Kevin Röhl über das Roche Diabetes Care Design Co-Innovation Lab

Gemeinsam kreativ sein, gemeinsam etwas bewegen!

Mit anderen kreativen Köpfen innovative Projekte entwickeln, die den Alltag von Menschen mit Diabetes erleichtern: Das war das Ziel des Roche Diabetes Care Design Co-Innovation Lab. Wir haben mit dem Start-up-Gründer und Vordenker Kevin Röhl gesprochen, der selbst Typ-1-Diabetes hat und beim Pilotprojekt in der Kreativmetropole Berlin mit dabei war.

Interview mit Kevin Röhl: App-Entwickler mit Typ-1-Diabetes
Diabetes Apps und andere Innovationen: Kevin Röhl über das Roche Diabetes Care Design Co-Innovation Lab und seine Projekte

Was genau war der Grundgedanke hinter dem Design Co-Innovation Lab?

Das Lab hat für drei Monate ein Team aus unterschiedlichen Menschen zusammengebracht, die etwas bewegen möchten und entweder selbst von Diabetes betroffen sind oder einen starken Bezug zu der Krankheit haben. Gemeinsam wurden neue Konzepte und Ideen entwickelt, die den Alltag von Menschen mit Diabetes erleichtern – so entstand eine Innovations-Plattform von Patienten für Patienten.

Wie hat sich das Team zusammengesetzt?

Das Kernteam bestand aus sechs Personen, von denen alle an Diabetes erkrankt sind – bis auf eine Person. Genau das hat es so spannend gemacht: Angehörige und Freunde haben ja oft noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Dinge als die Betroffenen selbst. Toll war auch, dass jeder im Team unterschiedliche Fähigkeiten eingebracht hat. Ein Teammitglied war beispielsweise Design-Experte, ein anderer hatte viel Erfahrung mit der Gestaltung von Apps, ein Dritter konnte programmieren. So kamen verschiedene Talente und Sichtweisen zusammen.

Wie wurden diese Ideen dann konkret umgesetzt?

Jedes Projekt wurde in sogenannten „Design Sprints“ durchgeführt, die in der Regel nur wenige Tage dauerten. Am Anfang stand immer ein Brainstorming, also ein freies Sammeln von Ideen, bis alle Wände und Scheiben des Raums bunt mit Post-its gepflastert waren. Auf dem Weg zur Umsetzung haben die Teilnehmer dann unterschiedliche Positionen, wie die des Kritikers, des Realisten oder des Träumers eingenommen. Dies ermöglichte nicht nur kreative Lösungen für die bestehenden Bedürfnisse zu entwickeln, sondern auch potenzielle Schwierigkeiten zu erkennen. Und schließlich wurde ein Prototyp gebaut, der am besten auch Personen vorstellt wurde, die nicht in das Projekt eingebunden waren. Alle in unserem Team waren beispielsweise technisch sehr fit – daher war es umso wichtiger zu prüfen, ob die Technologie auch für Menschen geeignet ist, die nicht so technikaffin sind.

Was war dein Highlight-Projekt?

Die GPS Tracker-App fand ich besonders spannend. Die meisten Menschen mit Diabetes kennen das folgende Problem: Man sitzt beim Arzt, der den Verlauf der Blutzuckerwerte der vergangenen Monate kontrolliert und bestimmte Schwankungen des Blutzuckerspiegels besprechen möchte. Meistens ist es aber so, dass man sich gar nicht mehr genau daran erinnern kann, was man vor mehreren Wochen getan oder gegessen hat. Somit kann man leider auch nicht mehr nachvollziehen, was bestimmte Werte ausgelöst hat. Genau hier setzt der GPS Tracker an: Mit der App werden GPS-Daten automatisch in meinem Smartphone gespeichert und mit den Blutzuckerwerten kombiniert. Über Google Maps kann ich dann genau sehen, wann und wo meine Werte wie hoch waren.

Schwankungen des Blutzuckers lassen sich damit also viel besser nachvollziehen?

Genau. So fällt einem dann auch wieder leichter ein, dass man beispielsweise im Zoo war und sich einen großen Eisbecher gegönnt hat. Ein weiterer Vorteil: Die Blutzuckerwerte werden auf der Karte in unterschiedlichen Farben angezeigt – grün bedeutet, dass die Werte im Zielbereich sind, rot ist eine Unterzuckerung und blau eine Überzuckerung. Damit kann man selbst ganz konkret beobachten, in welchen Situationen die Werte aus dem Gleichgewicht geraten und selbst für sich ableiten, was man beim nächsten Mal besser machen kann. Die App befindet sich derzeit noch in der Entwicklung – man darf also gespannt sein.

Du hast auch ein eigenes Start-up zum Thema Diabetes gegründet. Worum geht es genau bei dem Projekt?

Angefangen hat alles damit, dass ich sehr oft vergessen habe, meine Werte für den Arzt zu dokumentieren. Also habe ich mich hingesetzt und mir ein System ausgedacht, das mich an die Messung meines Blutzuckers erinnert. lumind war geboren – eine App für das Smartphone. Die wichtigste Komponente dabei ist ein farbiges Lichtobjekt, das zu pulsieren beginnt, wenn es Zeit für meine nächste Blutzuckermessung ist. Grünes Licht zeigt mir an, dass sich der Blutzuckerwert im Zielbereich befindet, rotes Licht deutet auf eine Unterzuckerung hin und blaues Licht signalisiert, dass die Werte zu hoch sind. Die Messwerte werden einfach in die App eingetragen und über das Internet an die Lichtquelle gesendet – egal ob sie bei mir, meiner Mutter oder meiner Freundin steht. Familie und Freunde bekommen also automatisch mit, wie meine Werte gerade aussehen und machen sich dadurch viel weniger Sorgen. Irgendwie eine doppelte Sicherheit – oder wie ich ganz gerne sage: Eine Art Schutzengel.