Hackathon beim Camp D

Ideen für neue Diabetesprodukte im Minutentakt

Ein Spritzstellendetektor, sprachgesteuerte Insulinpumpen, ein Sportpflaster mit Blutzuckeranzeige oder eine Daten-Cloud mit Schnittstellen für wirklich alle Diabetesdaten – junge Menschen mit Diabetes haben viele Ideen für neue Diabetesprodukte, die den Alltag mit Diabetes erleichtern. Beim Camp D erarbeiteten sie in Teams kreative und witzige Konzepte für nützliche Diabeteshelfer.

Camp D: Diabetes-Startup-Gründer Kevin Röhl beim Hackathon
Diabetes-Startup-Gründer Kevin Röhl stand den Teilnehmern des Hackathon mit seiner Erfahrung zur Seite.

Ein Veranstaltungszelt, darin Tische mit Bierbänken, viele bunte Filzstifte, Knete, Papier und Klebezettel – mehr braucht es nicht, um bei einem Hackathon neue und ungewöhnliche Produktideen für Menschen mit Diabetes zu entwickeln. Beim Camp D am 6. Juli 2018 in Bad Segeberg war der Erfindergeist von jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes gefragt: Was nervt ganz besonders am Diabetes? Welche digitalen Lösungen sollte es geben, um das Leben mit Diabetes weniger kompliziert zu machen?

Kevin Röhl, Start-Up-Unternehmer aus Berlin (Firma Lumind), weiß, worauf es bei einem Hackathon ankommt: „Man muss die Dinge anders betrachten und anders anpacken als bisher – out of the box denken, nennen wir das“, erklärte er den Teilnehmern des Hackathons. Und schon gingen die jungen Erfinder ans Werk. Sie hatten nur ein paar Minuten Zeit, um in Gruppen die wichtigsten ungelösten Diabetesprobleme zu sammeln und aufzuschreiben. Spontan entstanden Ideen für neue digitale Produkte – und es blieben wieder nur ein paar Minuten, um die Lösungsansätze in einigen Worten zusammenzufassen, mit wenigen Strichen aufzuzeichnen oder grob aus Knete zu formen.

Was ist ein Hackathon?

Das Wort Hackathon ist eine Wortschöpfung aus „hack“ und „marathon“. Es stammt aus der IT-Branche und bezeichnet eine Veranstaltung, bei der die Teilnehmer in gemischten Teams gemeinsam nützliche, kreative oder unterhaltsame Softwareprodukte entwickeln. Am Ende des Hackathons steht der Pitch: Dann präsentieren die Teams ihre Ergebnisse einer Jury. Die besten Ideen werden prämiert weiterverfolgt und gehen am Ende ggf. tatsächlich als echte Produkte in Serie.

„Mich nervt, dass ich meiner Insulinpumpe nicht wie Siri Sprachbefehle erteilen kann“, war an einem Gruppentisch zu hören. „Mir fehlt eine gemeinsame Datenplattform, auf der alle Daten zusammengeführt werden – von meiner Pumpe, meinem CGM-System, meinem iPhone-Kalender und meinem Fitnesstracker“, an einem anderen, oder: „Ich finde mittlerweile kaum noch geeignete Katheterstellen an meinem Bauch – wie wäre es mit einem kleinen Gerät, das mir die Stellen zeigt, an denen das Insulin gut wirkt?“ In einer weiteren Gruppe steckten junge Menschen konzentriert die Köpfe zusammen, um eine Lösung für das Problem plötzlicher Hypos beim Sport zu skizzieren.

Beim abschließenden Pitch präsentierten die Gruppen ihre besten Ideen: Da war zum einen der „Schutzengel“ – eine App, die Glukosedaten des CGM-Systems automatisch auf das Display des Autoradios überträgt und auf diese Weise sofort warnt, wenn der Glukosewert den Zielbereich verlässt. Hoch im Kurs stand bei den Teilnehmern auch die „Intelli-Pump“ – eine intelligente Pumpe, die neben Insulin auch Glukose abgeben kann, Zugriff auf den Terminkalender hat und deshalb weiß, dass immer donnerstags Fußballtraining ist und die Basalrate abgesenkt werden muss.

Die meisten Stimmen erhielt am Ende aber das Produkt „Diaplast“ – ein intelligentes Messpflaster für Sportarten wie Klettern, Reiten oder Kanufahren, bei denen man nur schwer ein Blutzuckermessgerät mitnehmen kann. Das Einwegpflaster erkennt mittels Sensoren anhand der Zusammensetzung des Schweißes, wie hoch der Blutzucker gerade ist und zeigt per Farbe an, ob alles okay ist oder ob in Kürze eine Hypo droht. „Super Idee“, urteilte auch Kevin Röhl. Alle präsentierten Konzepte werden nun in der Entwicklungsabteilung von Roche diskutiert. Bei den Teilnehmern kam das gut an. So meinte die 24-jährige Denise: „Es war total motivierend, eigene Ideen für Diabetesprodukte zu entwickeln.“