Ernährungsempfehlungen, die man (nicht nur bei Diabetes) getrost vergessen kann

Überholt?

Wer nach Ratschlägen in Sachen Ernährung sucht, steht schnell vor einem Wirrwarr aus Trends und Empfehlungen. Da wendet man sich am besten an die Profis: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Doch auch die Empfehlungen der DGE werden nun von einigen Ernährungswissenschaftlern kritisiert.

Überholte Ernährungsempfehlungen
Ernährungspyramide? 10 Regeln der DGE? Diabetes-Diäten? Was soll man denn nun essen?

Die Zeit der speziellen "Diabetes-Diäten" ist längst vorbei – zum Glück weiß man inzwischen, dass sich Menschen mit Diabetes ungefähr an dieselben Regeln halten können wie "gesunde" Menschen auch. Doch die Frage ist: Wieviele Menschen der Allgemeinbevölkerung sind schon "völlig gesund"? Gemessen an Werten wie den Body-Mass-Index, Cholesterinspiegel und Blutdruck wären das nach Schätzungen von Ernährungswissenschaftlern nur jeder zehnte Mann und jede fünfte Frau in Deutschland. Die 10 Regeln für eine gesunde und ausgewogene Ernährung der DGE richten sich jedoch vor allem an normalgewichtige, gesunde Menschen. Sie empfehlen den ausgedehnten Verzehr von Kohlenhydraten und raten zum Verzicht von Fett und Eiweiß. Das bedeutet: sehr viel Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis und Kartoffeln. Studien haben jedoch gezeigt, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung die Entwicklung und das Fortschreiten von Typ-2-Diabetes fördert, den Blutdruck erhöht und das Abnehmen erschwert. Wie steht es um die Empfehlung, nicht zuviel Eiweiß zu konsumieren? Die Obergrenze für den Eiweißanteil in der Nahrung legt die DGE auf 10 bis 15 Prozent fest. Auch das wird inzwischen von Medizinern als riskant eingeschätzt, da vor allem ältere Menschen einen höheren Eiweißbedarf haben.

Die DGE empfiehlt außerdem eine fettarme Ernährung, zum Beispiel mithilfe von fettreduzierten Produkten. Eine großangelegte spanische Studie stellt jedoch auch diese Empfehlung in Frage. Im Rahmen der Studie ernährte sich eine Teilnehmergruppe fettarm und kohlenhydratreich, während die andere eine fettreichere Kost mit viel Olivenöl und Nüssen zu sich nahm. Das Ergebnis war so eindeutig, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde: In der Gruppe, die sich fettreich ernährte, traten 30 Prozent weniger Herzinfarkte auf als in der Gruppe mit der kohlenhydratreichen und fettarmen Ernährung. Andere Studien zu diesem Thema zeigten ähnliche Ergebnisse – als Reaktion wurden von der amerikanischen Regierung die bisher geltenden Ernährungsleitlinien angepasst und die Fettzufuhr entsprechend weniger eingeschränkt.  Doch Achtung: Fett ist nicht gleich Fett! Die tägliche Fettzufuhr sollte überwiegend aus ungesättigten Fettsäuren bestehen, die zum Beispiel in planzlichem Öl, Fisch und Nüssen enthalten sind. Gehärtetes Fett und gesättigte Fettsäuren in Fastfood-Gerichten und fettigen Süßigkeiten gehören weiterhin zur Kategorie "eher spärlich genießen".

Aktuelle Ernährungsempfehlungen

Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse wird eine Ernährung aus Lebensmitteln mit geringer Energiedichte empfohlen. Das bedeutet: Weniger Kohlenhydrate, dafür viel Gemüse, Obst, Salat, reichlich Proteine aus Fisch, Fleisch oder Milchprodukten und gesunde Fette aus Olivenöl, Nüssen oder Fisch. Diese Empfehlungen gelten auch – und gerade – für Menschen mit Diabetes. Wir wünschen guten Apettit!