Berufskraftfahrer mit Diabetes

Diagnose auf Umwegen

01.02.2016 / Jens Uwe R.

Als Berufskraftfahrer musste ich regelmäßig eine ärztliche Tauglichkeitsprüfung über mich ergehen lassen. Das ist auch gut so, denn damit wurde mir bescheinigt, auch mit Sonder- und Wegerechten fahren zu dürfen. Und so vergingen die Jahre. Als mich eines Tages eine Erkältung zum Hausarzt zwang, eröffnete mir dieser, dass ich Diabetiker sei. Ich war mehr als erstaunt: Um das festzustellen, hätte der Hausarzt ja eine entsprechende Untersuchung vornehmen müssen. Und genau das war nicht der Fall. Dann erfuhr ich, dass die Diabetes-Diagnose bei der letzten Tauglichkeitsprüfung durch den ärztlichen Dienst gestellt wurde. Sie wurde aber nicht mir, sondern nur meinem Hausarzt mitgeteilt. Ein Skandal. Denn ich war berechtigt, alle Sonderrechtsfahrten mit Wegerechten auszuüben. Das bedeutet eine besondere Sorgfalt. Auch die Personenbeförderung wurde mir nicht untersagt. Nun, der Schock saß. Ich war Diabetiker und wusste es nicht. Nur der untersuchende Arbeitsmediziner, der aber mir gegenüber nichts sagte. Und für meinen Arbeitgeber galt ich daher weiter als tauglich.

Meinen Diabetes in den Griff zu bekommen, gelang nun nicht mehr mit Tabletten. Und als dann eine Operation anstand, war mein Hba1 Wert bei 9,4 – also viel zu hoch. Nun kam ich an die Spritze. Mit einem guten Messgerät, Insulin und einer normalen Ernährung gelang es mir in einem viertel Jahr meinen Hba1 Wert auf 7,1 zu drücken. Die Operation konnte nun gemacht werden. Leider aber gelang diese Operation nicht wie geplant. Dann kam ein Herzinfarkt dazu. Mein Glück, dass alle Beteiligten perfekt reagiert haben, und so konnte ich bereits eine halbe Stunde später bei der Kathederuntersuchung mein Herzproblem selbst auf dem Monitor erkennen. Mein Herz wurde repariert und nach 39 Tagen mit Reha konnte ich meine Arbeit wieder aufnehmen. Das Besondere aber war, dass mein Arbeitgeber und meine Kollegen mir wunderbar zur Seite standen.

Die Botschaft aber meinerseits ist: Diabetes und der Herzinfarkt sind für mich fast ein Muss gewesen, denn seitdem geht es mir sehr gut. Diabetes ist für mich ein Begleiter, der von mir akzeptiert ist. Ich bin viel mit dem Mountainbike unterwegs, eine Leidenschaft sind kurze Berganstiege. Da muss ich kämpfen. Aber Essen ist auch eine Leidenschaft. Ich esse einfach alles. Das Messen der Blutzuckerwerte geschieht regelmäßig, ich lege auch großen Wert darauf, alle Wert genau zu dokumentieren. Zwar wäre das auch mit dem Computer möglich, aber ein Heft ist für mich der bessere Weg. Unterzuckerungen merke ich ab dem Wert 70. Dann muss ich meine Bewegungen etwas einschränken, denn dann geht es sehr schnell runter. Und das Gefühl ist einfach nicht schön. Wichtig ist, dass ich Kohlehydrate bei mir habe. Und auf noch etwas bin ich verdammt stolz. Als Diabetes festgestellt wurde, wog ich 112 Kilo. Nach gut 12 Jahren habe ich endlich ein Gewicht unter 90 Kilo erreicht. Wichtig ist Bewegung, nie einen Fahrstuhl oder Rolltreppe nutzen, das Auto in der Garage lassen. Und natürlich eine Ernährung, die Spaß macht. Mit Lust Lebensmittel einkaufen und daheim frisch kochen. Diabetes ist eine blöde Krankheit, aber ich komme super damit aus.