geräusche der Frühaufsteher um 0:50 Uhr war die Gelegenheit zur Blutzuckermessung. Nach der zweiten Frühstücksmöglichkeit um 6 Uhr begannen wir den Aufstieg zur Vallot-Hütte. Eine Biwackschachtel auf 4.365 m Höhe, die innen einem Mülldepot ähnelt. Das Blutzuckertestergebnis von Accu-Chek Mobile bestätigte das Contour mit fast identischem Wert. Ein Nachweis, dass Pumpe und Messgeräte in dieser Höhe funktionieren.

Blutzuckermessung auf 4.362 Höhenmetern: Kein Problem für das Accu-Chek Mobile Blutzuckermesssystem
Blutzuckermessung auf 4.362 Höhenmetern: Kein Problem für das Accu-Chek Mobile Blutzuckermesssystem

Am nächsten Tag frühstückten wir schon um zwei Uhr. Gegen drei Uhr begann der Aufstieg, die Stirnlampen der Bergsteiger glichen einer Lichterkette in der Schneeflanke des Dôme du Goûter. Zwei Stunden später erreichten wir wieder die Vallot-Hütte. Die Blutzuckermessungen mit Accu-Chek Mobile und Contour gaben Selbstvertrauen für den weiteren Aufstieg. Der anbrechende Tag mit der hinter dem Mont Maudit aufgehenden Sonne hüllte den weiteren Aufstieg über den Bossesgrat in glitzerndes Licht. Auf etwa 4.547 m zeigten beide Messgeräte wieder ähnliche Werte und gaben grünes Licht für den weiteren Aufstieg.

Eine Stunde später war der höchste Punkt von West-Europa erreicht. Freudetränen zeichneten mein Gesicht! Bei Windstille und nur geringen Minustemperaturen genossen wir auf unseren Rucksäcken sitzend die Aussicht. Alle Berge waren „kleiner“ als wir.

Unterzucker auf dem Gipfel – oder doch nur ein Fehlalarm?

Erst die Blutzuckermessung in 4.810 m Höhe riss mich aus den glücklichen Momenten. Accu-Chek Mobile zeigte den Wert 31 mg/dl an, das Contour eine Fehlermeldung. Was war los? Ich wusste von meiner Diabetesberaterin, dass in großer Höhe, jedenfalls höher als die technische Freigabe, ein zu geringer Wert aufgrund des niedrigeren Luftdrucks angezeigt werden kann. Aber die Fehlermeldung des ContourXT? Ich hatte nach der Messung in 4.547 m Höhe dieses Messgerät nicht mehr am Körper, sondern in die Rucksackdeckeltasche gesteckt. Mir unterlief damit ein echter Anfängerfehler, denn das Contour war so für eine lange Zeit Minustemperaturen ausgesetzt und konnte daher nicht funktionieren.

Mit Insulinpumpe auf den Gipfel des Mont Blanc
Höher geht’s in Europa nimmer: Auf dem Gipfel des Mont Blanc

Dennoch beunruhigte mich der Messwert von Accu-Chek Mobile. Die Wiederholungsmessung zwanzig Minuten später zeigte einen Wert von 24 mg/dl an. Aber ich fühlte mich fit mit einem Rucksackgewicht von etwa 12 kg. Vor dem Abstieg in Richtung Aiguille du Midi – unser Ziel war die Überschreitung des Mont Blanc – nahm ich zur Sicherheit insgesamt rund 2 KE ohne Bolusabgabe zu mir. Rasch und ohne Schwierigkeiten stiegen wir ab. In Höhe von etwa 4.500 m testete ich erneut – der Blutzuckerwert von 219 mg/dl überraschte mich jetzt nicht, er beruhigte sogar. Ich korrigierte mit einer Bolusabgabe und wir setzten den Abstieg fort.

Alpinistisch kam am Mont Maudit die größte Herausforderung: eine bis zu 80 Grad steile, rund 70 m hohe Schnee- und Eisflanke. Für Gefühle ließ diese keinen Raum, wir stiegen rein „rational“ ab. Über den Mont Blanc du Tacul ging es im inzwischen weichen Schneematsch in den Col du Midi auf 3.500 m Höhe, bevor der Gegenanstieg zur Seilbahn auf der Aiguille du Midi die letzten Kräfte abforderte. Zufrieden und ein wenig glücklich bestaunten wir unter vielen Touristen auf der Aussichtsplattform der Aiguille du Midi (3.842 m) das heutige „Werk“ – wir waren auch etwas stolz!

Mein Fazit: Der Mont Blanc ist mit Insulinpumpe machbar, vorausgesetzt man kennt seinen Körper mit den individuellen Eigenheiten der Insulindosierung und hält ein höhengeeignetes Messgerät warm am Körper.