Basiswissen Insulinbehandlung bei Diabetes: Die 3 Therapieformen im Überblick

Spritzen oder pumpen?

Bei Typ-1-Diabetes geht es nicht ohne sie, bei Typ-2-Diabetes wird sie nötig sobald orale Antidiabetika nicht mehr ausreichen: Die Insulintherapie. Hier erfahren Sie alles Wichtige über die verschiedenen Formen der Insulinbehandlung mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Basiswissen Insulintherapie
Insulinpen, Spritze oder Pumpe – es gibt verschiedene Formen der Insulinbehandlung bei Diabetes

Im Fall von Typ-2-Diabetes reichen zu Beginn noch eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und bei Bedarf orale Antidiabetika aus, um den Stoffwechsel wieder in die richtige Bahn zu lenken. Gelingt das nicht kann es dazu kommen, dass das Insulin nicht mehr die erforderliche Wirkung entfalten kann und die Insulinproduktion im Körper langfristig gehemmt wird. Im Fall von Typ-1 Diabetes ist die Insulinproduktion wiederum komplett gehemmt. In diesen Fällen muss Insulin von außen zugeführt werden. Dafür gibt es drei verschiedene  Therapiemöglichkeiten, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen. Welche Insulinbehandlung davon für Ihre Therapie passend ist, besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Diabetologen.

Konventionelle Therapie (CT)

Bei der konventionellen Therapie wird ein bis zweimal täglich zu festgelegten Uhrzeiten Mischinsulin gespritzt. Wie viel man sich dabei täglich bewegt und wann man welche Mahlzeiten zu sich nimmt, richtet sich streng nach Zeitpunkt und Dosis der Insulingabe. Die konventionelle Insulintherapie ist für Menschen mit flexiblem Tagesablauf daher kaum geeignet und zählt heute nicht mehr zu den Standard-Therapieformen. Sie wird allerdings zum Großteil in Alters- und Pflegeheimen angewendet, wenn die betroffene Person nicht mehr in der Lage ist, selbstständig eine intensivierte konventionelle Insulintherapie durchzuführen.

 

Intensivierte konventionelle Therapie (ICT)

Bei der ICT-Therapie wird der Grundbedarf an Insulin durch  Verzögerungsinsulin abgedeckt, das ein- bis dreimal täglich mit einem Insulinpen zugeführt wird – Spritzen werden heutzutage in der Regel nicht mehr benutzt. Diese Grundversorgung nennt man den basalen Insulinbedarf, oder die Basalrate. Zu den Mahlzeiten wird eine jeweils dafür errechnete Menge kurzwirksamen Insulins als Bolus gespritzt. Die Bolusmengen richten sich nach den aktuellen Blutzuckerwerten und den Kohlenhydratmengen der Mahlzeiten. Dafür wird der Blutzuckerspiegel mehrmals täglich gemessen. Mit der ICT-Therapie lässt sich der Alltag flexibel gestalten. Wann und wie viel man isst, wie viel und wie lange man sich körperlich anstrengt – all das lässt sich bei der Bolusgabe flexibel berücksichtigen.

Insulinpumpentherapie (CSII)

Bei der "kontinuierlichen subkutanen Insulintherapie" – kurz CSII – oder Insulinpumpentherapie wird über ein dünnes Schlauchsystem Normalinsulin oder schnell wirksames Analoginsulin kontinuierlich in den Körper abgegeben. Damit ist der Körper mit dem Grundbedarf an Insulin, also der Basalrate, ständig versorgt. Zu den Mahlzeiten und zur Korrektur der Blutzuckerwerte zwischendurch wird per Knopfdruck kurzwirksames Insulin als Bolus abgegeben. Die Pumpe lässt sich unauffällig am Körper tragen: Ein kleiner Katheter liegt im Unterhautfettgewebe, das Insulin wird von dort ins Blut abgegeben. Die Stärke der Insulinpumpentherapie liegt in der Verbesserung der basalen Insulinversorgung. Sie erlaubt eine sehr flexible und spontane Tagesplanung und wird dadurch den vielseitigen Bedürfnissen des Alltags gerecht. Auch unkontrollierbare Blutzuckerschwankungen wie das Dawn-Phänomen oder starke Unterzuckerungen lassen sich dadurch in den Griff bekommen. Besonders geeignet ist die Pumpe außerdem für die Zeit der Schwangerschaftsvorbereitung, während der Schwangerschaft und für Kleinkinder.

Vor Beginn einer Insulinpumpentherapie sollte die strukturierte ICT-Therapie beherrscht werden. Auch die Teilnahme an einer speziellen Pumpenschulung ist Pflicht – weitere Tipps zur Beantragung einer Insulinpumpe und vieles mehr finden Sie hier