Matthias Steiner über sein Leben mit Insulinpumpe

„Nie wieder ohne!“

So lautet das Fazit von Matthias Steiner, der mit seinem Olympiasieg 2008 in Peking als Gewichtheber Geschichte für Deutschland schrieb. Nach seinem Rückzug aus dem Profisport stieg er im Jahr 2014 auf die Insulinpumpen-Therapie um. Seitdem versorgt eine kleine Pumpe seinen Körper rund um die Uhr mit Insulin. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen und gibt praktische Tipps.

Matthias Steiner über sein Leben mit Insulinpumpe
Für den Olympiasieger mit Typ-1-Diabetes Matthias Steiner kam eine Insulinpumpe lange Zeit nicht in Frage. Nun möchte er nicht mehr darauf verzichten.

Warum haben Sie sich für die Insulinpumpen-Therapie entschieden?

Nach meiner aktiven Laufbahn war ich gerade mitten beim Abnehmen und dachte mir, dass ich die nächsten 20 Kilo mit der Insulinpumpe wahrscheinlich leichter schaffe.

Zum anderen war es aber auch der Druck der Öffentlichkeit. Während meiner Leistungssportkarriere habe ich mich gegen eine Insulinpumpe gewehrt, weil ich keine Veränderung wollte. Ich wurde aber immer wieder auf das Thema angesprochen, und mir war es fast schon peinlich, dass ich keine Antworten auf die zahlreichen Fragen hatte. Letztlich war ich dann neugierig genug, um es auszuprobieren und meine eigenen Erfahrungen zu sammeln.

Schon nach meiner ersten Nacht mit der Accu-Chek Spirit Combo Insulinpumpe war mir dann klar: Nie wieder ohne! Egal ob nachts, im Alltag, beim Sport oder wenn es hektisch wird – die Pumpe hilft mir enorm.

Was raten Sie Menschen mit Diabetes, die über eine Insulinpumpe nachdenken?

Zuallererst sollte man die Insulinpumpe niemals aufdrängen. Ich erzähle anderen lieber, was sich in meinem Leben durch die Pumpe verbessert hat. Indem ich alle Dinge direkt anspreche und zeige, dass das Tragen der Pumpe weder kompliziert noch einschränkend ist, versuche ich auch mögliche Ängste zu nehmen.

Anfangs haben mich ja dieselben Zweifel begleitet. Außerdem gebe ich anderen immer gerne mit auf den Weg, dass es keine Entscheidung fürs Leben ist. Sollte man wirklich nicht damit zurechtkommen, muss man die Pumpe ja nicht weitertragen. Meistens reicht diese Rückbestätigung schon aus, um eine Entscheidung zu treffen.

Ansonsten rate ich grundsätzlich, sich einen Diabetologen zu suchen, der wirklich zu einem passt und einen versteht. Dieser kann einfühlsam auf alle aufkommenden Fragen eingehen und individuell beraten.

Und wenn man sich dafür entscheidet: Was sind Ihre Tipps für Menschen, die mit Insulinpumpe leben?

Was einem häufig im Alltag begegnet, ist die Frage nach der Befestigung. Ich mache meine Pumpe beispielsweise am stabilen Bund meiner Unterhose fest, nachts an meiner Schlafanzughose.

Und ganz wichtig: Sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, ob einen andere mit dem kleinen Apparat am Körper akzeptieren. Die richtigen Menschen tun es.

Was ist Ihre persönliche Botschaft an Menschen mit Diabetes?

Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung. Wenn ich meine Krankheit nicht akzeptiere und mit meinem Schicksal hadere, wird jeder weitere Schritt schwer. Egal ob Messen, Katheter-Setzen oder Spritzen, alles kostet dann große Überwindung. Dabei kann man es sowieso nicht ändern. Das einzige, was man also tun kann, ist zu akzeptieren, daraus zu lernen und bestmöglich weiterzumachen.

Ich zum Beispiel sehe die Erkrankung auch als Chance: Dank der Messwerte erkenne ich immer sofort, wenn etwas mit mir nicht stimmt und woran das liegen kann. So kann ich meinen Körper frühzeitig wieder ins Gleichgewicht bringen.