mellitus one – Kleidung für Insulinpumpenträger: Für Hanna Barat Herzenssache

„Die Erlebnisse mit meinen Kunden motivieren mich immer wieder“

Was tun, wenn der Sohn eine Insulinpumpe trägt, es dafür aber einfach keine passende, praktische Kleidung gibt? Einfach selber machen – das dachte sich die gelernte Modedesignerin Hanna Barat und hat kurzerhand praktische und schicke Bekleidung für Insulinpumpen entworfen. Bei mellitus one ist neben Qualität und Tragekomfort auch der Herstellungsprozess wichtiger Bestandteil der Marke: Produziert werden die schicken Stücke fair, nachhaltig und hauptsächlich in Deutschland.

Hanna Barat kreiert mit mellitus one innovative Insulinpumpenbekleidung
Hanna Barat kreiert mit mellitus one innovative Insulinpumpenbekleidung für Jung und Alt

Du bist gelernte Modedesignerin. Wie kamst Du darauf, Kleidung zu entwickeln, die sich speziell an Insulinpumpenträger richtet?

Mein Sohn hat im Alter von 4 Jahren Diabetes bekommen. Ich habe damals noch als Designerin bei einem großen Modeunternehmen gearbeitet und wollte eigentlich nach der Elternzeit meiner jüngeren Tochter gerne wieder in meinen alten Beruf zurück. Nach der Diagnose kam das für mich aber nicht mehr in Frage. Die Idee, mich mit Insulinpumpenkleidung selbständig zu machen, kam mir erst nach und nach. Ich habe mich so oft über die fehlenden Tragehilfen geärgert. Gleichzeitig wusste ich, dass ich diese Lücke durch meine jahrelange Erfahrung und die Kontakte schließen könnte. Das erste Band war nur für meinen Sohn gemacht, danach bekam ich aber immer mehr Anfragen von anderen Eltern, und so kam mir die Idee zu mellitus one.

Die Kleidungsstücke von mellitus one sind funktional, praktisch, und glänzen durch tolle Designs. Was ist für Dich die beste Inspiration?

Meine Kleidung soll modisch aussehen und die Insulinpumpe integrieren. An erster Stelle stehen für mich die Garne, Stoffe und Schnitte, die ich einsetze. Sie müssen perfekt passen, um das Gewicht der Pumpe gut tragen zu können. Danach platziere ich die Pumpe und designe das Kleidungsstück um sie herum, damit es sich perfekt mit der Pumpe verbindet. Dabei versuche ich, wie bei normaler Funktionswäsche, stützende Partien einzusetzen. Bei den Kinderbauchbändern (JUNIOR BELLY ONE) gehe ich mit dem Trend und entwickle immer neue Designs, die gerade gefragt sind, zum Beispiel mit Flamingos oder Ankern.

Wie findet Dein Sohn die Kleidung, die er von seiner Mama bekommt? Welche Rolle spielen sein Geschmack und seine Wünsche, wenn Du etwas Neues entwirfst?

Mein Sohn kennt quasi nichts anderes. Er hat am Anfang meine selbst genähten Bänder getragen und trägt jetzt seit 3 Jahren JUNIOR BELLY ONE. Ich versuche, Kleidungsstücke zu designen, die viele Kinder und Erwachsene tragen möchten. Deswegen frage ich ihn zwar manchmal um seine Meinung, bin aber für Wünsche generell immer offen, nicht nur für seine. 

Als Modedesignerin hat Hanna ein Gespür für Schnitte, die Tragekomfort und Stil vereinen. Dabei orientiert sie sich auch an aktuellen Trends.
Als Modedesignerin hat Hanna ein Gespür für Schnitte, die Tragekomfort und Stil vereinen. Dabei orientiert sie sich auch an aktuellen Trends.

Worauf legst Du am meisten Wert beim Deinen Produkten?

Qualität, Fairness und Nachhaltigkeit sind für mich am wichtigsten. Ich lasse zu über 80% in Deutschland produzieren und färben, das zahlt sich meiner Meinung nach aus. Wir stehen für Qualität, die man sieht und spürt. Zum Beispiel haben wir nun angefangen, spezielle Rundstrickmaschinen zu benutzen, um keine störenden Seitennähte zu haben, oder wir haben die lästigen Verschlüsse abgeschafft. Ich möchte, dass alle Kunden das “ich-fühle-mich-wohl“-Gefühl haben. Außerdem sind mir Ehrlichkeit und Vertrauen sehr wichtig, wozu auch der offene und faire Umgang mit Kunden und Partnern gehört. Ich arbeite mit meinen Lieferanten und Produzenten eng zusammen und setze dabei auf langjährige Partnerschaften sowie intensiven persönlichen Kontakt.

Ein Unternehmen zu gründen ist ein großer Schritt und mit einigem Aufwand verbunden. Mit welchen Herausforderungen hattest Du zu kämpfen, gerade hinsichtlich der speziellen Begebenheiten und Anforderungen im Diabetes-Umfeld?

Das stimmt, der Schritt war nicht einfach. Aber ich hatte mich gut vorbereitet: Meinen Start hatte ich auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft im November 2016 mit nur einem Band in zwei Farben. Die Resonanz war so gut, dass es in den letzten zwei Jahren einiges mehr geworden ist. Ich finde das Umfeld sehr angenehm und mir hat Arbeiten noch nie so viel Spaß gemacht. Meine Kunden sind durchweg sehr glücklich, dass sich jemand dem Thema auch mal in schön und praktisch widmet.

Konntest Du Dir früher schon vorstellen, dass Du Dich mal selbstständig machst oder hat sich das alles durch den Diabetes Deines Sohnes ergeben?

Mir hat Organisieren, Entwickeln und der Umgang mit Kunden schon immer viel Spaß gemacht. Allerdings war ich auch immer der Meinung, dass niemand mehr eine weitere Modemarke braucht. Wahrscheinlich hätte ich mich als freie Designerin auch so irgendwann in die Selbständigkeit gewagt, aber mit mellitus one habe ich meine persönliche Nische gefunden.

Was macht Dir am meisten Spaß an Deinem Job?

Jeden Tag etwas Neues! Um mein Unternehmen aufzubauen, muss ich eigentlich in jedem Bereich fit sein. Im Moment mache ich wirklich noch alles alleine: Fotoshootings, Prospekte, Homepage, Versand und Buchhaltung. Aber ich sehe jeden Tag, was ich gearbeitet habe und das ist schön. Vor zwei Jahren habe ich noch in einem Büro im Gründerzentrum Bamberg angefangen mit einem Tisch und zwei Regalen – mittlerweile sind es schon 10 Regale.  

Welches Feedback freut Dich von Deinen Kunden am meisten? Ist Dir eins besonders in Erinnerung geblieben?

Ich hatte einmal ein kleines Mädchen da, das schon mit einem Jahr Diabetes bekommen hatte, und sehr schüchtern war. Die Familie hatte bereits ein erstes Band gekauft und war so begeistert, dass sie noch ein weiteres holen wollten. Ich hatte ihr eines enger genäht, weil selbst die kleinste Größe noch zu groß war und dafür habe ich zum Abschied einen Kuss auf die Wange bekommen. Davor hat sie kein Wort mit mir gesprochen. Ihre Mama sagte mir dann, dass sie das erste Mal richtig glücklich ist, weil die Insulinpumpe mit dem Band weder beim Schlafen noch beim Spielen stört, und sie nur noch das anzieht. Kürzlich hatte ich eine Mama da, die haben das Band in Italien am Strand gesehen und fanden es so toll, dass sie die Familie gefragt haben, woher das ist. Zurück in Deutschland haben sie dann festgestellt, dass sie bei uns um die Ecke wohnen, und haben es direkt bei mir gekauft. Diese Erlebnisse motivieren mich immer wieder.