Diabetes-Assistentin Gudrun Schindler über Diabetes, Engagement und Eversense

„Ich mache das Beste aus jeder Situation“

Gudrun Schindler erhielt die Diagnose Typ-1-Diabetes, als sie 1983 hochschwanger war. Die heute 57-jährige aus Stetten (Baden-Württemberg) ist inzwischen Diabetes-Assistentin und hilft anderen Menschen mit Diabetes. Im ersten Teil des Interviews spricht sie über ihr Leben mit Diabetes, ihre Motivation anderen zu helfen und ihre Erfahrungen mit CGM-Systemen.

Diabetes-Assistentin Gudrun Schindler über Eversense
Gudrun Schindler und ihr Mann sind ein eingespieltes Team – auch was den Alltag mit Diabetes betrifft. Mit Eversense hat das Ehepaar ihre Blutzuckerwerte via Smartphone App immer im Blick.

Sie leben seit 35 Jahren mit Diabetes. Können Sie sich noch an den Tag der Diagnose erinnern?

Den werde ich nie vergessen: Ich war 22 Jahre alt und im siebten Monat schwanger. Ich hatte plötzlich ganz viel Durst und merkte, dass mit mir etwas nicht stimmt. Da habe ich nachgelesen und herausgefunden, dass es Diabetes sein könnte. Mein Arzt wollte das zuerst gar nicht glauben. Wir haben dann trotzdem einen Test gemacht, der meine Vermutung bestätigt hat: Diagnose Diabetes Typ 1. Wegen des hohen Risikos musste ich bis zur Geburt im Krankenhaus bleiben. Glücklicherweise ist alles gut gegangen und ich habe eine gesunde Tochter zur Welt gebracht. 

Was hat sich mit der Diagnose in Ihrem Leben verändert?

Ehrlich gesagt hat sich für mich gar nicht so viel verändert, auch wenn es damals sehr prägend war mit der Diagnose und dem ersten Kind. Ich habe mich von Anfang an darum gekümmert, dass der Alltag mit Diabetes funktioniert, weil mir meine Gesundheit wichtig ist und ich Verantwortung für ein kleines Kind hatte. Ich bin ein Mensch, der das Beste aus jeder Situation macht. Ich kann mich z.B. noch daran erinnern, dass ich total glücklich war, als ich mein erstes Blutzuckermessgerät und meinen ersten Pen bekommen habe. Mit einer positiven Einstellung lebt es sich meiner Meinung nach besser – auch mit Diabetes.

Sie selbst haben eine Ausbildung zur Diabetes-Assistentin gemacht. War Ihre eigene Diagnose der Grund?

Ja, seit meiner Diagnose hat mich das Thema Diabetes immer beschäftigt. Deswegen habe ich beispielsweise auch eine Diabetes-Selbsthilfegruppe geleitet. Diabetes ist in meinen Augen eine Krankheit, die sich gut managen lässt und für die es alle nötigen Hilfsmittel gibt. Ich denke mir, dass jeder das hinbekommen kann. Ich versuche den Menschen zumindest die Grundlagen zu vermitteln und ihnen zu zeigen, dass es funktioniert – nur muss man dafür auch etwas tun.

Wie finden es Ihre Patienten, dass ihre Beraterin auch Diabetes hat?

Meine Patienten finden das sehr gut. Dadurch habe ich einen ganz anderen Bezug zu den Menschen. Ich sage ihnen nicht immer zwangsläufig, dass ich Diabetes habe. Häufig ergibt es sich und dann merke ich, dass die Gespräche eine ganz andere Wendung nehmen und wir dadurch viel erreichen. Im Umgang mit meinen Patienten sage ich auch immer geradeaus, was ich denke. Für mich als Beraterin ist es wichtig, ehrlich zu sein und zu helfen, sofern sich jemand helfen lässt.

Wieso haben Sie sich für die Insulinpumpentherapie entschieden?

Auslöser für meine Insulinpumpe waren Schulungen, die ich als Diabetes-Assistentin gemacht habe. Auch wenn das Spritzen von Insulin für mich als Anwenderin der ICT (Intensivierte konventionelle Therapie) immer ein Thema war, habe ich mein Leben mit Diabetes immer gut gemanagt. Trotzdem habe ich die Pumpe einfach einmal ausprobiert, um zu wissen, wie sie funktioniert. Und mich dann gefragt, warum ich solange darauf gewartet habe! Ein klarer Vorteil ist für mich, dass ich mich nicht mehr so oft spritzen muss. Dadurch muss ich mir nachts nicht immer einen Wecker stellen und kann auch mal ausschlafen. Meine Accu-Chek Insight Insulinpumpe möchte ich nicht mehr hergeben.

Inzwischen nutzen Sie das Eversense XL CGM System. Wie kam es dazu?

Für mich war das Thema CGM-Systeme total interessant. Durch meinen Beruf hatte ich die Möglichkeit, an einer Studie mit Sensoren teilzunehmen. Danach habe ich aber für mich festgestellt, dass ich das erst einmal nicht möchte, weil ich mir so verklebt vorkam und die meisten Sensoren auch nicht gehalten haben. Ich wollte dann lieber noch ein bisschen warten, weil ich ein CGM-System nicht zwingend brauche. Dann kam Eversense auf den Markt. Und da dachte ich mir: Das klingt klasse, das probiere ich aus! Mittlerweile trage ich Eversense seit über einem Jahr. Erst vor kurzem erhielt ich den neuen Langzeit-Sensor des Eversense XL CGM Systems.

„Ich fühle mich damit absolut frei.“

Welche Vorteile hat das neue Eversense XL System für Sie persönlich?

Ich fühle mich damit absolut frei. Ich habe kein zusätzliches Gerät am Körper und der Smart Transmitter am Arm stört mich überhaupt nicht. Vor allem hält er! Zudem hilft es bei meinen Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen: 2011 wurde bei mir Brustkrebs diagnostiziert. Ich habe alles gut überstanden, musste danach aber fünf Jahre Tabletten nehmen. Nachdem ich diese abgesetzt habe, hatte ich ganz schwere Hypoglykämien, die immer nachts kamen. Mir ist die Wahrnehmung dafür komplett verloren gegangen. Der Smart Transmitter vibriert bei zu hohen oder zu tiefen Werten direkt am Arm. Nachts weckt mich das auf, wenn etwas mit meinen Werten nicht stimmt – das ist einfach klasse. Auch mein Mann kann jetzt wieder beruhigt schlafen, weil er sich keine Sorgen mehr machen muss.

Nutzt Ihr Mann auch die Eversense NOW App?

Ja, mein Mann nutzt die App. Wenn meine Werte mal nach unten gehen, beobachtet er das eine Weile und schreibt mir dann oder ruft mich an, dass ich besser mal einen Saft trinken oder etwas essen soll. Er achtet zum Teil mehr darauf als ich. Das ist auch ganz gut so, denn manchmal denke ich im Alltag nicht daran, sofort zu reagieren.

Zu guter Letzt: Was ist Ihre persönliche Botschaft an andere Menschen mit Diabetes?

Egal ob Apps, Insulinpumpen oder CGM-Systeme – die Technik erleichtert das Leben mit Diabetes, aber sie nimmt uns das Denken nicht ab. Viele Diabetiker verstehen gar nicht, wie z.B. ihre Insulinpumpe funktioniert oder was genau die Werte bedeuten, die ihnen ihr CGM-System anzeigt. Deswegen ist meine Botschaft: Man muss offen sein, aber auch mitdenken und lernen, richtig mit den technischen Hilfsmitteln umzugehen. Meiner Meinung nach kann man mit Diabetes alt werden und dabei richtig gut leben – man muss bloß etwas dafür tun.