Diabetes bei Flüchtlingen

Sprachbarrieren & medizinische Versorgung

Die Flüchtlingsdebatte bestimmt seit Monaten Politik und Medien. Auch zum Thema Gesundheit bringt die aktuelle Situation Fragen und Herausforderungen auf den Tisch: Wie werden Flüchtlinge medizinisch versorgt, welche Schwierigkeiten und Lösungsansätze gibt es?

Diabetes Therapie bei Flüchtlingen
Diabetes Therapie bei Flüchtlingen: Schwierigkeiten und Lösungen

Eine der elementaren Schwierigkeiten bei der medizischen Versorgung von Flüchlingen ist ebenso naheliegend wie schwierig zu handhaben: Ärzte und Patienten sprechen oft nicht die selbe Sprache. Dass dies bei Diabetes besonders problematisch ist, kann man sicher gut nachvollziehen, erinnert man sich an die erste Zeit nach der eigenen Diagnose zurück. Auch für Muttersprachler sind die Begriffe und Zusammenhänge rund um die Diabetes-Therapie anfangs oft nur schwer zu fassen.

Lösungsansätze für Sprachbarrieren werden aktuell gesucht. Einige Angebote sind bereits auf die neuen Herausforderungen ausgelegt und bieten Hilfestellung:

  • Der Accu-Chek Ratgeber Das Diabetes 1x1 kann neben der deutschen Version auch auf Türkisch, Russisch und Arabisch unentgeltlich bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.
  • Das Pilot-Projekt „Flüchtlinge verstehen“ stellt online einen kostenfreien Dolmetscherdienst zur Verfügung. Ein Dolmetscher kann von Ärzten live hinzugeschalten werden und das Therapiegespräch beidseitig unterstützen. Bis zu neun Sprachen stehen bisher zur Verfügung.
  • Auf der Website der Landesärztekammer Baden-Württemberg finden sich Anamnesebögen und Therapiepläne in 22 Sprachen zum kostenfreien Download.
  • Auch die Website von diabetesDE bietet mit dem Diabetes-Dolmetscher Hilfe zur Selbsthilfe. Zumindest die wesentlichsten Diabetes-Begriffe können dort in neun Sprachen nachgelesen werden – übrigens auch ein interessanter Service für Auslandsreisen.

Durchblick im Bürokratie-Dschungel: Gesundheitskarte, Behandlungsschein, Bund, Länder und Kommunen

Informationsmaterialien lösen die vorhandenen Probleme aber nur zum Teil. Die gesundheitliche Versorgung vor Ort gestaltet sich nach wie vor schwierig und ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Flüchtlinge haben keine deutsche Krankenversicherung. Sie benötigen einen Behandlungsschein, wenn Sie sich in Deutschland ärztlich behandeln lassen wollen. In den ersten 15 Monaten erhalten sie diesen bei erforderlicher ärztlicher Behandlung meist einmal im Quartal von der zuständigen Behörde, meist dem Sozialamt. Das bedeutet, dass nicht-medizinisches Personal darüber entscheidet, wer so krank ist, dass ein Arztbesuch notwendig wird. Addiert man vor diesem Hintergrund noch die Sprachbarrieren und eine „unsichtbare“ Krankheit wie Diabetes hinzu, wundert es nicht, dass eine schwierige und undurchschaubare Situation entsteht. Als Lösung wurde die Einführung einer Gesundheitskarte ins Spiel gebracht, die mit einer gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar ist. In ein paar Kommunen ist sie bereits im Einsatz, über eine bundesweite Einführung wird aber noch verhandelt.

Wie bereits erwähnt, ist aktuelle Voraussetzung für eine medizinische Behandlung von Asylsuchenden, dass sie akut erkrankt sind und Schmerzzustände haben. Was bedeutet das für Diabetes und die Versorgung mit Insulin? In Erstaufnahmeeinrichtungen wird zumindest für die Versorgung mit Insulin und Teststreifen gesorgt. In der Praxis ist es wohl meist so, dass Ärzte die Diagnose Diabetes als ausreichend akut auslegen, um Flüchtlinge mit Insulin etc. zu versorgen. Dennoch sind viele Ärzte tatsächlich verunsichert, eine klare und bundeseinheitliche Regelung existiert nicht.

Menschen ohne Aufenthaltsstatus und Krankenversicherung stehen allerdings abseits einer geregelten medizinischen Versorgung. Hier helfen ehrenamtlich tätige Organisationen. Solche Projekte sind etwa das Medibüro in Berlin, die Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg oder die Malteser Migranten Medizin mit 14 Standorten in Deutschland. Nur einige Beispiele für ein simples Grundprinzip: Dort zu helfen, wo es nötig erscheint.