Basiswissen Zöliakie und Diabetes

Aufs Korn genommen

Menschen mit Typ-1-Diabetes trifft es häufiger: Zöliakie, eine Unverträglichkeit gegen Gluten, das in vielen Getreidesorten steckt. Was es damit auf sich hat und worauf es dann ankommt, erfahren Sie hier.

Zöliakie, eine Unverträglichkeit gegen Gluten, und Typ-1-Diabetes kommen häufiger zusammen
Damals so gut wie unbekannt, heute in aller Munde – oder eben auch nicht: das Klebereiweiß Gluten

Ob bei Low-Carb- oder Paleo-Diäten – glutenfreie Ernährung liegt im Trend. Viele verzichten freiwillig auf Weizen, Roggen & Co. Für Menschen mit Zöliakie ist lebenslanger Verzicht dagegen die einzige Behandlungsmöglichkeit.

Wenn Zöliakie und Zuckerkrankheit nun im Zweierpack erscheinen, dann ist das zunächst schwer zu verdauen. Eine Doppeldiagnose überrascht jedoch nicht: Zöliakie und Typ-1-Diabetes sind auf die gleichen Genvarianten zurückzuführen, die das Risiko für beide Erkrankungen erhöhen.

Doppelte Herausforderung – wie oft passiert das?

In Deutschland lebt schätzungsweise bis zu 0,7 Prozent der Bevölkerung mit Zöliakie. Menschen mit Typ-2-Diabetes sind davon genauso häufig betroffen. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes liegt die Zahl jedoch bei bis zu sieben Prozent, also zehnmal höher.

Menschen mit Typ-1-Diabetes wird deshalb empfohlen, sich regelmäßig auf Zöliakie untersuchen zu lassen. Das ist wichtig, weil Zöliakie sich meist heimlich entwickelt: Typische Anzeichen wie Durchfall oder Bauchschmerzen treten erst gar nicht auf. Für die Diagnose liefert zunächst ein Bluttest auf Zöliakie-Antikörper erste Hinweise, endgültig Aufschluss gibt dann eine Dünndarmbiopsie.

Warum auf Gluten verzichten?

Unbehandelte Zöliakie zieht Mangelerscheinungen und damit verbundene Komplikationen nach sich. Denn wenn das Immunsystem als Reaktion auf Gluten die Dünndarmzotten zerstört, behindert das die Nährstoffaufnahme. Bekommt der Darm keine Chance, sich zu erholen, bleibt er chronisch entzündet – und Entzündungen können den Blutzuckerspiegel erhöhen.

Bei glutenfreier Kost regeneriert sich die Darmschleimhaut, das heißt, auch die Kohlenhydrataufnahme verbessert sich wieder. Dadurch kann sich der Insulinbedarf erhöhen. Von daher ist es durchaus normal, wenn die Zuckerwerte gerade zu Beginn der Ernährungsumstellung etwas stärker schwanken als gewohnt.

Eine Frage der richtigen Einstellung

Die Auswahl an glutenfreien Ersatzprodukten wächst stetig, so dass keiner wirklich seiner Lieblingsspeise entsagen muss. Natürlich ist das nicht ganz dasselbe: Zuweilen enthalten die Ersatzprodukte mehr Stärke, Zucker und Fett, dafür aber weniger Ballaststoffe und Eiweiß. Die gegebenenfalls höhere Kohlenhydratmenge und ein eventuell höherer glykämischer Index lassen den Blutzucker stärker und schneller ansteigen – was bei der Einschätzung des Bolus mitberücksichtigt werden will.

Am Anfang ist es deshalb hilfreich, die Blutzuckerwerte öfter zu kontrollieren und ein Ernährungstagebuch zu führen. Die Diabetestherapie bleibt dieselbe. Ändern darf sich der Speiseplan: Am besten wählen Sie frische und unverarbeitete Zutaten, die von Natur aus glutenfrei sind, und essen Sie möglichst abwechslungsreich. Wichtig ist es zudem, genug Ballaststoffe zu bekommen, denn so gehen die Blutzuckerwerte weniger flugs in die Höhe.

Auch glutenfrei lecker essen

Eine Glutenunverträglichkeit macht es notwendig, sich über glutenfreie Ernährung schlau zu machen. Und gerade bei Zöliakie und Diabetes empfiehlt sich eine Ernährungsberatung. Ebenfalls ist es wichtig, über mögliche Glutenfallen wie Zahnpasta oder Tabletten Bescheid zu wissen. Auswahl- und Einkaufshilfen bieten Apps wie z.B. Barcode-Scanner, die über Inhalts- und Nährstoffe zahlreicher Produkte informieren.

Ansonsten ist es möglich, sich nach Herzenslust von glutenfreien Trend-Diäten inspirieren lassen. Die haben nämlich eine schöne Reihe an Rezepten mit sich gebracht – online wie offline. So schmeckt es auch ganz ohne Gluten.