Durststrecke?

Jugendliche mit Diabetes in die Erwachsenenmedizin begleiten

31.03.2017 / #meinbuntesleben Redaktion
Jugendliche mit Diabetes in die Erwachsenenmedizin
Ein Bein hüben, ein Bein drüben: der Wechsel von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin

In Deutschland ist eine sehr gute diabetologische Versorgung gewährleistet. Trotzdem verlieren viele Jugendliche den Anschluss dazu, wenn der Wechsel von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin ansteht. Hier erfahren Sie, wie es dazu kommt und wie Sie dagegen vorbeugen können.

In der Zeit zwischen 17 und 25 Jahren stehen große Veränderungen an: Die Schulzeit geht zu Ende, eine Ausbildung oder die Zeit an der Uni beginnt. Man löst sich von den Eltern, verliebt sich vielleicht zum ersten Mal, zieht zu Hause aus – und steht langsam aber sicher auf eigenen Beinen. Für Jugendliche mit Typ-1-Diabetes tut sich auch bei der Diabetestherapie so einiges: Waren früher noch die Eltern bei jedem Schritt dabei, muss der Diabetes jetzt nach und nach alleine gemanaged werden. Das Suchen neuer Ärzte nach einem Umzug, rechtzeitig Termine beim Diabetologen auszumachen und Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, aber auch einfach nur regelmäßig den Blutzucker zu messen – all das kann zur Herausforderung werden, wenn dabei noch so viele andere Dinge im Umbruch sind.

Der Kontakt zur Diabetologie wird oft verloren

Dass bei der Diabetesbetreuung der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin oft nicht gut funktioniert, zeigen die Zahlen: Laut einer Studie verlieren 40 Prozent der Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes während der Übergangsphase den Kontakt zur diabetologischen Betreuung. Das Resultat sind steigende HbA1c-Werte und ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen.

So kann man Jugendlichen den Übergang erleichtern

Natürlich sollte die Verantwortung für die Diabetestherapie von Seiten der Eltern nicht ewig weitergetragen werden. Trotzdem kann man an der einen oder anderen Stelle versuchen zu unterstützen, um die Übergangsphase etwas leichter zu machen.

  • Wenn Ihr Kind aus der pädiatrischen in die Erwachsenen-Diabetologie wechselt und dafür ein Praxiswechsel nötig wird, können Sie gemeinsam nach einem neuen Diabetologen suchen.
  • Wenn Ihr Kind umzieht, zum Beispiel für den Beginn eines Studiums, sollten alle Diabetes-Unterlagen mit umziehen. Nur so kann die Verantwortung von jetzt an komplett selbst übernommen werden. Falls Sie in diesem Punkt unsicher sind, dann behalten Sie vorsichtshalber Kopien.
  • Machen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Zeitplan für die regelmäßigen Arztbesuche bei Diabetes. Wohnt Ihr Kind woanders, entscheiden Sie am besten je nach Ihrem persönlichen Verhältnis ob und wie Sie versuchen, Ihr Kind zu erinnern: Besser gar nicht, ganz direkt oder „unauffällig“, z.B. indem Sie sich interessiert nach den Ergebnissen der Untersuchungen erkundigen.
  • Vielleicht können Sie versuchen, gemeinsam Therapieziele zu definieren? Auch hier gilt, dass Sie individuell abwägen sollten, ob Ihr Kind das als Unterstützung oder als Bevormundung ansehen könnte.
  • Sie können Ihrem Kind eines von mehreren Programmen empfehlen, die Jugendlichen beim Übergang in die Erwachsenenmedizin helfen. Zum Beispiel das Transitionsprogramm der DRK Kliniken in Berlin, Angebote verschiedener Praxen für Diabetologie oder auch die Website www.between-kompas.de, die sich allgemein an chronisch kranke Jugendliche richtet.