Basiswissen Diabetes: Wie aussagekräftig der HbA1c-Wert wirklich ist

Goldstandard?

Alle drei Monate wird er gemessen, der HbA1c. Der Wert soll Aufschluss über die Diabetestherapie der vergangenen drei Monate geben – doch was wird dabei eigentlich genau untersucht und wie aussagekräftig ist das Ergebnis?

Wie aussagekräftig der HbA1¬c-Wert wirklich ist
Der HbA1c-Wert ist ein Mittelwert mit allen Vor- und Nachteilen – als Goldstandard geeignet?

Lange Zeit galt ein hoher HbA1c-Wert als Zeichen für einen schlecht eingestellten Blutzuckerspiegel und einen niedrigen Wert wiederum als Zeichen für eine erfolgreiche Therapie. Das scheint plausibel: Bei einem hohen Blutzuckerspiegel lagern sich an bestimmte Bestandteile des Blutes Zuckermoleküle an. Diese werden Hämoglobin oder Hb genannt, und finden sich auch in der Abkürzung HbA1c wieder. Der HbA1c-Wert misst dann, wie viel Prozent dieser Bestandteile „überzuckert“ sind. 

Vorsicht vor heimlichen Blutzucker-Achterbahnfahrten

Doch der Wert hat auch Schwächen, denn er sagt nicht viel über den tatsächlichen Verlauf des Blutzuckerspiegels aus. Er gibt lediglich einen Mittelwert an, um den der Blutzuckerspiegel während der vergangenen drei Monate geschwankt ist. Hat man also eine wahre Achterbahnfahrt zwischen sehr hohen und sehr niedrigen Blutzuckerwerten hinter sich, können die Werte im Schnitt trotzdem zu einem „guten“ HbA1c-Wert führen. Tatsächlich würde man aber bei häufigen Stoffwechselentgleisungen sicher nicht von einem gut eingestellten Diabetes sprechen.

hba1c-wert: Kurve
Beide Kurven zeigen einen HbA1c-Wert von 7,3 Prozent. Die rosa Kurve weist relativ moderate Blutzuckerschwankungen auf. Die rote Kurve zeigt dagegen zahlreiche Blutzuckerspitzen und Werte nah an einer Hypoglykämie.

Wirklich aussagekräftig ist also nur ein HbA1c, der durch strukturierte Blutzuckermessungen ergänzt wird. Mit Accu-Chek Guide ist das besonders  leicht: Hier lassen sich die gemessenen Werte z.B. direkt mit der Accu-Chek Connect App auswerten und Schwankungen werden schnell erkannt.

Goldstandard? Der HbA1c ist nicht das Maß aller Dinge!

Einfach zusammengefasst ist der HbA1c-Wert nur in eine Richtung eindeutig: Ein sehr hoher Wert ist schlecht. Doch auch wenn ein mittlerer oder niedriger HbA1c-Wert oft erst einmal einen Grund zur Freude liefert, besitzt dieser nur in Zusammenhang mit dem tatsächlichen Blutzuckerverlauf echte Aussagekraft. Bei manchen Menschen mit Diabetes hat sich der Wunsch nach einem niedrigen HbA1c so stark eingeprägt, dass sie häufige Unterzuckerungen in Kauf nehmen, um den Wert niedrig zu halten. Umso wichtiger, dass Ärzte und Diabetologen den Fokus nicht nur auf den HbA1c-Wert legen, sondern den gesamten Verlauf der Blutzuckerwerte unter die Lupe nehmen.

Alles in allem: Die Werte sollten sich überwiegend in einem Bereich befinden, in dem man sich wohlfühlt. Das Ziel der Diabetestherapie sollte also nicht sein, einen möglichst niedrigen HbA1c-Wert zu erzielen, sondern so viel Zeit wie möglich im persönlichen Zielbereich zu verbringen und starke Schwankungen zu vermeiden!