Diabetes-Patenschaften

Kindern mit Diabetes helfen – ein Herzensprojekt

Diabetes-Patenschaften als kleine Anker im Alltag: Leoni Knaup und Beate Rasig setzen sich mit den Projekten „Pate auf Zeit®“ und „Kinder-Diabetes-Coach©“  dafür ein, dass Kinder mit Diabetes einen normalen Alltag erleben können. Im Interview lest Ihr, was dahinter steckt.

Kindern mit Diabetes helfen – ein Herzensprojekt
Aus Patientin und Diabetesberaterin wurde ein Team: Leoni Knaup (links) und Beate Rasig wollen gemeinsam Kindern mit Diabetes helfen.

Zusammen habt Ihr das Projekt ins Leben gerufen. Verratet uns doch mal etwas über Euch. Wer seid Ihr?

Leoni: Ich bin eine junge, energievolle und glückliche Person und probiere gerne neue Dinge aus. Vor zwölf Jahren habe ich selbst die Diagnose Diabetes erhalten und seit fünf Jahren begleite ich Kinder mit Diabetes auf Klassenfahrten und Ausflügen, damit sie davon nicht ausgeschlossen werden. Neben diesem Herzensprojekt mache ich liebend gerne Sport  wie Eiskunstlaufen, Kickboxen oder Ballett und studiere mehrsprachige Kommunikation an der TH Köln.

Beate: Ich bin seit vielen Jahren als Diabetesberaterin in der „Erwachsenendiabetologie“ tätig und übe diesen Beruf sehr gerne aus. Menschen mit Diabetes zu coachen, macht mir sehr viel Freude, inspiriert und motiviert mich immer wieder aufs Neue.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, dieses Programm ins Leben zu rufen?

Leoni: Ich bin vor einigen Jahren gefragt worden, ob ich nicht einem Kind helfen könnte, das ohne Begleitperson nicht mit auf Klassenfahrt fahren durfte. Da habe ich sofort ja gesagt! Nach der ersten Klassenfahrt folgte die zweite, dann die dritte und viele weitere. Dann wurde der Wunsch in mir immer größer, daraus ein richtiges Projekt inklusive Schulung und Organisation zu machen. Ich stellte mir eine Fortbildung vor, in der medizinisches und pädagogisches Wissen miteinander harmonieren, sodass die Paten als auch die Kinder davon profitieren – und das nicht nur in diabetischer Hinsicht, sondern auch in punkto Persönlichkeitsentwicklung. Mir fehlte nur eine konkrete Idee, wen ich für den medizinischen Part der Fortbildung fragen könnte.

Beate: Und hier komme ich ins Spiel. Ich bin Leonis Diabetesberaterin und in meiner täglichen Arbeit konnte ich immer wieder durch meine Typ1-Patienten erfahren, welche Anstrengungen nötig sind, um in jungen Jahren mit dem Diabetes zurecht zu kommen. Leoni erzählte mir von ihrer Idee und ich war sofort begeistert. Nach vielen Gesprächen und regem Austausch war klar: Wir starten das Projekt!

Und was steckt hinter dem Programm? Was beinhaltet es?

Leoni: Wir bieten zwei Programme an: Bei dem Programm Pate auf Zeit® geht es darum, Kinder mit Diabetes bei Aktivitäten zu begleiten, die sie ohne eine Begleitperson nicht machen dürften. Das kann zum Beispiel eine Klassenfahrt oder auch eine Übernachtung im Kindergarten sein. Die Paten sollten selbst Diabetes haben. Bevor der erste Einsatz als Pate losgeht, ist eine Fortbildung notwendig, die sich auf zwei Wochenenden aufteilt. Dort lernen die Teilnehmer medizinisches Wissen rund um Diabetes sowie pädagogische Skills, die die Paten für den Umgang mit den Kindern unserer Ansicht nach erlernen sollten.

Das zweite Programm ist eine Fortbildung zum Kinder-Diabetes-Coach©. Diese richtet sich an Menschen, die selbst keinen Diabetes haben, aber in verschiedenen Situationen – sei es im Beruf oder im Ehrenamt – mit Kindern mit Typ1-Diabetes zu tun haben. Auch hier ist eine Schulung notwendig: Die Coaches haben die Möglichkeit, am Modell selbst Katheter zu setzen, Blutzuckermessgeräte auszuprobieren und anhand von Praxisbeispielen zu lernen. Wenn die Betreuungspersonen gut geschult sind, können sich die Kinder sicher fühlen und ihren Alltag ganz normal leben.

Beate: Für den medizinischen Teil bei den Fortbildungen wie das Notfallmanagement bin ich zuständig. Wir möchten nicht nur das Basiswissen vertiefen, sondern auch die Paten mit neuen Technologien und Weiterentwicklungen im Diabetesbereich auf dem neuesten Stand halten. Den psychologischen Part wie die Ansprache der Kinder übernimmt Leoni.

Diabetes-Patenschaften

Das Logo des Projekts hat eine tiefe Bedeutung: eine Sanduhr symbolisiert die Zeit, die die Paten mit den Kindern verbringen. Die Hand steht für die Verantwortung, die die Paten tragen.

Habt Ihr schon einmal ein besonderes Feedback eines Kindes erhalten?

Leoni: Jedes Kind ist individuell – doch eines verbindet tatsächlich alle: Entweder während der Betreuung oder nach dem Ausflug sagen die Kinder immer sehr motivierende Dinge zu mir. Zum Beispiel: „Wir sind jetzt Diabetesschwestern! Unschlagbar.“ Oder: „Kannst du ab jetzt bitte immer mitfahren?“ Auch Fragen, ob sie mir mal die Spritze geben oder den Katheter setzen dürfen, sind nicht selten. Letztlich ist jede Geschichte einmalig – und bisher waren alle super schön. Für mich ist die größte Motivation das Strahlen in den Augen der Kinder zu sehen, wenn sie mit guten Blutzuckerwerten sorgenfrei spielen können - wie jedes andere Kind auch.

Was treibt Euch an, dieses Projekt zu stemmen?

Beate: Das kann ich tatsächlich kurz fassen: Ich möchte den Kindern gerne Paten an die Hand geben können, damit sich möglichst viele der Kinderwünsche als auch die der Eltern in Punkto Begleitung erfüllen. In meinen Augen können die Paten ihren Schützlingen einen normalen Alltag ermöglichen.

Leoni: Diabetes lehrt einen, seinen Körper – auch wenn er nicht zu 100 Prozent funktioniert – so anzunehmen wie er ist. Der Grundstein für dieses Verständnis wird im Kindesalter gelegt, umso wichtiger ist es, ein positives Verhältnis zum eigenen Diabetes zu entwickeln. Hier ist das Thema Selbstakzeptanz zentral. Die vielen bereichernden Momente mit den Kindern, Eltern und Betreuungspersonen, aber auch mit Menschen, die in der Medizin tätig sind, motivieren mich jedes Mal aufs Neue. Vor allem wenn ich sehe, wie sich die Kinder entwickelt haben, die ich einmal betreut oder begleitet hatte, dann weiß ich: So ist es genau richtig, sie sind einfach von Herzen glücklich.

Gab es bei dem Aufbau des Projektes auch ein paar Hürden zu überwinden?

Beate: Abgesehen von dem enormen Zeitaufwand zur Planung und Durchführung, gab es viele Fragen die uns beschäftigt haben – zum Beispiel zur Gründung oder Haftungsregelungen, um nur zwei Dinge zu nennen. Leoni hat sich hauptsächlich um die Logistik gekümmert und tut dies mit vollem Einsatz.

Leoni: Hürden gab es auf jeden Fall. Woher weiß man zum Beispiel als Privatperson, wie man eine Marke wie Pate auf Zeit® anmeldet oder Betreuungsverträge aufsetzt? Und auch die Homepage war eine Herausforderung – neben allem, was wir sonst so organisieren, erstellen wir auch die Homepage selbst. Wir haben es aber geschafft und das Projekt läuft in der Summe wirklich sehr gut. Wir sind begeistert, dass wir auch immer wieder unerwartete Unterstützung erhalten.

Hier gibt es alle Infos zu den Projekten von Leoni und Beate.

Übrigens: Auch auf #meinbuntesleben könnt Ihr Euch als Diabetes-Pate eintragen oder selbst einen Paten suchen.