Insulinpflichtig oder nicht-insulinpflichtig: Erstattung von Teststreifen

Wer zahlt die Zeche?

"Es tut mir leid, Ihre Krankenkasse übernimmt das ab jetzt nicht mehr." Haben Sie diesen Satz schon mal von Ihrem Arzt gehört? Hier erfahren Sie, wie die Entscheidung über eine Erstattung Ihrer Teststreifen und Blutzuckermessgeräte zustande kommt und wo Sie in dieser Situation besser nochmal nachhaken sollten.

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Arzt, Krankenkasse, kassenärztliche Vereinigung: Wer entscheidet über die Erstattung von Teststreifen und Blutzuckermessgeräten?

Teststreifen für nicht-insulinpflichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes

Seit 2011 müssen nicht-insulinpflichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes Messgerät und Teststreifen selbst bezahlen. Der Gedanke ist: Wer Tabletten nimmt, passt seine Therapie nicht täglich an die gemessenen Werte an, sondern der Blutzuckerspiegel wird nur alle paar Wochen vom Arzt gemessen, der dann entscheidet, ob die oralen Antidiabetika neu dosiert werden müssen. Doch Studien haben gezeigt, dass eine eigenständige Kontrolle des Blutzuckerspiegels die Motivation für eine verantwortungsvolle Diabetes-Therapie bedeutend erhöht! Für den  Erstattungs-Stop gelten jedoch einige Ausnahmen, bei denen der Arzt einmalig bis zu 50 Teststreifen verschreiben kann.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Anzeichen einer akuten Erkrankung wie Fieber- oder Kältesymptome
  • Hinweise auf vermehrt auftretende Unter- oder Überzuckerungen
  • Ein Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) deutlich außerhalb des Behandlungs-Ziels
  • Ein Tablettenwechsel zu einem neuen Diabetes-Medikament
  • Eine anstehende Flugreise in eine andere Zeitzone oder ein anderes Ereignis, dass den Stoffwechsel destabilisieren kann
  • Die erstmalige ärztliche Diagnose Typ-2-Diabetes

Teststreifen für insulinpflichtige Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes

Sobald man eine Insulin-Therapie durchführt, bekommt man vom behandelnden Arzt oder Diabetologen eine bestimmte Menge Teststreifen verschrieben und die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Nun stellt sich die Frage, wie viele und welche Streifen Sie von Ihrer Krankenkasse erstattet bekommen. Was Sie vielleicht nicht wussten: Im Rahmen der Therapie- und Verordnungsfreiheit entscheidet allein der Arzt, wie viele Teststreifen er dem Patienten verordnet. Nach geltendem Recht darf eine Krankenkasse dem Arzt auch nicht vorschreiben, nur noch bestimmte Blutzuckerteststreifen oder Blutzuckermessgeräte zu verordnen. Bei der Verordnung muss der Arzt die medizinische Notwendigkeit und auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen, das heißt er muss sicherstellen, dass die Versorgung ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Als Richtlinie nutzt er dazu die Empfehlungen der kassenärztlichen Vereinigungen (KV), die von Bundesland zu Bundesland variieren – meist zwischen 400 und 600 Streifen pro Quartal. Bei aller Entscheidungsfreiheit muss der Arzt für die Versorgung seiner Patienten jedoch mit einem begrenzten Budget auskommen – wird dieses überschritten, kann die KV mit Prüfung drohen und er muss das Defizit unter Umständen aus eigener Tasche bezahlen. Sagt Ihr Arzt Ihnen also, die Krankenkasse übernehme Ihre Teststreifen oder Ihr Messgerät nicht mehr, sollten Sie ganz genau nachhaken.