Automatisierte Insulindosierung

Alles im Loop? Das Hybrid-Closed-Loop-System

01.04.2021 / #meinbuntesleben Redaktion
Achterbahn
Mit Hybrid-Closed-Loop-Systemen fährt der Blutzuckerspiegel hoffentlich nicht mehr so schnell Achterbahn!

Der Blutzuckerspiegel ist manchmal wie eine Achterbahnfahrt: Mal geht er steil bergab und man muss Energie aufnehmen, um wieder auf Normalniveau zu kommen, mal nimmt er Fahrt auf und ist so hoch, dass Menschen mit Diabetes mit der “Bremsflüssigkeit” Insulin korrigieren müssen. Wie schön wäre es, die Insulinabgabe der Pumpe automatisiert absenken oder erhöhen zu können? Genau das ist mit der automatisierten Insulindosierung (AID) möglich! Unter den Begriff AID fallen unter anderem auch Hybrid-Closed-Loop-Systeme. Was das genau ist und weshalb Hybrid-Closed-Loop-Systeme das tägliche Diabetesmanagement erheblich erleichtern können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Diabeteswissen kompakt

1. Wie funktioniert ein Hybrid-Closed-Loop-System?

Unter einem Hybrid-Closed-Loop-System, wie zum Beispiel Accu-Chek Insight mit DBLG1, versteht man eine Verbindung von einer Insulinpumpe mit einem kompatiblen Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und einem Algorithmus. Dieser analysiert regelmäßig die Glukosewerte, berechnet auf Basis dessen die Insulindosierung- und abgabe und passt den Bedarf automatisiert an. Um die Insulinabgabe richtig zu berechnen, müssen Mahlzeiten dem System ankündigt werden.

Schauen wir uns die Komponenten eines Hybrid-Closed-Loop-Systems im Detail an und wie sie miteinander arbeiten:

  • Eine Insulinpumpe, zum Beispiel Accu-Chek Insight, die für den Gebrauch innerhalb eines Hybrid-Closed-Loop-Systems kompatibel ist.
     
  • Ein Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM), der Ihren Glukosespiegel in Echtzeit misst.
     
  • Ein Algorithmus, der anhand der CGM Glukosewerte feststellt, ob Sie mehr oder weniger Insulin benötigen, um den Zielwert zu erreichen und der die entsprechenden Befehle an die Pumpe sendet. Dabei müssen dem Algorithmus zusätzlich Informationen zu den Mahlzeiten für die Berechnung des Mahlzeitenbolus gegeben werden. Accu-Chek Insight mit DBLG1 unterstützt hier den Nutzer auf unterschiedliche Weise: Die Kohlenhydratmenge für den Mahlzeitenbolus kann einfach durch die voreingestellte Mahlzeitengröße (z.B. Mittagessen klein, mittel, groß) ausgewählt werden. Ein Mahlzeitenbolus wird dem Nutzer vorgeschlagen und berücksichtigt bereits den aktuellen Glukosewert sowie das aktive Insulin. Der selbstlernende Algorithmus von Diabeloop lernt u.a. aus dem Glukoseverlauf nach der Mahlzeit und passt sich dem Nutzer immer weiter an, um den Zielwert zukünftig noch besser zu erreichen.


2. Welche Vorteile bietet ein Hybrid-Closed-Loop-System?

Der wesentliche Unterschied zwischen einer Hybrid-Closed-Loop-Steuerung und der Therapie mit einer Pumpe und einem separatem CGM besteht darin, dass der Algorithmus durch automatisierte Überwachung von CGM und Insulinpumpe viele Entscheidungen übernehmen kann, die die Person mit Diabetes sonst ohne den Algorithmus treffen würde. Studien zeigen, dass die Nutzung von Hybrid-Closed-Loop-Systemen die Zeit im Zielbereich erhöhen und das Hypoglykämierisiko sowie den HbA1c-Wert senken können. Menschen mit Diabetes werden damit im Alltag spürbar entlastet und verbringen nachts weniger Zeit im Hypoglykämiebereich im Vergleich zur sensorunterstützten Pumpentherapie. [1] [2]
 

3. Bedeutet der Hybrid-Closed-Loop-Modus, dass ich mir keine Gedanken über den Mahlzeitenbolus machen muss?

Im Moment noch nicht - die Wissenschaft arbeitet noch an einer vollständigen Closed-Loop-Regelung. Heutige Systeme werden deshalb als “Hybrid-Closed-Loop-Systeme” bezeichnet, da der Nutzer dem System noch Mahlzeiten ankündigen muss, damit der Algorithmus diese Situationen einberechnen, und Anpassungen vornehmen kann. Auf Basis der eingegebenen Werte schlägt das System dann einen Mahlzeitenbolus vor, den der Anwender nochmal aktiv bestätigen muss, bevor die Insulinabgabe erfolgt.


4. Was ist, wenn ich Sport treiben möchte und einen höheren Blutzuckerspiegel benötige?

Das Vorgehen ist, je nach Hersteller, unterschiedlich. Anwender können vor dem Sport in der Regel den Zielwert etwas höher setzen, um Hypoglykämien zu vermeiden.

Bei Accu-Chek Insight mit DBLG1 kann der Benutzer sogar explizit ankündigen, dass er z.B. Sport treiben möchte. Wenn körperliche Aktivität rechtzeitig angekündigt wird, stellt sich der Algorithmus darauf ein, eine Zeit lang weniger Insulin abzugeben, um eine trainingsbedingte Hypoglykämie zu vermeiden und den Glukosewert durch ggf. Kohlenhydratempfehlungen im Zielbereich zu halten. Accu-Chek Insight mit DBLG1 berechnet außerdem den Muskelauffülleffekt nach der körperlichen Aktivität mit ein.


5. Ist das Hybrid-Closed-Loop-System auch etwas für mich?

Sprechen Sie mit Ihrem Diabetologen und medizinischem Fachpersonal, um herauszufinden, welche Systeme Ihnen zur Verfügung stehen und welches am ehesten zu Ihren Bedürfnissen und Zielen im Diabetesmanagement passt. Das von Diabeloop entwickelte DBLG1 System (Hybrid-Closed-Loop-System) zum Beispiel verbindet die Accu-Chek Insight Insulinpumpe mit dem Dexcom G6 Real-Time-CGM-System und einem selbstlernenden Algorithmus auf einem Handset. Weitere Informationen zu dem System finden Sie unter http://www.insight-dblg1.de/.
 

Quellen:
[1] Weisman, A., Bai, J. W., Cardinez, M., Kramer, C. K., & Perkins, B. A. (2017). Effect of artificial pancreas systems on glycaemic control in patients with type 1 diabetes: a systematic review and meta-analysis of outpatient randomised controlled trials. The lancet. Diabetes & endocrinology, 5(7), 501–512, siehe https://doi.org/10.1016/S2213-8587(17)30167-5 [Zuletzt aufgerufen am 01.04.2021]

[2] Boughton, C. K., & Hovorka, R. (2020). Automated Insulin Delivery in Adults. Endocrinology and metabolism clinics of North America, 49(1), 167–178, siehe https://doi.org/10.1016/j.ecl.2019.10.007 [Zuletzt aufgerufen am 01.04.2021]