Diabetes und Alkohol – bewusst genießen

Wenn wieder O'zapft is

Alkoholgenuss ist bei vielen Anlässen fast selbstverständlich und vor allem auf Volksfesten kaum wegzudenken. Die Kombination Diabetes und Alkohol kann den Blutzucker allerdings ordentlich durcheinander wirbeln. Ein paar Tipps, die nicht nur für die Oktoberfest-Saison gelten. 

Diabetes und Alkohol - Oktoberfest
Diabetes und Alkohol: Auch das passt zusammen, unsere Tipps zeigen Ihnen wie.

Anfang Herbst haben Dirndl und Krachlederne deutschlandweit Saison: Nicht nur auf dem Oktoberfest in München wird bayrische Tracht getragen und die eine oder andere Maß Bier gestemmt. Dabei empfiehlt es sich trotz ausgelassener Stimmung gewisse Grenzen zu kennen – Ihr Blutzuckerspiegel wird es Ihnen danken!

Die in alkoholischen Getränken enthaltenen Kohlenhydrate können den Blutzuckerspiegel zunächst ansteigen lassen. Die eigentliche Herausforderung liegt aber vor allem darin, dass Alkohol zu schweren Unterzuckerungen führen kann – und das bis zu 30 Stunden nach dem Konsum. Das liegt daran, dass das Glycogen-Depot der Leber nicht erneuert wird, solange der Körper Alkohol abbaut. Die Leber ist mit dem Alkoholabbau beschäftigt und schafft es nicht, Glukose ins Blut abzugeben und so einem sinkenden Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken. Hinzu kommt die typische Wirkung von Alkohol: Je mehr man trinkt, umso schwerer fällt es den eigenen Zustand richtig zu beurteilen und damit auch heranziehende Hyper- oder Hypoglykämien zu bemerken.

Diabetes und Alkohol: So verträgt sich's

Prinzipiell wird gerade beim Zusammenspiel zwischen Alkohol und Diabetes deutlich, dass jeder anders reagiert. Eine Pauschalaussage führt daher nicht zum Ziel, vielmehr muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen und sich an seine persönliche Strategie herantasten. Daher sollte man bei den ersten Gehversuchen besonders maßvoll sein – und sich an den folgenden Tipps orientieren:

Das A und O: Den Blutzucker im Blick behalten!

Trotz Feierlaune gilt eine Grundregel, an die sich jeder halten sollte: Regelmäßig den Blutzucker messen! Mit Anpassungen der Insulindosis sollte man aber auch bei erhöhten Werten vorsichtig umgehen, da die Werte schnell umschlagen können. Also: besser für die Kohlenhydrate in alkoholischen Getränken kein Insulin spritzen. Vor dem Schlafengehen sollten Sie auf jeden Fall nochmal messen, 150 und 180 mg/dl sind ein ungefährer Richtwert, um Unterzuckerungen während des Schlafs zu vermeiden. Liegt der Wert unter 120 mg/dl ist es besser, zur Sicherheit noch eine Kleinigkeit mit ca. 1-2 KE zu essen.

Grundlage schaffen

Alkohol nie auf leeren Magen trinken: Diese Allerweltsregel ist besonders wichtig, um Unterzuckerungen vorzubeugen. Vor oder während dem Feiern ist eine deftige Mahlzeit mit langsamen Kohlenhydraten empfehlenswert. Schnell wirksame Kohlenhydrate, wie der altbewährte Traubenzucker, sollten einen zusätzlich auf jedes Fest begleiten, zu jedem Drink eine Kleinigkeit knabbern kann ebenfalls eine gute Strategie sein. Wer beim Feiern tanzt oder sich viel bewegt, sollte sich darüber bewusst sein, dass dies zusätzlich den Blutzuckerspielgel absenken kann – auch hier ist es ratsam, schnelle KEs zur Hand zu haben.

Was wollen wir trinken?

Bier, das Oktoberfest-Getränk der Wahl, liefert Kohlenhydrate, und kann die Notwenigkeit zusätzlicher KEs so verringern: Eine Maß schlägt mit ca. 2,5 KE zu Buche. Wenn man allerdings gerade abnehmen oder sein Gewicht halten möchte, ist Bier mit einer Kalorienzahl von 210 kcal pro ½ Liter nicht unbedingt die beste Option. Trockene Weine oder extratrockene Sektsorten sind hingegen Alternativen, die sich am besten mit dem Diabetes vertragen. Zuckrige Cocktails sind auf Grund ihres meist hohen Alkoholgehalts und schnell wirksamer Kohlenhydrate eine eher ungünstige Mischung: Kurzfristig schneller Blutzuckeranstieg, langfristig erhöhte Gefahr von Unterzuckerungen. Hochprozentiges, wie ein Verdauungsschnaps, bieten zwar den Vorteil weniger Kohlenhydrate, sind aber auf Grund ihres hohen Alkoholgehalts mit einem erhöhten Risiko für langfristige Unterzuckerungen verbunden.

Gemeinsam feiern, gemeinsam achtgeben

Trotz aller Vorsicht kann es dennoch zu einer Unterzuckerung kommen. Daher: Freunde, Bekannte und Mitfeiernde sollten über den Diabetes Bescheid wissen und am besten auch darüber, was bei einer Unterzuckerung zu tun ist. Sicher ist sicher: Wenn Sie merken, dass es doch ein wenig viel war, machen Sie sich besser nicht alleine auf den Heimweg, sondern lassen sich begleiten.