Ernährung bei Diabetes: Zuckeraustauschstoffe im Überblick

Alles kein Zuckerschlecken

Zuckeraustauschstoffe haben weniger Kalorien als normaler Zucker und schonen den Blutzuckerspiegel – sie stehen jedoch auch im Verdacht, dick zu machen und Verdauungsprobleme zu verursachen. Wir haben die Stoffe für Sie genau unter die Lupe genommen!

Ernährung bei Diabetes: Zuckeraustauschstoffe
Zuckeraustauschstoffe haben weniger Kalorien als Hauthaltszucker – dafür aber oft auch weniger Süßkraft

Die Zeiten der speziellen Diabetikerdiäten sind lange vorbei und die Forschung ist sich heute einig: Für Menschen mit Diabetes muss Zucker kein Tabu sein. Solange in Maßen genossen – eine Empfehlung, die auch natürlich auch für Menschen ohne Diabetes gilt – sind Süßigkeiten, Desserts und Co durchaus erlaubt. Trotzdem hat Zucker eben sehr viele Kalorien und kann sich schnell negativ auf das Körpergewicht und die allgemeine Gesundheit auswirken. Auf vielen Lebensmittel-Etiketten liest man deshalb Angaben über unterschiedliche Zuckeraustauschstoffe und Süßungsmittel, die den herkömmlichen Haushaltszucker ersetzen sollen.

Zuckeraustauschstoffe, Süßungsmittel – wo liegt der Unterschied?

Im Dschungel der Zucker-Alternativen den Überblick zu behalten, ist nicht leicht: Zuckeraustauschstoffe werden zum Beispiel oft mit Süßungsmitteln verwechselt. Süßungsmittel besitzen keinerlei Kalorien und verfügen über eine deutlich höhere Süßkraft als Haushaltszucker. Allerdings haben sie auch einige Nachteile: Wegen ihrer extrem hohen Süßkraft (manchmal bis zu dreihundertmal höher als die von Zucker) können sie nur in geringen Mengen verwendet werden und bieten deshalb zu wenig "Masse" für die Herstellung der meisten Lebensmittel. Einige Süßstoffe stehen auch immer wieder im Verdacht krebserregend zu sein – Studien konnten hier bisher noch keine eindeutigen Ergebnisse liefern.

Die Süßkraft von Zuckeraustauschstoffen ist dagegen meist niedriger als die von Zucker und sie sind auch nicht kalorienfrei.

Das Who-is-who der Zuckeraustauschstoffe

Ihr Kaloriengehalt liegt zwar im Vergleich zu den vollkommen kalorienfreien Süßungsmitteln nicht bei null, dafür aber trotzdem meist unter dem von klassischem Zucker. Da Zuckeraustauschstoffe langsamer verstoffwechselt werden, fällt auch ihre Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel deutlich geringer aus. Trotz europäischer Freigabe als Lebensmittel ohne Mengenbeschränkung halten sich jedoch hartnäckige Gerüchte: Zuckeraustauschstoffe würden Fettleibigkeit fördern anstatt beim Abnehmen zu helfen und Verdauungsprobleme verursachen. Was ist dran?

Fruchtzucker (Fructose) / Maissirup

Die Süßkraft von Fructose ist etwas höher als bei Industriezucker, die Kalorienzahl unterscheidet sich jedoch nicht. Aus Maissirup gewonnen, wird er zum Süßen von Limonaden, Fruchtsäften, Müslis, Desserts und Milchprodukten eingesetzt. Auch wenn "Fruchtzucker" ganz natürlich klingt und er den Blutzuckerspiegel etwas langsamer steigen lässt als Haushaltszucker, sollte dieser Zuckeraustauschstoff mit größter Vorsicht genossen werden: Ein hoher Verzehr von Fructose fördert die Entwicklung von Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen (Triglyzeride und LDL-Cholesterin) und die Entstehung einer Fettleber. Zu viele Naschereien, die mit Fructose aus Maissirup gesüßt wurden, sind also ungesund – zwei bis drei Portionen Obst pro Tag jedoch weiterhin empfehlenswert!

Sorbit (E 420)

Sorbit ist in Europa, mit Ausnahme von Getränken, für alle Lebensmittel ohne Mengenbeschränkung zugelassen. Es wird industriell aus Mais- und Weizenstärke hergestellt und enthält nur etwa die Hälfte der Kalorien von Haushaltszucker. Da es jedoch auch 40-60% weniger Süßkraft als Zucker besitzt, muss zur Süßung von Lebensmitteln eine deutlich höhere Menge Sorbit verwendet werden – was den Kaloriengehalt dann meist mehr als ausgleicht. Sorbit verursacht kein Karies, weshalb es gerne in Zahnpasten und Mundspülungen verwendet wird. In hohen Mengen (mehr als 50g pro Tag) kann es zu Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen führen. 

Isomalt (E 953)

Isomalt wird in einem zweistufigen Prozess aus normalem Haushaltszucker gewonnen. Es hat etwa halb so viele Kalorien wie Zucker, verfügt aber auch nur über die Hälfte der Süßkraft. Genau wie Sorbit verursacht es keine Zahnschäden und hat nur geringen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel – kann jedoch bei übermäßigem Verzehr zu Verdauungsproblemen führen. Wegen seinem natürlichen Geschmack wird es häufig in Müslis, Desserts und Milchprodukten eingesetzt.

Maltit (E 965)

Maltit besitzt bei etwa halb so vielen Kalorien immer noch 90% der Süßkraft von normalem Zucker. Es wirkt sich kaum auf den Blutzuckerspiegel und die Zahngesundheit aus und wird zur Süßung von zuckerreduzierten Desserts und Süßwaren verwendet. Auch hier können bei hohen Mengen Verdauungsprobleme auftreten.

Erythrit (E 968)

Erythrit besitzt nahezu keine Kalorien und ungefähr 60-80% der Süßkraft von Haushaltszucker, ohne sich wesentlich auf den Blutzuckerspiegel auszuwirken. Auch die Zähne werden von dem Stoff nicht angegriffen. Im Gegensatz zu anderen Zuckeraustauschstoffen führt diese Alternative nur äußerst selten zu Verdauungsproblemen und wird deshalb in verschiedensten Produkten wie Fertiggerichten, Süßigkeiten, Käse und Fisch eingesetzt.