Ist MODY-Diabetes häufiger als gedacht?

Ein Erlebnis der dritten Art

Die herkömmliche Aufteilung in Typ-1- und Typ-2-Diabetes kommt ins Wackeln, denn MODY kommt wohl deutlich häufiger vor, als bisher angenommen. Aber was ist eigentlich MODY und wen betrifft es?

MODY – die dritte große Gruppe von Diabetes-Typen?
Die dritte große Gruppe? MODY-Diabetes kommt wohl häufiger vor, als bisher gedacht.

Wie viele Diabetes-Formen gibt es? Die meisten würden wohl antworten: Typ 1 und Typ 2 – klare Sache. Gut, Schwangerschaftsdiabetes ist relativ bekannt und auch die Bezeichnung „Typ-3-Diabetes“, ein nicht-wissenschaftlicher Begriff für eine Vielzahl weiterer Diabetesformen, ist einem vielleicht mal untergekommen. Aber im Großen und Ganzen wird mit dem Oberbegriff „Diabetes“ Typ 1 und Typ 2 bezeichnet.

Auch die Verteilung schien eigentlich klar: Mehr als 90 % der Menschen mit Diabetes entfallen auf Typ 2, etwa 5 % machen die Typ-1er aus. Eine neue Schätzung legt jetzt aber nahe, dass es noch eine weitere große Gruppe gibt: 2 bis 5 % der Menschen mit Diabetes haben demzufolge MODY. Das sind etwa 300.000 Menschen in Deutschland – und damit in etwa so viele, wie mit Typ-1-Diabetes.

MODY: was bedeutet das überhaupt?

MODY ist das Kürzel für „maturity-onset diabetes of the young“ – was ein bisschen nach Shakespeare klingt, heißt übersetzt etwa „im jungen Erwachsenenalter einsetzender Diabetes“. Und der Name ist Programm: MODY ist das Resultat einer Genmutation und setzt in der Regel im Teenager- oder jungen Erwachsenenalter ein. Je nach Art der Mutation spricht man von einem ganzen Fußballteam verschiedener MODY-Formen, nämlich 11 Stück. Die gehen wiederum mit verschiedenen Symptomen einher.

Gemein ist allen, dass die Insulinproduktion gestört ist und deshalb zu einem bestimmten Ausmaß eine ständige Überzuckerung vorliegt. Während bei einigen Menschen mit MODY eine Insulintherapie unumgänglich ist, weil der Insulinmangel zu groß ist, können andere Modyaner ihre Werte mit viel Bewegung und gesunder Ernährung auch langfristig im Zaum halten.

Typ 1 oder Typ 2? MODY!

Aber ist MODY nun Typ 1 oder Typ 2? Die Antwort ist ein klares „weder noch“. Denn einerseits tritt er bereits in jungem Alter, ungeachtet der körperlichen Verfassung aufgrund einer genetischen Mutation auf – wie Typ 1. Andererseits äußert sich MODY eher wie Typ-2-Diabetes, den man häufig mit Bewegung, Ernährung oder oralen Antidiabetika in Schach halten kann. Nicht selten wird MODY deshalb auch erstmal als Typ-1- oder Typ-2-Diabetes fehldiagnostiziert.

Auf die leichte Schulter sollte man den MODY-Diabetes nicht nehmen. Folgeerkrankungen sind auch hier möglich. Bei einer Schwangerschaft mit MODY gilt es zudem, ähnliche Vorsicht walten zu lassen wie bei einer Schwangerschaft mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Eltern sollten wissen: MODY ist erblich. Wenn ein Elternteil die Genmutation hat, besteht zu 50% die Möglichkeit, dass die Kinder ebenfalls MODY bekommen (ein autosomal-dominanter Erbgang).

Wer sich dafür interessiert, wie der Alltag mit MODY so aussieht, kann auch mal in Angelis Blog Fit mit MODY stöbern.