Bine Maya hat seit ihrer Kindheit Zöliakie und Diabetes. Sie hat viel erlebt – und alles geschafft. Hier erzählt sie, wie sie sich mit Panikattacken auseinandersetzt.

Diabetes und Panikattacken

Diabetes und Panikattacken

Ich (34J.) habe seit Nov´14 Panikattacken, welche sich in eine generalisierte Angststörung verwandelt haben. Ein Problem, dass ich noch immer heimlich ablehne, weil Angst nicht zu mir passt. Ich bin eine mutige und selbstbewusste Frau, welche selbstständig eine Logopädie und eine Heilpraxis führt. Angst, ich?

Ich habe seit meiner Geburt Zöliakie (Glutenintoleranz) und seit meinem 9. Lebensjahr Diabetes. Entdeckt wurde dieser erst, als ich ins Koma fiel, welches mich die ersten 9 Lebensjahre vergessen lies. Ebenso wie das Lesen, Schreiben, Rechnen usw. Ich wiederholte aber keine Klasse ( erst später die 7. wegen des Wechsels auf´s Gymnasium). Ich übte, übte und übte.

Der Umgang mit Diabetes und Diabetikern war vor 20 Jahren ein deutlich anderer, als er es heute ist. Schwankende Werte wurden nicht unbedingt eingestellt, sondern es wurde zunächst akribisch danach gesucht, welchen Fehler der Patient gemacht hat. Schwankende Werte gab es offiziell nicht- es muss am Patienten liegen. Es wurde viel mit Schuld und Angst gearbeitet, was immer noch ein großen Bestanteil meines Denken einnimmt und was ich noch heute leider in Kliniken erlebe.

Diabetes und Panikattacken: Rollerskates

Ich wurde sehr liebevoll und bezüglich meiner Gesundheit sehr streng erzogen. Allein wegen des Essens und des Verzichtes auf Gluten war eine genaue Kontrolle lebensnotwendig.

Ich war gesundheitlich nicht besonders wohlwollend bedacht worden und setze mich früh mich Gedanken auseinander, welche für eine kindliche Psyche ungeeignet waren. Aber, ich war ein fröhliches Kind und bin ein fröhlicher Erwachsener geworden. Diese Panik war und ist für mich schwer zu akzeptieren und ich arbeite meist tapfer daran, diese zu überwinden.

Das erste mal seit ü 20 Jahren habe ich das Gefühl, dass ich traurig bin, weil ich Diabetes habe. Mein Blutzucker scheint sich wöchentlich- manchmal täglich zu ändern. Kein Tag ist wie der Andere. Vergleiche zu ziehen und Parallelen zu finden scheint aussichtslos. Diabetes ist mit Sicherheit nicht die schlimmste Erkrankung der Welt- aber sie ist ein 24h Job der miserabel bezahlt und denkbar schlecht entlohnt wird. Mein Hba1C ist bei 9,4%. Das ist fies. Aber, er war auch schon bei 11! Ich bin aber keine 9! Ich bin genau und folgsam- ich hätte mindestens eine 7 verdient.

Es ist aber eine 9. Panikattacken fühlen sich bei mir genau wie das Unterzuckern an. Ich spüre meinen Blutzucker sehr genau. Ob er hoch- oder tief ist aber auch, ob er steigt oder fällt. Diese Panik hat mein gesamtes Körpergefühl verunsichert und ich wurde nahezu süchtig nach dem Messen des BZ. Thank to Abbott for FreeStyle. Ein Meilenstein!

Diabetes und Panikattacken: Mama und Kind

Ich lernte jüngst, dass man traurig sein darf und sich ungerecht behandelt zu fühlen ist das Erkennen einer Tatsache und kein unangebrachtes Selbstmitleid. Aber man muss dran bleiben! Für sich selbst, für sein eigenes Leben und für die Menschen, die mit einem kämpfen und kämpften.

Es ist toll, was die Welt in den letzen 20 Jahren im Bezug auf Diabetes geschaffen hat. Die ´neuen´ Diabetiker können so frei und fröhlich sein und stoßen auf Verständnis und unzählige Möglichkeiten. Alles ist bunt und irgendwie hipp. Ich war damals das erste Kind mit Insulinpumpe in Deutschland. Es war also wirklich eine andere Zeit.

Ich bin bezüglich der Panik auf einem guten Weg. Jetzt ist der Diabetes fällig! Ich habe neuen Mut gefunden, mich direkt mit der Forschung und deren Erkenntnissen zu befassen. Ich möchte nicht aufgeben sondern frontal darauf zugehen.

Seid mutig, ehrlich und nehmt ernst, was euch eurer Körper sagen will. Hört auf ihn, ihr braucht ihn. Und ich versuche zu lernen, dass das Leben eine riesige Gefahr ist- Eine, die vor allem spannend, schön und aufregend ist. Viele Ängste sind berechtigt- aber bitte erst durchdrehen, wenn wirklich etwas passiert. Bis dahin, lebt! Es lohnt sich.

Maya

Diabetes und Panikattacken: Auf einem guten Weg